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Ein Dübel hält die Welt zusammen: Artur Fischer für sein Lebenswerk nominiert

02.05.2014

Europäischer Erfinder-"Oscar" wird in Berlin vergeben

  • 94-Jähriger hält mehr als 1.100 Patente
  • Milliardenfach produzierter Fischer-Dübel revolutionierte 1958 die Bauindustrie
  • Fischer erfand auch das Blitzlichtgerät mit synchroner Auslösung sowie das fischertechnik Spielsystem
  • Die 1948 gegründeten Fischerwerke in Waldachtal (Schwarzwald) beschäftigen heute rund 4.000 Mitarbeiter in 31 Ländern

Mit allein in Deutschland mehr als 1.100 angemeldeten Patenten und Gebrauchsmustern gehört Artur Fischer zu den erfolgreichsten Erfindern aller Zeiten. Bekannt gemacht hat den heute 94-Jährigen vor allem eines: der in der Umgangssprache nach ihm benannte Spreiz-Dübel ("Fischer-Dübel"), der 1958 seinen Siegeszug rund um den Globus antrat und heute in verschiedenen Varianten in einer Stückzahl von mehr als 14 Millionen täglich produziert wird. Für diese und weitere bahnbrechende Leistungen hat ihn das Europäische Patentamt (EPA) nun für den Europäischen Erfinderpreis 2014 in der Kategorie "Lebenswerk" nominiert. Europas "Oscar" für technische Innovation wird am 17. Juni in Berlin verliehen.

Benoît Battistelli, Präsident des Europäischen Patentamtes: "Artur Fischer ist nicht nur eine herausragende unternehmerische Persönlichkeit, sondern auch ein begnadeter Erfinder, ein wirklicher Tüftler. Er hat es über Jahrzehnte hinweg wie kaum ein anderer verstanden, durch Neugierde, Leidenschaft und unbändigen Willen ganz praktische Dinge des Alltags zu revolutionieren. Artur Fischer verkörpert in sich all die Tugenden, die einen Finalisten des Europäischen Erfinderpreises auszeichnen."

Wohnzimmer zu dunkel - Synchronblitz erfunden

Als Artur Fischer am Silvesterabend 1919 im beschaulichen Schwarzwald geboren wurde, deutete wenig darauf hin, dass hier eine Persönlichkeit das Licht der Welt erblickte, die einmal viele Bereiche des alltäglichen Lebens mit seinen bahnbrechenden Erfindungen verändern sollte. Der Vater Schneider, die Mutter Lohnbüglerin, wuchs Fischer in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Weil sich die Familie keine höhere Schulbildung leisten konnte, kam der damals 16-Jährige nach Stuttgart und nahm eine Schlosserlehre auf. Es folgten die entbehrungsreichen Jahre des Zweiten Weltkrieges. Fischer zeigte erneut aus welchem Holz er geschnitzt ist, als aus der Kriegsgefangenschaft floh. Wieder in der Heimat, machte er sich, nach einer kurzen Episode als Angestellter in einem Elektrogeschäft, seiner Natur entsprechend, selbstständig.

Die erste Erfindung ließ nicht lang auf sich warten. Hinter seinem ersten Patent steckt indes eine kuriose Geschichte: weil eine Fotografin in der dunklen Dachgeschosswohnung nicht in der Lage war, gute Bilder seiner eben geborenen Tochter zu schießen, erfand Artur Fischer kurzerhand das weltweit erste synchronisierte Blitzlichtgerät für Fotoapparate. Diese vom damaligen Marktführer Agfa vertriebene technische Glanzleistung brachte Fischer erste Anerkennung - vor allem aber wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Mit dem Spreizdübel begann der Siegeszug

Noch vor Ende des Kriegsjahrzehnts gründet der umtriebige Unternehmer die Fischerwerke GmbH, die sich rasch zu einem florierenden Unternehmen entwickeln. Zahlreiche Erfindungen und Patente folgen. Doch das Produkt, das bis heute untrennbar mit dem Namen Fischer verbunden ist, kommt 1958 auf den Markt: der Spreizdübel, umgangssprachlich auch Fischer-Dübel genannt. Den Dübel als solchen gab es bereits zuvor. Damals stellte eine Aluminium- oder Blechhülse mit Hanffüllung die bestmögliche Befestigungs-Technik dar. Festen Halt gab diese außen glatte Hülse allerdings nur im vollen Backstein. Bei porösem Umfeld versagte der Dübel in der Regel. Genau hier setzt Fischers Neuerung an: die einzudrehende Schraube spreizt den Dübel auseinander, der Dübel krallt sich mit seinen Rillen im Bohrloch fest. Zwei kleine Flossen seitlich am Schaft sichern den Dübel gegen Verdrehen ab. Seine ebenso geniale wie einfache Analyse: "Die bisherigen Dübel waren alle zylindrisch mit einer glatten Außenfläche. Der Dübel, der im weichen und harten Material halten soll, braucht Zähne". Fischer hätte es dabei belassen können. Seine Entscheidung war eine andere: Er tüftelte weiter, verbesserte und diversifizierte seine Erfindung. Und immer wieder fand er neue Bereiche, in denen er seine Kreativität ausleben konnte. Am Ende standen allein in Deutschland mehr als 1100 Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen zu Buche. Damit spielt Fischer in einer Liga mit weltbekannten Erfindern wie Edison.

Bis zum heutigen Tag sind die von ihm gegründeten Fischerwerke ein reiner Familienbetrieb. Seit 1980 wird das Unternehmen von Sohn Klaus geleitet. Etwa 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um den Globus stellen zirka 14.000 Artikel im Bereich Befestigungssysteme her und erwirtschaften einen Jahresumsatz von über 600 Millionen Euro. Mehr als 14 Millionen verschiedene Fischer-Dübel verlassen täglich die Fischerwerke; Milliarden von ihnen sind überall auf der Welt in den vergangenen 50 Jahren verbaut worden.

"Erfolg spielt sich im Herzen ab, nicht im Geldbeutel"

"Das Erfinderleben, ist schwer, es ist streng, es verlangt einem viel ab - aber es ist, wenn man es richtig macht, ein glückliches Leben ", sagt der heute 94-Jährige , der bis ins hohe Alter an der Werkbank steht und weiter tüftelt. Bezeichnend für seine stete Neugierde, sein Streben nach neuen Lösungen und sein Gespür für Business: 1964 fertigte Fischer einen Spielzeugbaukasten - als Weihnachtsgeschenk für die Kinder seiner Geschäftspartner. Ein Jahr später trat sein Spielzeugsystem "fischertechnik" den Siegeszug in die Kinderzimmer rund um den Planeten an.

"Erfolg spielt sich nicht im Geldbeutel ab, sondern im Herzen", beschreibt Artur Fischer seine Gefühle. Der Mann, der mit Ehrenprofessuren, Doktorwürden und unter dem anderen dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, nahm auch die Nachricht für die Nominierung zum Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Lebenswerk sehr emotional auf. Fischer: "Das ist etwas ganz, ganz Tolles, so habe ich es auch aufgefasst, als ich erfahren habe, dass ich nominiert bin!".

Pressekontakt: Oswald Schröder Sprecher/Projektmanager Tel. +49 (0)89 2399 1800 mobil: +40 (0)163 8399 668 oschroeder@epo.org

Rainer Osterwalder Stv. Pressesprecher Tel. +49 (0)89 2399 1820 rosterwalder@epo.org

Bernd Münchinger echolot pr Tel. + 49 (0) 711 99014-80 muenchinger@echolot-pr.de

Rainer Osterwalder | pressetext.redaktion

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