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Dr. Leopold Lucas-Preis 2010 geht an Peter L. Berger, Boston

28.01.2010
Der mit 50.000 Euro dotierte Dr. Leopold Lucas-Preis für das Jahr 2010 geht an den Religionssoziologen und Sozialphilosophen Peter L. Berger. Die diesjährige Preisverleihung wird am 11. Mai 2010, um 17.15 Uhr im Festsaal der Eberhard Karls Universität Tübingen stattfinden.

Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben.

Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, ehemals Ehrensenator der Eberhard-Karls-Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.

Prof. Dr. Peter L. Berger gehört zu den weltweit führenden Vertretern seines Faches. Seine Schriften sind in viele Sprachen übersetzt worden. Seinen Weltruhm begründete besonders das gemeinsam mit Thomas Luckmann verfasste Werk "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit", das 1966 in den USA erschien und bis heute immer wieder als Klassiker nachgedruckt wird. Seit fast 40 Jahren beschäftigt sich Berger darüber hinaus mit Problemen der politischen Ethik im globalen Zusammenhang. Seit 1985 ist er Direktor des Institute on Culture, Religion and World Affairs der Boston University.

Berger wurde 1929 in Wien geboren und lebt seit 1946 in den USA. Ab 1956 lehrte er an verschiedenen renommierten Universitäten, u.a. an der New School for Social Research, der Rutgers University und an der Boston University. Er ist Ehrendoktor zahlreicher Universitäten (Loyola University, Wagner College, University of Notre Dame, Universität Genf, Universität München) sowie Ehrenmitglied hochangesehener wissenschaftlicher Gesellschaften und Träger zahlreicher wissenschaftlicher Auszeichnungen (Sperber-Preis Wien 1992, Wittgenstein-Preis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft 2000, Watzlawick-Ehrenring 2008).

Das wichtigste Arbeits- und Forschungsfeld Bergers stellt die Religionssoziologie dar, die er im Horizont einer allgemeinen Kultur- und Gesellschaftstheorie verankert. Er kann als Begründer der neueren Religionssoziologie jenseits des Säkularisierungs-Paradigmas gelten. Die religiöse Gegenwartssituation kennzeichnet er mit dem Begriff des "häretischen Imperativs". Demnach gibt es keine fraglose Akzeptanz religiöser Überzeugungen mehr, sondern nur noch Verhältnisse einer bewussten Auswahlentscheidung. Pluralistische Entwicklungen betreffen in der modernen Gesellschaft aber nicht nur die Religion, sondern alle Gewissheiten, was zu dem von Berger beschriebenen "Unbehagen in der Modernität" führt. Bergers Arbeit gilt der Suche nach Wegen zwischen einem Relativismus, der alle Traditionen auf einen trivialen gemeinsamen Nenner reduziert, und einem Fundamentalismus, der sich jeder Infragestellung der eigenen Tradition entzieht. Berger ist der Herausgeber des Berichts der Bertelsmann-Stiftung an den Club of Rome, der 1997 unter dem Titel "Die Grenzen der Gemeinschaft. Konflikt und Vermittlung in pluralistischen Gesellschaften" publiziert wurde.

Zu den bisherigen Preisträgern des Dr. Leopold Lucas-Preises gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper, Michael Walzer, Michael Theunissen und Bischof Eduard Lohse, Repräsentanten des religiösen Lebens wie Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, oder der polnische Erzbischof Henryk Muszynski, sowie der Kultur und Politik wie Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, und Richard von Weizsäcker. Preisträgerin des letzten Jahres war Karen Armstrong.

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Abteilung Presse und Forschungsberichterstattung
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Michael Seifert | idw
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