Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetes-Forscher Markus Stoffel wird mit dem Heinrich-Wieland-Preis ausgezeichnet

31.10.2008
Für seine Meilenstein-Entdeckungen zur Entstehung der Zuckerkrankheit (Diabetes) wurde der Diabetes-Forscher Prof. Dr. Markus Stoffel vom Institut für Molekulare Systembiologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich heute mit dem Heinrich-Wieland-Preis 2008 ausgezeichnet, einem der angesehensten Wissenschaftspreise in Deutschland. Er erhielt die mit 50.000 Euro dotierte Ehrung für die Entschlüsselung wichtiger Grundlagen der Regulation des Blutzuckerspiegels und des Fettstoffwechsels im Körper.

Bei einer Festveranstaltung in der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde zugleich der bekannte Internist mit dem Forschungsschwerpunkt Ernährung, Prof. Dr. Nepomuk Zöllner, mit der Heinrich-Wieland-Medaille in Gold für sein Lebenswerk, die Erforschung der Gicht, geehrt.

Prof. Stoffel, 46, der seit 2006 an der ETH Zürich tätig ist, entdeckte zwei grundlegende biochemische Kommunikationswege in der Zelle. Sind sie defekt, kann sich Typ 2 Diabetes entwickeln, an dem 90 Prozent aller Zuckerkranken leiden. Bei an Typ 2 Diabetes erkrankten Menschen ist ein Insulin-Sensor in der Leber nicht mehr voll funktionsfähig, so dass das Organ nicht auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin anspricht. Prof. Stoffel zeigte auch, dass so genannte Mikro-Ribonukleinsäuren (Mikro-RNAs) die Cholesterin-Produktion der Leber und die Insulin-Freisetzung der Bauchspeicheldrüse kontrollieren und damit ebenfalls bei Diabetes eine Rolle spielen könnten. "Insulin-Sensor und Mikro-RNAs könnten in der Zukunft mögliche Angriffspunkte für neuartige Medikamente gegen Typ 2 Diabetes sein", ist der Stoffwechselforscher überzeugt.

"Obwohl wir Diabetes gut behandeln können, müssen wir noch viel über die molekularen Ursachen und Zusammenhänge dieser Volkskrankheit lernen", würdigte der Vorsitzende des Heinrich-Wieland-Kuratoriums, Prof. Konrad Sandhoff, die Erfolge des Preisträgers. Bei den wissenschaftlichen Arbeiten des Mediziners handele es sich jedoch noch um reine Grundlagenforschung, so dass nicht mit schnellen Erfolgen hinsichtlich Therapieanwendungen zu rechnen sei.

"Wir loben den Heinrich-Wieland-Preis aus, weil wir die Leistungen schätzen, die die Grundlagenforschung insbesondere im Bereich Diabetes in den vergangenen Jahren geleistet hat", erklärte der stellvertretende Sprecher der Unternehmensleitung und Leiter des Bereichs Forschung, Entwicklung und Medizin von Boehringer Ingelheim, Dr. Dr. Andreas Barner. "Grundlagenforschung wie diese ist der Motor in der Entwicklung für Medikamente von Morgen. Die Erkenntnisse von Prof. Stoffel sind von noch größerer Bedeutung angesichts der Zunahme von Diabeteserkrankungen weltweit auf schätzungsweise 366 Millionen bis zum Jahr 2030."

Der Heinrich-Wieland-Preis wird seit 1964 jährlich zum Gedenken an den deutschen Chemiker, Lipidforscher und Nobelpreisträger Prof. Heinrich Otto Wieland (1877 bis 1957) verliehen. Prof. Wieland war ein Vetter von Albert Boehringer, dem Firmengründer von Boehringer Ingelheim. Von 1915 bis 1920 war er Berater des Unternehmens und baute dessen erste wissenschaftliche Abteilung auf. Mit dem nach Heinrich Wieland benannten Preis werden herausragende wissenschaftliche Arbeiten der Stoffwechselforschung geehrt. Der Preisträger wird von einem unabhängigen wissenschaftlichen Kuratorium ausgewählt.

Die Heinrich-Wieland-Medaille in Gold wird für das Lebenswerk eines herausragenden Wissenschaftlers verliehen. Prof. Nepomuk Zöllner ist erst der vierte Träger dieser Auszeichnung. Er wurde damit für sein Werk als einer der Wissenschaftler geehrt, die das Indikationsgebiet Gicht am umfassendsten erforscht haben. Der heute 85-Jährige war 30 Jahre lang an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig und aufgrund seiner hervorzuhebenden klinischen und experimentellen Forschungsarbeiten einer der anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet. Prof. Nepomuk Zöllner war von 1996 bis 2006 Vorsitzender des wissenschaftlichen Kuratoriums des Heinrich-Wieland-Preises. Im Jahr 2006 trat Prof. Konrad Sandhoff seine Nachfolge an.

Reiner Korbmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdnae.de
http://www.boehringer-ingelheim.de/forschung/forschungspreise/hwp/index.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften