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DFG unterstützt Erschließung und Digitalisierung forschungsrelevanter Objekte

11.03.2014

Neues Wissen aus alten Sammlungen / Von Herbarien über Skelette bis zu historischen Musikinstrumenten: Zwölf Vorhaben werden an Museen, Hochschulen und außeruniversitären Instituten gefördert / Standardbildung als Ziel

Es ist ein Potpourri des Lebens und der Evolution, das Forscher über viele Jahrzehnte zusammengetragen haben: kleine, am Boden lebende Organismen, die auf phantasievolle Namen wie Bärtierchen, Beintastler, Plattwürmer oder Springschwänze hören. Über eine solch reiche Bodenfauna-Sammlung verfügt das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz.

Hier wie in anderen Naturmuseen werden die Winzlinge in wasserlösliche Medien eingeschlossen, die Präparate im Lichtmikroskop detailscharf beschrieben, treffgenau bestimmt und katalogisiert. So entlocken Biologen den Organismen immer wieder Geheimnisse, häufig erst Jahrzehnte nach ihrem Fund.

Für die weitere Forschung tut sich allerdings ein Problem auf: Die Präparate sind nur eingeschränkt haltbar – die Sammlungen geraten in Gefahr. Nun sollen lichtmikroskopische Dokumentationen helfen, auch durch „fotografische Fokusserien“.

Ein Projektteam in Görlitz will alle objektrelevanten Daten und Informationen erfassen und zusammenführen – und über ein frei zugängliches Internetportal nutzbar machen. Dabei werden verschiedene digitale Methoden getestet, um Standards für die Aufbereitung, Präsentation und Online-Nutzung dieser Objekte zu etablieren. Von diesem Wissen sollen mittelfristig alle naturkundlichen Sammlungen in Deutschland profitieren.

Das Projekt „Entwicklung von Standards zur fotografischen Dokumentation lichtmikroskopischer Dauerpräparate in prekären Einschlussmedien“ ist nur eines von insgesamt zwölf Vorhaben an Museen, Hochschulen und außeruniversitären Instituten, die die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem Ziel unterstützt, gewachsene Forschungssammlungen elektronisch zu erschließen, deren Objekte zu digitalisieren und online zugänglich zu machen.

Im Mittelpunkt stehen ganz unterschiedliche Objektklassen: etwa Herbarien, eine historische Skelettsammlung und alte Bucheinbände oder eine Kollektion historischer Musikinstrumente. Sie sind für verschiedene Forschercommunities von Interesse. Die zwölf Projekte werden mit insgesamt 4,3 Millionen Euro unterstützt.

Die Förderung von Objekten in wissenschaftlichen Sammlungen geht von dem hohen Wert und Nutzen von Forschungssammlungen für die grundlagenorientierten Disziplinen aus. Standards zur Erschließung und Digitalisierung von Papier- und Druckerzeugnissen bestehen bereits seit einiger Zeit. Angesichts der digitalen Transformation bieten sich neue Möglichkeiten, auch dreidimensionale Objekte wissenschaftlicher (Hochschul-)Sammlungen zu scannen und in Datenbanken zu speichern. Über das Internet können Forscherinnen und Forscher weltweit Informationen austauschen und zum Beispiel Präparate begutachten, ohne dafür andere Länder bereisen zu müssen. Das kann die fachliche Netzwerkarbeit erleichtern, wenn nicht erst begründen.

In dem Bemühen um Objektdigitalisierung folgt die DFG den 2011 vom Wissenschaftsrat verabschiedeten Empfehlungen zu „Wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen“. Diese forderten die weitere Erschließung der wissenschaftlichen und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, um die Sammlungs- und Informationsschätze in (Hochschul-)Museen, Instituten und anderen Einrichtungen für alle Interessierten zugänglich zu machen. Voraussetzung für die nachhaltige digitale Erschließung, Präsentation und (Nach-)Nutzung im Netz sind wissenschaftsadäquate Standards.

Die 2013 veröffentlichte DFG-Ausschreibung „Standardbildung zur Erschließung und/oder Digitalisierung von Objektgattungen in wissenschaftlichen Sammlungen“ ermöglicht Sammlungsmanagern und -kuratoren in Zusammenarbeit mit Fachwissenschaftlern aller Disziplinen, ihre Bestände unter digitalen Vorzeichen weiter zu entwickeln. Damit sollen die Sichtbarkeit wissenschaftlicher Sammlungen erhöht und ihr Potenzial für die Forschung gezielt unterstützt werden.

Im Einzelnen werden folgende Projekte gefördert:

• „Ein prozessoptimiertes Standardverfahren zur Erschließung von digitalen Herbarbelegen“– FU Berlin, Hochschule Hannover, Fraunhofer IOSB Karlsruhe
• „Standardisierung von Erschließungsdaten digitalisierter Tonträger in wissenschaftlichen Sammlungen auf der Basis des ASR2-METS/MODS-Profils sowie Etablierung einer diskografischen Normdatei“ – Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
• „e-Science konforme Standards für die Morphologie“ – ZFMK Bonn, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung Potsdam, Museum für Naturkunde Berlin, Universität Rostock und Universität Bonn
• „Towards an integrative and comprehensive standard for meta-omics data of collection objects“, Jacobs University Bremen, Universität Bayreuth, SNSB München
• „Schaffung eines Standards für die 3-D-Computertomographie von Musikinstrumenten und Weiterentwicklung des MIMO-Digitalisierungsstandards“ – GNM Nürnberg und Fraunhofer IIS Fürth
• „Erschließung und Digitalisierung von Einbänden als selbständige Kunstobjekte“ – BSB München
• „Eine Community-Plattform für die Entwicklung und Dokumentation des ABCD-Standards für naturkundliche Sammlungsdaten“ – FU Berlin und Museum für Naturkunde Berlin
• „Entwicklung neuer Digitalisierungsstandards zur Serienerfassung von Blattnervaturmerkmalen aus Herbarsammlungen mittels Mikroradiographie“ – Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
• „Methodenentwicklung zur standardisierten Digitalisierung flüssigkonservierter Arthropoden“ – Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart/ Zentrum für Biodiversitätsforschung
• „Entwicklung von interoperablen Standards für die Kontextualisierung heterogener Objekte am Beispiel der Provenienz Asch“ – SUB Göttingen und Universität Göttingen
• „Sammlungen menschlicher Skelette. Entwicklung von Standards zur Erschließung historischer anthropologischer / anatomischer Forschungssammlungen am Beispiel der Alexander Ecker-Sammlung“ – Universität Freiburg
• „Entwicklung von Standards zur fotografischen Dokumentation lichtmikroskopischer Dauerpräparate in prekären Einschlussmedien“ – Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Dr. Rembert Unterstell, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2275, presse@dfg.de

Fachliche Ansprechpartnerin in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Franziska Regner, Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, Tel. +49 228 885-2094, franziska.regner@dfg.de

Nähere Informationen zu den bewilligten Projekten:
http://www.dfg.de/download/pdf/foerderung/programme/lis/uebersicht_projekte_obje...

Weitere Informationen:

http://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/index.html

Dr. Rembert Unterstell | DFG

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