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DFG fördert Grundlagenforschungsprojekt zu Gefäßgesundheit bei Diabetes und Adipositas

09.11.2016

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ein Grundlagenforschungsprojekt an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zu Gefäßgesundheit bei Diabetes und Adipositas mit rund 370.000 Euro. Es sol die Rolle des sogenannten EGF-Rezeptors (EGFR) im Zusammenhang mit Gefäßzellen untersucht werden.

„Wir wissen bisher, dass in krankhaften Situationen eine größere Menge des Rezeptors vorkommt und dieser auch eine veränderte Aktivität vorweist. Wir wollen wissen, welche Rolle er in Bezug auf Gefäße spielt“, sagt Prof. Gekle. Hintergrund ist, dass bei adipösen Menschen ebenso wie bei jenen mit Diabetes mellitus Typ 2 die Gefäße häufig kränker seien als bei normalgewichtigen Menschen.


Prof. Michael Gekle

UKH/Fotostelle

Neben Veränderungen des Blutdruckes führen Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 zu einer gestörten Gefäßwandhomöostase, also einer mangelnden Fähigkeit, ihre Funktionen stabil zu halten, einer veränderten Gefäßsteifigkeit und einer Veränderung in der Reagibilität. Das kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein, denn damit steigt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Ein jüngst von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligtes Projekt von Professor Dr. Michael Gekle, Direktor des Julius-Bernstein-Instituts für Physiologie (JBI) Medizinischen Fakultät Halle, und Dr. Barbara Schreier vom JBI ist darauf angelegt, die Rolle des sogenannten EGF-Rezeptors (EGFR) im Zusammenhang mit Gefäßzellen zu untersuchen.

Das Projekt mit dem Titel „Bedeutung vaskulärer EGF-Rezeptoren bei Hochfettdiät-induzierten Veränderungen der Gefäßfunktion“ wird mit rund 370.000 Euro über drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

„Bisherige Untersuchungen belegen die grundsätzliche Beteiligung des EGFR bei Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2 bedingten Gefäßveränderungen, aber ohne die beteiligten Zelltypen oder Pathomechanismen zu spezifizieren“, so Prof. Gekle.

Der EGF-Rezeptor nimmt bei der Kontrolle von vaskulärer Funktion und Wandaufbau eine wichtige Position als Signalwegintegrator ein. Die vaskuläre Bedeutung des EGFR wurde bisher mehrheitlich hinsichtlich Gefäßmuskelzellen untersucht. Es liegt jedoch auch Evidenz für eine Rolle in Endothelzellen, einer Zellschicht in den Blutgefäßwänden vor, allerdings bisher ohne eine ausreichende funktionelle Bewertung.

Es ist bislang nicht klar, ob das vermehrte Vorkommen des Rezeptors, eine schlechte Gefäßgesundheit und Übergewicht eine Kausalität darstellen, ob der EGF-Rezeptor in der Konstellation schädlich ist oder ob das genaue Gegenteil bewirkt wird, nämlich das Vorkommen als Schutzmechanismus für die Gefäße dient. Voruntersuchungen zeigten zumindest eine verbesserte Gefäßfunktion in Anwesenheit von EGF-R-Kinasehemmern.

Generell sei Abnehmen unbedingt anzuraten, um die Gefäße zu entlasten, aber das brauche Zeit, so Prof. Gekle. Um die Gefäße schneller zu unterstützen, wäre es sinnvoll, eine Möglichkeit zu schaffen, sie zu stärken. Es sei aus der Onkologie im Zusammenhang mit Karzinomen bekannt, dass man den Rezeptor medikamentös mit einer rezeptorspezifischen Therapie behandeln könne. Es müsse nun herausgefunden werden, ob gleiches für adipöse Extremfälle auch in Bezug auf Gefäßzellen möglich sei.

Mit diesem Projekt würden die pathogenetische Bedeutung der Signaltransduktion über vaskuläre EGFR zellspezifisch beschrieben und Erkenntnisse zur Bedeutung als potenzielle therapeutische Zielstruktur, für die bereits pharmakologische Werkzeuge vorhanden seien, gewonnen. „Das kann im besten Fall lebensverlängernd sein“, macht Prof. Gekle deutlich. Das Forschungsprojekt könne demnach perspektivisch in eine klinische Studie münden, so Prof. Gekle.

Jens Müller | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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