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DFG fördert ab Januar 2015 acht neue Sonderforschungsbereiche

21.11.2014

Themen von Mehrphasenströmungen in Wandnähe über Schwächediskurse und Ressourcenregime bis zum regenerativen Potenzial nach akutem Trauma / 62 Millionen Euro Fördermittel

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet acht neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss auf seiner Herbstsitzung in Bonn. Die neuen SFB werden mit insgesamt 62 Millionen Euro gefördert. Hinzu kommt eine 20-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Forschungsprojekten. Zwei der acht eingerichteten Verbünde sind SFB/Transregio (TRR), die sich auf mehrere Forschungsstandorte verteilen.

Alle neuen Sonderforschungsbereiche werden ab dem 1. Januar 2015 für zunächst vier Jahre gefördert. Damit gelten für sie wieder der reguläre Förderstart zum Beginn eines Jahres und die übliche Förderdauer. Beides war im Mai 2013 vorübergehend außer Kraft gesetzt und die Förderdauer auf drei Jahre und neun Monate, beginnend mit dem 1. April, verkürzt worden.

Durch diese Maßnahme sollten zusätzliche Finanzmittel für die besonders stark nachgefragte Einzelförderung in der DFG freigemacht werden. Mit demselben Ziel war auch ein Moratorium für Nachanträge für Sonderforschungsbereiche eingerichtet worden. Auch dieses wurde nun aufgehoben, sodass ab Januar 2015 wieder Nachanträge gestellt werden können. „Unsere damaligen Initiativen zur Stärkung der Einzelförderung haben gegriffen, eine Fortsetzung ist deshalb erfreulicherweise nicht notwendig“, sagte DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider in der jetzigen Sitzung des Bewilligungsausschusses.

Zusätzlich zu den acht Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von 15 Sonderforschungsbereichen für jeweils eine weitere Förderperiode.

Insgesamt fördert die DFG damit ab Januar 2015 240 Sonderforschungsbereiche.

Die neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Der SFB/Transregio „Turbulent chemisch reagierende Mehrphasenströmungen in Wandnähe“ widmet sich interessanten Aspekten von Verbrennungsprozessen. Das Verhalten chemisch reagierender Strömungen wird entscheidend durch die Anwesenheit von Wänden beeinflusst. Diese „wandnahen Prozesse“ haben Auswirkungen auf technologische Anwendungen in der Energietechnik, wie Motoren, Gasturbinen oder Kraftwerke. Die zugrunde liegenden Einzelmechanismen von wandnahen Prozessen und ihr Zusammenwirken sind jedoch bislang nur wenig erforscht. Deshalb analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Transregio die Grundlagen komplexer Dreiphasenströmungen in Wandnähe. Ziel ist es, ein Softwarepaket zu entwickeln, das viele der chemischen und physikalischen Prozesse in Wandnähe zusammenführt. Dies könnte dazu beitragen, Verbrennungsprozesse effizienter zu machen und Umweltbelastungen zu reduzieren.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt, Sprecher: Professor Dr.-Ing. Johannes Janicka, außerdem beteiligt: Karlsruher Institut für Technologie)

Ein entscheidender Fortschritt in der Entwicklung von neuartigen Bauelementen für die Informationstechnologie könnte durch die gezielte Kontrolle von Spinanregungen in den hierfür verwendeten Halbleitermaterialien erreicht werden. Die Ladungsträger in diesen Materialien drehen sich wie Kreisel um sich selbst und besitzen deshalb einen sogenannten Spin. Doch wie lässt sich dieser Spin für elektronische Bauelemente nutzen? Der Sonderforschungsbereich „Kohärente Manipulation wechselwirkender Spinanregungen in maßgeschneiderten Halbleitern“ will diese Frage beantworten und neben den elektrischen und optischen vor allem auch die magnetischen Eigenschaften der Elektronen in den Halbleitern kontrollieren. Dazu wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Spektroskopie-Techniken und theoretische Methoden auf dem neuesten Stand der Technik anwenden und neuartige Material- und Bauelement-Konzepte entwickeln. Am Ende sollen so die Grundlagen für eine zukünftige Spinelektronik, Spinoptik und spinbasierte Quanteninformationsverarbeitung gelegt werden.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Dortmund, Sprecher: Professor Dr. Manfred Bayer, außerdem beteiligt: St. Petersburg State University, Ruhr-Universität Bochum, Universität Paderborn, Russian Academy of Sciences Ioffe Physical-Technical Institute St. Petersburg)

An der Schnittstelle zwischen theoretischer und experimenteller Festkörperphysik und der Chemie forscht der SFB/Transregio „Korrelierter Magnetismus: Von Frustration zu Topologie“. Sein Augenmerk liegt dabei auf der Entdeckung und Untersuchung neuer Materiezustände in magnetischen Materialien mit geometrischer Frustration. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher wollen mithilfe der Kombination von Synthese, Experiment und Theorie die thermodynamischen und Transport-Eigenschaften sowie die Dynamik der Elementaranregungen dieser Materialien grundlegend verstehen und ihre Beziehung zu topologischen Eigenschaften beleuchten. Topologische Konzepte haben in jüngster Zeit stark an Wichtigkeit für die Physik gewonnen, was dem neuen SFB zusätzliche Bedeutung einbringt.
(Sprecherhochschule: Technische Universität Dresden, Sprecher: Professor Dr. Matthias Vojta, außerdem beteiligt: Technische Universität Bergakademie Freiberg, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe Dresden, Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme Dresden)

Fast jeder zweite Todesfall in Deutschland geht inzwischen auf kardiovaskuläre Erkrankungen zurück, die vom Gefäßsystem oder vom Herzen ausgehen. Dazu zählt allen voran der akute Myokardinfarkt (AMI), besser bekannt als Herzinfarkt. Der neue Sonderforschungsbereich „Master switches bei kardialer Ischämie“ will die Phase nach einem AMI durch experimentelle, präklinische Untersuchungen an Klein- und Großtiermodellen sowie durch klinische Untersuchungen genauer analysieren. Ziel ist es, kardiale und systemische Effektormechanismen – die titelgebenden „master switches“ – zu identifizieren, die in der Phase nach dem Infarkt die Weichen für den weiteren Genesungsverlauf stellen. So könnten auch Ansatzpunkte für neue Therapien gefunden werden.
(Sprecherhochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Sprecher: Professor Dr. Jens W. Fischer, außerdem beteiligt: Universität Duisburg-Essen, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung Düsseldorf, Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung Düsseldorf)

Wie können Diskurse zur eigenen oder fremden Schwäche den gesellschaftlichen Umgang mit Ressourcen beeinflussen? Der Sonderforschungsbereich „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ will diese Frage vorrangig aus historischer Perspektive betrachten und exemplarische Studien zu verschiedenen historischen Formationen anfertigen. So behandelt er beispielsweise Diskurse zum „Niedergang Europas“ im 20. Jahrhundert sowie antike Imperien in Übergangszeiten. Besonderes Augenmerk legt der Verbund dabei auf immaterielle Ressourcen, wie Wissen oder Verwandtschaft. In ihrem epochenübergreifenden, interdisziplinären und transkulturell vergleichenden Forschungsdesign wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Instrumentarium entwickeln, das sich zur Analyse von Transformationen historischer Formationen eignet, aber auch in der Gegenwartsdiagnostik, etwa bei Debatten zur Globalisierung, „schwachen“ Staaten oder supranationalen Einheiten, Anwendung finden kann.
(Sprecherhochschule: Goethe-Universität Frankfurt/Main, Sprecher: Professor Dr. Hartmut Leppin, außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte Frankfurt)

Die Entschlüsselung des humanen Genoms und die Einführung von DNA-Sequenzierungsme-thoden haben zu einem erheblichen Fortschritt bei der Identifikation genetischer Risikofaktoren für humane Erkrankungen geführt. Die Niere ist bei genetischen Erkrankungen häufig betroffen – gerade bei ihr hinkt die funktionelle Analyse der Krankheitsgene jedoch dem hohen Tempo der Genentdeckung hinterher. Der Sonderforschungsbereich „Nierenerkrankung – Vom Gen zum Mechanismus (KIDGEM)“ konzentriert sich auf genetische Nierenerkrankungen und will diese systematisch interdisziplinär analysieren. Der Forschungsschwerpunkt liegt darauf, die Funktion der beteiligten Genprodukte in ein Verständnis der molekularen Physiologie der Niere zu übersetzen. So sollen die Grundlagen für eine verbesserte Diagnose, Behandlung und Prävention von genetischen Nierenerkrankungen geschaffen werden.
(Sprecherhochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Sprecher: Professor Dr. Gerd Walz, außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik Freiburg)

„Funktionelle ‚Ensembles’: Integration von Zellen, Genese von Aktivitätsmustern und Plastizität von Gruppen ko-aktiver Neuronen in lokalen Netzwerken“ – unter diesem Titel erforscht ein neuer Sonderforschungsbereich die enorme Vernetzung der Neuronen im Zentralnervensystem. Eine solche Vernetzung müsste eigentlich zu einer quasi unbegrenzten Vielfalt möglicher Signalwege für den Informationstransfer führen. Doch trotz der Vielfalt an Signalwegen unterstützt das Nervensystem die Vernetzung von neuronalen Netzwerken zu „funktionellen Ensembles“ – also kurzzeitig stabilen Ensembles ko-aktiver Neuronen. Diese Ensembles sind vermutlich an allen wichtigen Aufgaben im Zentralnervensystem beteiligt. Die Forscherinnen und Forscher des SFB wollen nun verschiedene funktionelle Systeme im Gehirn von Säugetieren analysieren, um die grundlegenden Charakteristika funktioneller Ensembles zu bestimmen.
(Sprecherhochschule: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Sprecher: Professor Dr. Andreas Draguhn, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg, Max-Planck-Institut für medizinische Forschung Heidelberg, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim)

Die lokale und systemische körperliche Reaktion auf Verletzungen sowie deren Zusammenspiel sind in der Medizin bis heute in vielen Punkten unverstanden. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer mechanischen Schädigung von Geweben oder kurz einem „Trauma“. Die durch die Verletzung ausgelöste Reaktion des Körpers zielt darauf, die äußere und innere Gefahr zu begrenzen und Regeneration und Heilung herbeizuführen. Allerdings kann ein solches Trauma auch Komplikationen hervorrufen, von der systemischen Entzündungsreaktion bis hin zum Organversagen. Der Sonderforschungsbereich „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potenzial nach akutem Trauma“ legt den Fokus auf die häufigsten Verletzungsmuster und Störfaktoren und will die zellulären und molekularen körpereigenen Prozesse nach schwerem Trauma besser erforschen. Daraus könnten auch neue therapeutische Strategien für schwerverletzte Patienten entstehen.
(Sprecherhochschule: Universität Ulm, Sprecher: Professor Dr. Florian Gebhard)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2443, presse@dfg.de

Weitere Informationen erteilen die Sprecherinnen und Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Klaus Wehrberger, Leiter der Gruppe Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren, Exzellenzcluster, Tel. +49 228 885-2355, Klaus.Wehrberger@dfg.de

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und den geförderten Sonderforschungsbereichen auch unter: www.dfg.de/sfb


Weitere Informationen:

http://www.dfg.de/sfb

Benedikt Bastong | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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