Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Für ein besseres Internet: Höchster EU-Forschungspreis geht an Informatik-Professoren

09.12.2013
Vier Informatik-Professoren der Universität des Saarlandes, des Max-Planck-Instituts für Informatik und des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme haben gemeinsam den höchst dotierten Forschungspreis der Europäischen Union gewonnen, den „ERC Synergy Grant“.

Sie erhalten rund zehn Millionen Euro, um zu erforschen, wie man im Internet Anwender gegen Ausspähung und Betrug schützen und Täter entlarven kann, ohne dabei den Handel, die freie Meinungsäußerung sowie den Zugang zu Informationen im Internet einzuschränken.

Die Informatiker setzten sich beim europaweiten Wettbewerb gegen rund 450 Anträge durch, um gemeinsam drängende, gesellschaftliche Herausforderungen anzugehen.

Die hohe europäische Auszeichnung erhält in diesem Jahr nur eine Handvoll von Forschungsgruppen mit international herausragenden Wissenschaftlern. In dem preisgekrönten Forschungsprojekt „imPACT“ bezeichnen die vier Großbuchstaben die Ziele, denen sich die Professoren Michael Backes (Universität des Saarlandes), Peter Druschel, Rupak Majumdar (beide Max-Planck-Institut für Softwaresysteme) und Gerhard Weikum (Max-Planck-Institut für Informatik) gemeinsam verschrieben haben.

Es sind der Schutz der Privatsphäre (Privacy), der Nachweis von Aktionen durch bestimmte Personen im Internet (Accountability), das Einhalten von Vereinbarungen vonseiten der Software und der Plattformen (Compliance) und das Vertrauen in die Korrektheit von Daten und Diensten (Trust).

„Kein einziges dieser vier Themen, die ganz wesentlich die Internetnutzung von zwei Milliarden Menschen bestimmen, ist bis zum heutigen Tag zufriedenstellend gelöst“, sagt Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptographie an der Universität des Saarlandes und koordinierender Sprecher des Projektes.

Das Internet, ursprünglich als Netzwerk für ein paar Millionen Nutzer aufgebaut, sei heute zu einer globalen Multimedia-Plattform geworden. Diese werde heute von Milliarden Menschen, der Unterhaltungsindustrie und dem Handel, aber auch von der Politik und dem Bildungssektor intensiv genutzt.

„Für solch ein rasantes Wachstum waren die Strukturen des Internet aber niemals vorgesehen. Es wurde von seinem eigenen Erfolg überrollt und verwandelt sich derzeit in eine Riesenkrake, die Grundwerte unserer Demokratien außer Kraft setzen könnte. Daher droht eine Gefahr für unsere Privatsphäre, die Datensicherheit sowie unsere Informations- und Meinungsfreiheit“, warnt Michael Backes, der in Saarbrücken auch das vom Bundesforschungs¬ministerium geförderte Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit (CISPA) leitet.

Mit den heutigen Technologien sei es kaum möglich, die eigene Privatsphäre im Internet zu schützen. Der Nutzer könne gar nicht überschauen, welche Konsequenzen sein eigenes Handeln im weltweiten Netz habe. Es sei auch für Profis fast unmöglich, sich anonym durch das Netz zu bewegen und dort vertrauliche Informationen auszutauschen. „Die NSA-Affäre hat allen vor Augen geführt, wie einfach es heute ist, riesige Datenbestände nach Detailinformationen zu durchforsten und persönliche Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen miteinander zu verknüpfen. Da haben nicht nur Unternehmen ein leichtes Spiel, die Interessen und Wünsche ihrer Kundschaft herausfinden wollen. Auch Geheimdienste und kriminelle Banden spionieren mit“, erklärt Backes. Deswegen will er sich im neuen Forschungsprojekt vor allem dem Schutz der Privatsphäre widmen.

Sein Kollege Gerhard Weikum vom Max-Planck-Institut für Informatik erforscht, wie man Informationen im Internet verlässlich auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen kann. Denn Suchmaschinen folgen heute ganz eigenen, schwer durchschaubaren Mechanismen, die wenig darüber aussagen, wie vertrauenswürdig eine Quelle ist. „Das Beispiel der früheren Präsidenten-Gattin Bettina Wulff hat gezeigt, wie allein durch das Suchverhalten von Millionen Internetnutzern Aussagen nach oben gespült werden, die völlig falsch sind“, erläutert Gerhard Weikum. Den vertrauensvollen Umgang mit Daten und ihrem Wahrheitsgehalt können aber auch die Unternehmen heute kaum garantieren. Hier setzen die Arbeiten von Rupak Majumdar vom Max-Planck-Institut für Softwaresysteme an. Er will im Internet zwischen Programmen und Diensten klare Regeln und sichere Strukturen für den Datenaustausch etablieren (Compliance), deren korrekte Umsetzung mathematisch beweisbare Methoden garantieren.

„Das Internet krankt heute auch daran, dass kriminelle Nutzer und Anbieter nur schwer zur Rechenschaft gezogen werden können. Gleichzeitig muss aber auch das legitime Recht der Nutzer erhalten bleiben, sich frei zu informieren und ihre Meinung zu äußern, ohne Repressalien, Diskriminierung oder andere Nachteile fürchten zu müssen“, sagt Peter Druschel, wissenschaftlicher Direktor des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme. Er will daher nach Lösungen suchen, wie man die Übernahme von Verantwortung für das eigene Tun im Internet klarer festschreiben kann, ohne dabei zum gläsernen Konsumenten und Bürger zu werden. „Wir werden in unserem gemeinsamen Forschungsprojekt nicht nur nach technischen Lösungen suchen, sondern gemeinsam mit Juristen, Sozialwissenschaftlern und Wirtschaftsexperten neue Wege erforschen, wie man die demokratischen Grundrechte im Internet sicherstellen kann“, so Druschel.

Jedes einzelne der vier zu behandelnden Forschungsthemen ist laut Michael Backes schon eine Mammutaufgabe, da ihre Ziele sich zum Teil gegenseitig behinderten. Der ERC Synergy Grant ziele aber gerade darauf ab, die Synergien zwischen einzelnen Forschungsfeldern auszuschöpfen und damit neue Wege zu beschreiten. „Es ist zum Beispiel sehr schwer, umfassend die Privatsphäre und Anonymität im Netz zu ermöglichen und dennoch im Falle eines Fehlverhaltens die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch ist es schwierig herauszufinden, ob anonym veröffentlichte Daten wirklich vertrauenswürdig sind“, nennt Michael Backes als Beispiel. Hier seien noch viele Forschungsfragen ungelöst, die nun in den kommenden sechs Jahren mit europäischer Förderung angepackt werden sollen.

Eine Pressekonferenz mit den beteiligten Wissenschaftlern sowie Uni-Präsident Volker Linneweber und Staatssekretär Jürgen Lennartz, Chef der Staatskanzlei, findet am Montag, den 9. Dezember, um 13:30 Uhr auf dem Uni-Campus im Senatssaal des Präsidialgebäudes A 2.3 statt.

Pressefotos unter: www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Michael Backes
Lehrstuhl für Kryptographie und Sicherheit
Center for IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA)
Tel. 0681/302-3259
E-Mail: backes@cs.uni-sb.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-3610).

Friederike Meyer zu Tittingdorf | idw
Weitere Informationen:
http://www.eubuero.de/erc-synergy.htm
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

nachricht 1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)
05.12.2016 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen

05.12.2016 | Förderungen Preise

Höhere Energieeffizienz durch Brennhilfsmittel aus Porenkeramik

05.12.2016 | Energie und Elektrotechnik