Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

medac-Forschungspreise für Wissenschaftler am Hans-Knöll-Institut

10.12.2007
Neun Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - wurden jetzt für ihre Leistungen mit dem medac-Forschungspreis 2007 ausgezeichnet. Gewürdigt wurden international beachtete Forschungsarbeiten, die in herausragenden wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert wurden.

Das mittelständische Pharmaunternehmen medac aus Wedel nahe Hamburg unterhält seit Jahren enge Kooperationsbeziehungen zum Jenaer Hans-Knöll-Institut (HKI). Über die gemeinsame Entwicklung neuer Arzneistoffe hinaus ist es der Firma traditionell ein besonderes Anliegen, junge Wissenschaftler zu fördern und für eine naturwissenschaftliche Laufbahn zu motivieren. Zum wiederholten Mal lobte medac-Geschäftsführer Wilfried Mohr, Mitglied des Kuratoriums des HKI, einen mit insgesamt 10.000 Euro dotierten Forschungspreis aus.

Mit ihm sollen Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet werden, die sich um die beiden Haupt-Arbeitsgebiete des HKI - neue Wirkstoffe aus Mikroorganismen und Infektionsforschung - sowie deren Verknüpfung in Kooperationsprojekten besonders verdient gemacht haben.

Wichtigstes Kriterium für die Qualität und Innovationskraft einer Forschungsarbeit ist deren Publikation in einem angesehenen Fachjournal mit internationaler Verbreitung. Hierin kann das HKI auf das bislang erfolgreichste Jahr seit seiner Gründung im Jahr 1992 zurückblicken. Nicht nur die Anzahl der Fachveröffentlichungen, sondern auch deren wissenschaftliche Qualität - meßbar an der Anzahl von Zitierungen durch Fachkollegen - überstieg die Leistungen der Vorjahre deutlich. Entsprechend schwer fiel der Jury die Auswahl der Preisträger.

... mehr zu:
»FSU »Infektion »Mikroorganismus

Den ersten Preis konnte ein Autorenteam erringen, das mit seiner Arbeit geradezu beispielhaft für die in Europa einzigartige Kombination von moderner Naturstoff-Forschung mit der Infektionsbiologie krankheitserregender Pilze steht: Sebastian Bergmann, Corinna Lange, Kirstin Scherlach und Juliane Schümann gelang es mit Hilfe der Gentechnik, eine Gruppe "schlafender", also inaktiver Gene eines Schimmelpilzes zu wecken und deren bislang unbekannte Funktion aufzuklären. Sie fanden schließlich zwei neue Wirkstoff-Moleküle, Aspyridon A und B, die derzeit näher untersucht werden. Axel Brakhage und Christian Hertweck - als HKI-Abteilungsleiter maßgebliche Ideengeber sind überzeugt: "Die große Resonanz der Fachwelt zeigt: Das HKI hat hier den richtigen Weg eingeschlagen. Naturstoff-Forschung ist heute mehr als nur die Suche nach neuen Mikroben an exotischen Standorten.

Mit den am HKI verfügbaren modernsten Methoden der Molekularbiologie werden wir künftig noch einige unentdeckte Schätze bei bereits bekannten Mikroorganismen heben. Schritt für Schritt wollen wir so Krankheitsmechanismen entschlüsseln und Mittel finden, um schwere Infektionen wirksam zu bekämpfen. Die Arbeit wurde in Nature Chemical Biology veröffentlicht und diente zur Gestaltung der Titelseite dieses wichtigsten Fachblattes zur chemischen Biologie.

Zweite Preise gingen an Matthias Brock, Peter Hortschansky, Mihály Józsi, Stefani Strobel und Robert Winkler.

Der Nachwuchsgruppenleiter Matthias Brock konnte zeigen, wie sich der Stoffwechsel des krankheitserregenden Pilzes Aspergillus fumigatus an das Wachstum im menschlichen Gewebe angepaßt hat und insbesondere dessen Proteine zur Infektion nutzt. Die Arbeit bietet neue Ansätze bei der Bekämpfung des Erregers.

Forschungsgruppenleiter Peter Hortschansky entdeckte mit seinen Kollegen einen völlig neuen molekularen Mechanismus der Regulation der Eisenaufnahme bei dem Pilz Aspergillus nidulans. Er dient als Modell für die Erforschung von Infektionsprozessen und der Regulation der Biosynthese von Wirkstoffen.

Stefanie Strobel untersuchte gemeinsam mit dem Nachwuchsgruppenleiter Mihály Józsi die Funktion bestimmter Immunmoleküle des Menschen bei der als hämolytisch-urämisches Syndrom bezeichneten Erkrankung. Die Ergebnisse wurden in der renommierten medizinischen Zeitschrift Blood veröffentlicht.

Robert Winkler klärte einen völlig neuartigen Mechanismus der Stickstoff-Oxidation auf, die durch ein Enzym katalysiert wird, das an der Biosynthese von Naturstoffen beteiligt ist. Die Veröffentlichung erfolgte in der auf diesem Gebiet führenden Zeitschrift Angewandte Chemie International Edition.

Anläßlich der Preisverleihung zeigte sich Wilfried Mohr beeindruckt von der rasanten Entwicklung, die das HKI in den letzten Jahren genommen hat: "Uns begeistert vor allem das ausgezeichnete Arbeitsklima, in dem die Forschung am HKI stattfindet. Man spürt, daß die Wissenschaftler von Kooperation nicht nur reden, sondern das sie tatsächlich stattfindet. Unterstützt durch hochqualifiziertes technisches Personal werden komplexe Experimente durchgeführt, die von einzelnen Arbeitsgruppen niemals zu leisten wären. So gelingt es dem Institut immer wieder, in seinen Forschungsfeldern den Maßstab für moderne Life Science-Forschung zu setzen. Der jüngste Erfolg des Instituts in der Exzellenzinitiative zeigt, dass die Mikrobiologie 'Made in Jena' auch international Akzente setzt." Mit Freude würde medac diese Entwicklung begleiten und fördern. So wird es auch 2008 wieder einen medac-Forschungspreis geben, der jungen Wissenschaftlern ein wichtiges Mosaiksteinchen in ihrer beruflichen Laufbahn sein kann.

Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie humanpathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.

Das HKI verfügt derzeit über 5 wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universtät Jena (FSU) sind. Hinzu kommen 4 Nachwuchsgruppen und 4 Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten 270 Menschen am HKI, darunter 70 Doktoranden.

Gemeinsam mit der FSU Jena ist das HKI maßgeblich am einzigen thüringer Projekt der Exzellenzintitiative des Bundes und der Länder beteiligt. Die "Jena School for Microbial Communication" wird künftig bis zu 150 Doktoranden umfassen, die sämtliche Aspekte der Kommunikationsprozesse, an denen Mikroorganismen beteiligt sind, untersuchen. Nach dem Motto 'mikrobielle Kommunikation fördert menschliche Kommunikation' rücken die Institute des Beutenberg-Campus mit der FSU und deren Klinikum künftig noch enger zusammen und prägen Jena als "Stadt der Wissenschaft 2008".

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 83 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2.000 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr.

Dr. Michael Ramm | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de
http://www.jsmc.uni-jena.de
http://www.medac.de

Weitere Berichte zu: FSU Infektion Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Millionen für die Krebsforschung
20.09.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften