Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Quantensimulator bis zum neuen "Homo Oeconomicus"

18.01.2007
Vier zukunftsweisende Forschungsprojekte mit dem Forschungspreis der Philip Morris Stiftung ausgezeichnet

Von künstlichen Kristallen im Quantensimulator bis zu einem neuen Bild des Menschen im Wirtschaftsleben reichen die Themen der vier zukunftsweisenden Forschungsprojekte, die den renommierten Forschungspreis der Philip Morris Stiftung in diesem Jahr erhalten werden.

Die mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Auszeichnung, die 2007 zum 25. Mal verliehen wird, geht an insgesamt vier Wissenschaftler aus München, Köln, Berlin und Mainz. Wie die Philip Morris Stiftung in München mitteilte, handeln die vier Arbeiten - neben Quantenphysik und neuem "Homo Oeconomicus" - außerdem von einem neuen Blick auf die Globalisierung und von der Aufklärung grundlegender Prozesse für die Erbanlagen.

Der erst 34-jährige Physiker Prof. Immanuel Bloch von der Universität Mainz erhält den Forschungspreis der Philip Morris Stiftung bereits zum zweiten Mal. Im Jahr 2000 hatte er ihn zusammen mit dem späteren Physik-Nobelpreisträger Prof. Theodor Hänsch bekommen. Jetzt entwickelte er mit einem eigenen Team einen Quantensimulator aus Laserlicht, mit dem sich in künstlichen Kristallen das Wechselspiel der Quantenkräfte zwischen hunderttausenden von Atomen untersuchen lässt. Mit diesem Simulator hofft der Forscher, die physikalischen Geheimnisse ungewöhnlicher Materialeigenschaften zu entschlüsseln, etwa von so genannten Hochtemperatur-Supraleitern, die als viel versprechende Werkstoffe der Elektrotechnik gelten. Die Technik des Quantensimulators soll außerdem in Quantencomputern als Datenspeicher dienen.

Der Wirtschaftsforscher Prof. Axel Ockenfels (37) von der Universität Köln ist dabei, das Menschenbild der Wirtschaftswissenschaft völlig umzukrempeln. Dort galt bislang das Modell des "Homo Oeconomicus", der egoistisch und rein rational handelt. Ockenfels konnte mit Experimenten zeigen, wie realitätsfern dies ist. Er stellte fest, dass Emotionen und Werte wie Fairness sehr wichtige Faktoren für das Verhalten von Menschen im Wirtschaftsleben sind. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen und auf Anwendungen der so genannten "Spieltheorie" arbeitet er jetzt an einem neuen Menschenbild der Wirtschaftswissenschaften und an einer "Ökonomik des Vertrauens", die er zum Teil bei der Entwicklung von Regeln für Internet-Auktionen bereits in der Praxis eingesetzt hat.

Der Historiker Prof. Sebastian Conrad (40) von der Freien Universität Berlin fordert seine Forscherkollegen und die Gesellschaft heraus, die Globalisierung nicht nur als wichtigste wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zu betrachten, sondern als eine grundlegende kulturelle, soziale und geschichtliche Veränderung unserer Welt. Er belegt anhand von Studien in Indien, China und Japan, dass die Globalisierung nicht zu einer Vereinheitlichung, sondern gerade zu einer modernen Vielfalt der Kulturen führt. Mit einem "Projekt Globalisierungswissen", das Universitäten, Schulen und seine eigene Fachdisziplin einbezieht, will Prof. Conrad erreichen, dass die Weltgeschichte nicht immer nur aus der Perspektive Europas betrachtet wird.

Der Münchner Biochemiker Prof. Patrick Cramer (37) vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität wird für seine Arbeiten über eine Schlüsselfunktion der Genetik ausgezeichnet. Die Erbanlagen in den Zellen aller Lebewesen sind Bibliotheken, die erst gelesen und in Bauanleitungen für Proteine umgesetzt werden müssen, damit sie wirken. Diese "Gen-Transkription der RNA-Polymerase" hat der Forscher mit neuen Methoden untersucht und als Erster in einem Film Schritt für Schritt bis in atomare Details dokumentiert. Durch die räumliche Darstellung des Zusammenspiels der Moleküle können Wissenschaftler diesen elementaren Prozess des Lebens jetzt sehr viel besser verstehen.

Der Forschungspreis der Philip Morris Stiftung gilt als eine der angesehensten Auszeichnungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland. Er hat das Leitmotiv "Herausforderung Zukunft" und wird seit 1983 jährlich verliehen. Die Philip Morris Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, durch intensive Öffentlichkeitsarbeit Forscher und ihre Projekte breiten Kreisen bekannt zu machen, um Berührungsängste zu Wissenschaft und Technik abzubauen und um herausragende Beispiele für Spitzenforschung ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken. Mit der Philip Morris Stiftung verdeutlicht die Philip Morris GmbH ihr Engagement für die Gesellschaft und ihre Bereitschaft zum Dialog mit allen gesellschaftlichen Gruppen.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.philipmorrisstiftung.de/

Weitere Berichte zu: Erbanlage Globalisierung Menschenbild Quantensimulator

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Berührungslose Ladesysteme
16.11.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Studenten nehmen mit Frühwarnsystem für Geisterfahrer an internationalem Wettbewerb in Peking teil
15.11.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie