Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den "Stierkampf" gewinnen

17.07.2006
BMBF fördert Evaluations-Studie an der Universität Jena zur Prävention von Ess-Störungen

Man blickt direkt in eine Toilettenschüssel. Darin: erbrochene Speisereste. Das drastische Bild auf dem großformatigen Poster bringt die 13- und 14-jährigen Mädchen zum Nachdenken. Wie fühlt man sich, so vor der Toilette hockend? Die Schülerinnen einer siebten Klasse des Berg-Gymnasiums in Apolda arbeiten im Projektunterricht zum Thema "Ess-Störungen". Das Poster, das sie dabei betrachten, ist Bestandteil des Programms "Torera".

Mit diesem Programm sollen Mädchen vor Ess-Störungen wie Bulimie bewahrt werden. "Nach neuesten Studien zeigen heute bereits mehr als ein Viertel aller Mädchen und jungen Frauen ein problematisches Essverhalten", weiß Dr. Uwe Berger vom Institut für Psychosoziale Medizin der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zwar sei das in den meisten Fällen klinisch noch nicht auffällig. "Doch bei etwa fünf Prozent kommt es in der Folge zu krankhaften Störungen", so der Initiator von "Torera" weiter. Bulimie gehört neben Magersucht zu den häufigsten Ess-Störungen. Der "Stierhunger", so die wörtliche Bedeutung von Bulimie (bulimia nervosa), ist aber nur ein Aspekt der Krankheit. Nach unkontrollierten "Fress-Attacken" folgen meist absichtlich herbeigeführtes Erbrechen, der Missbrauch von Abführmitteln oder exzessiver Sport, um die überschüssigen Kalorien wieder loszuwerden.

"Aus diesem Teufelskreis kommen die Betroffenen von allein in der Regel nicht heraus", so Berger. Deshalb setzen er und seine Kollegen darauf, durch Vorbeugung Ess-Störungen bei Jugendlichen gar nicht erst entstehen zu lassen. Nach dem 2004 gestarteten Programm "PriMa" zur Vorbeugung von Magersucht, ist "Torera" bereits das zweite derartige Präventionsprogramm an Thüringer Schulen. Derzeit beteiligen sich Schülerinnen von insgesamt 32 Schulen. "Sowohl 'Torera' als auch 'PriMa' richten sich vorrangig an Mädchen, da die etwa 10 Mal häufiger von Ess-Störungen betroffen sind als Jungen", erklärt Projektleiter Berger.

Den Kern von "Torera" bilden neun Unterrichtseinheiten, in denen sich die Schülerinnen typische Situationen und Stationen der Krankheit anhand der Poster, eines ausführlichen Unterrichtsmanuals sowie einem Schüler-Theaterstück erarbeiten. Zu den Inhalten gehören beispielsweise "Heißhungeranfälle", "Die Gefahr von Diäten" oder "Gesunde Bewegung". Begleitet werden die Schülerinnen dabei von einer Comicfigur, die eine "Torera" - eine Stierkämpferin darstellt. "Die 'Torera' symbolisiert eine kämpferische Haltung gegen krankmachende Ess-Gewohnheiten, die durch die Auseinandersetzung mit den Projektinhalten wachgerufen werden soll", erklärt Berger.

Neben den eigentlichen Präventionsprogrammen haben die Jenaer Psychologen um Dr. Berger Anfang Juli ein wissenschaftliches Begleitprojekt gestartet, das die Wirksamkeit der Programme "PriMa" und "Torera" vertiefend evaluieren soll. Diese Studie wird in den kommenden drei Jahren durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Durch den Einsatz standardisierter Fragebögen und diagnostischer Interviews wollen die Psychologen herausfinden, ob und wie sich das Wissen über Ess-Störungen und das Ess-Verhalten der teilnehmenden Mädchen durch das Präventionsprogramm auch längerfristig ändert. Auch die Einstellungen zum eigenen Körper und zu Schönheitsidealen werden erfasst. "Uns ist es wichtig, dass die Mädchen lernen, Kritik an ihrer Figur und ihrem Gewicht selbstbewusst zu begegnen. Sie selbst, aber auch die Eltern und Lehrer sollen krankhaftes Essverhalten möglichst frühzeitig erkennen und sich - falls nötig - gegenseitig im rechtzeitigen Aufsuchen professioneller Hilfe bestärken", beschreibt Dr. Berger das Ziel der Intervention.

Der Ergebnisbericht zur erfolgreichen Pilotphase des "PriMa"-Projektes an 20 Thüringer Schulen kann bei Dr. Berger angefordert werden.

Kontakt:
Dr. Uwe Berger
Institut für Psychosoziale Medizin der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Steubenstr. 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 937790
Fax: 03641 / 937794
E-Mail: uwe.berger[at]med.uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-jena.de/mpsy/torera
http://www.med.uni-jena.de/mpsy/prima

Weitere Berichte zu: Bulimie Ess-Störung Präventionsprogramm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie