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Deutscher Designernachwuchs ausgezeichnet / Lucky Strike Junior Designer Award zum 15. Mal verliehen

09.06.2006
Zum 15. Mal wurde jetzt in Hamburg der mit 12.000 Euro dotierte Lucky Strike Junior Designer Award verliehen. Die Jury der Raymond Loewy Foundation zeichnete 2006 insgesamt 26 von über 200 eingereichten Abschlussarbeiten deutscher Designstudenten aus. Neben dem Hauptpreis, der in diesem Jahr zweimal vergeben wurde, erhielten zusätzlich 24 junge Nachwuchsdesigner besondere Anerkennungen. Die ausgezeichneten Studenten kommen von 19 Hochschulen und Designausbildungsstätten aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie dokumentieren mit ihren Arbeiten erneut die große Breite und hohe Qualität der deutschen Designstudiengänge.

Gewinner des Lucky Strike Junior Designer Award 2006 sind Martin Hilpoltsteiner von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt und Jonas Kartenbeck von der Fachhochschule Trier.

Hilpoltsteiner entwickelte für seine Abschlussarbeit im Studiengang Gestaltung unter dem Titel "Recreating Movement" ein interaktives Designwerkzeug zur Untersuchung von Filmsequenzen im dreidimensionalen Raum, wodurch neue Einblicke in die Struktur von Filmmaterial und insbesondere Bewegungsabläufe ermöglicht werden.

Kartenbeck, der Kommunikationsdesign studiert, hat am Beispiel von neun, heute noch utopisch scheinenden Objekten seine Überlegungen zu Problemlösungen des Alltags beschrieben und gestaltet. Dabei wendet er sich bewusst und mit einer Prise Humor gegen allzu pessimistische und bedrohliche Zukunftseinschätzungen. Frei nach dem Motto: was heute denkbar ist, wird morgen machbar sein, betitelt er seine Arbeit mit "heutemorgen oder die Wiederentdeckung des optimistischen Zukunftbildes."

Eingefrorene Momente

Oft nur Bruchteile einer Sekunde lang ist die Filmsequenz eines Aufschlages beim Tennis oder des Aufpralls eines Autos beim Crash-Test. Doch dahinter verbirgt sich ein komplexer Bewegungsablauf mit hunderten von Einzelbildern. Das von Martin Hilpoltsteiner im Rahmen seiner Abschlussarbeit neu entwickelte Computerprogramm ermöglicht mit Hilfe verschiedener Filter und Einstelloptionen die Extraktion dieser Einzelbilder und ordnet sie in einem dreidimensionalen Raum hintereinander an. Es entsteht ein schlauchartiger Komplex von Bildern, der eine bestimmte Zeitspanne des Films sozusagen einfriert. Der Betrachter kann mit Hilfe der Computertastatur durch die Bildfolge wandern, jede beliebige Ansicht der Bildfolge wählen und über eine eingeblendete Menüleiste direkten Einfluss auf die Darstellung nehmen. So können beispielsweise Farbbereiche eines Bildes entfernt und damit das Hauptmotiv freigestellt werden. Ein komplexer Bewegungsablauf wird damit zu einer Informationsgrafik, die dem Designer neue Einblicke in Fo rmen und ihre Veränderung gewährt. Jurymitglied Prof. Laubersheimer, Fachhochschule Köln, betonte in seiner Laudatio, dass es der Jury nicht schwer gefallen sei, diese "überzeugende und sehr innovative Arbeit" zu den herausragenden zu erklären. "Es entstehen völlig eigenständige Welten, die zwar in dem jeweiligen Stück Film implizit sind, aber eben nur implizit. Und mit Hilpoltsteiners Tool werden sie eben explizit zur Verfügung gestellt."

Wenn Utopia Gestalt annimmt

Die fluoriszierende Pflanze "Glühblüh" als Wohnzimmerlampe? Ein ICE, der wahlweise zum Airbus und damit zum "Flugzug" mutiert? Jonas Kartenbeck hat mit einem Augenzwinkern solch' phantastischen Ideen in seiner Diplomarbeit Gestalt gegeben. Auch wenn entsprechende Machbarkeitsstudien sicherlich noch einige Zeit auf sich warten lassen, so möchte Kartenbeck mit seinen Vorschlägen vor allem eines: Hoffnung machen durch einen positiven Gegenentwurf zu so düsteren und bedrohlichen Zukunftsvisionen, wie sie heute in Science-fiction-Filmen wie "Matrix" oder "The day after tomorrow" zum Ausdruck kommen. Entstanden sind dabei traumhafte Lösungen für das wachsende Bedürfnis nach Mobilität und Kommunikation, aber auch die damit einhergehenden großen und kleinen Probleme. So könnte ein "Apparkment-Haus", ein kombiniertes Park- und Hochhaus, das den eigenen Pkw mit Hilfe eines außen angebrachten Fahrstuhlsystems auch noch im obersten Stock vor der Wohnungstür parken lässt, künftige Architekten begeistern. Oder die Automob ilindustrie rüstet demnächst ihre Modelle mit einem zusätzlichen "Air-Bag" aus, der im wahrsten Sinne des Wortes als Ballon über einer möglichen Unfallstelle schwebt, sie auch aus weiter Entfernung sichtbar macht und damit das gute alte Warndreieck ersetzt. Für die Jury würdigte Jürgen Plüss, Leiter Marketing Miele & Cie GmbH & Co., Gütersloh, Kartenbecks Arbeit, "weil sie sich gekonnt, phantasiereich, elegant und wohltuend optimistisch vom derzeitigen Zeitgeist abgrenzt, in dem die Krise zum Mittelpunkt der Wahrnehmung und des Denkens geworden ist."

24 besondere Anerkennungen dokumentieren Qualität und Breite der Designausbildung in Deutschland

2006 erhalten - neben den beiden Hauptpreisen - 24 der eingereichten Abschlussarbeiten eine besondere Anerkennung durch die Jury der Raymond Loewy Foundation. Die so gewürdigten Arbeiten belegen den hohen Qualitätsstandard der Ausbildung in Deutschland. Die Bandbreite reicht von Textil-, Mode- und Schmuckdesign über Industrie- und Produktdesign bis hin zu verschiedenen Anwendungen von Kommunikationsdesign. So wurden multifunktionale Pkw- und Flugzeugstudien vorgestellt, ein Küchenkonzept und eine Trittleiter für die Generation 50plus entwickelt oder das komplette Corporate Design für eine fiktive Sushi-Restaurantkette in Europa gestaltet. Die Studenten machten sich über die visuelle Gestaltung von Formularen ebenso Gedanken wie über die Konzeption eines Gesellschaftsmagazins. Im Bereich Mode wurden beispielsweise experimentelle und klassische Schnitttechniken in der Kollektion für ein junges Designer-Label verbunden, das bewusst breite Käuferschichten ansprechen soll. Alle Arbeiten überzeugten durch Ideenreichtum wie auch ein hohes Maß an Fachwissen.

Förderung für den Designnachwuchs: Die Raymond Loewy Foundation

Richtig durchstarten am Anfang einer Designerkarriere? Dann ist oft der Lucky Strike Junior Designer Award der Raymond Loewy Foundation im Spiel. Die 1991 gegründete Stiftung leistet einen wesentlichen Beitrag, Design zu fördern und dessen große Bedeutung für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft hervorzuheben. Seit 15 Jahren unterstützt sie den Designnachwuchs in Deutschland mit der Verleihung des mit 12.000 Euro dotierten Lucky Strike Junior Designer Award.

Durch diese kontinuierliche Arbeit trägt die Foundation zur Steigerung des Leistungs- und Qualitätsniveaus an deutschen Designhochschulen bei, unterstützt die Transparenz der Designausbildung und entwickelt Leitlinien für ein zielführendes Designstudium. Eine Auszeichnung im Rahmen des Lucky Strike Junior Designer Award gilt sowohl in Wirtschaft und Industrie als auch in der Designbranche als anerkannte Eintrittskarte in die Designprofession. Die Preisverleihung des Awards verschafft dem Nachwuchs ein öffentliches Forum, um Netzwerke in die Designbranche zu knüpfen.

Rainer Stubenvoll | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.raymondloewyfoundation.com

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