Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäisches Forschungsprojekt: Neue Steuerungsinstrumente für die Forstpolitik

02.11.2005


Europäisches Forschungsprojekt: Neue Steuerungsinstrumente für die Forstpolitik


Experten aus zehn Ländern untersuchen Governance-Prozesse in der nachhaltigen Waldwirtschaft


Neue Planungs- und Steuerungsinstrumente in der Forstpolitik sind Gegenstand eines europäischen Forschungsprojekts, in dem das Institut für Forstpolitik, Forstgeschichte und Naturschutz der Georg-August-Universität seit Anfang dieses Jahres mit Partnern aus neun weiteren Ländern zusammenarbeitet. Ziel der Forschungsarbeiten ist die vergleichende Analyse und systematische Bewertung so genannter Governance-Prozesse auf dem Gebiet der nachhaltigen Waldwirtschaft. Die Federführung für das Projekt "New Modes of Governance for Sustainable Forestry in Europe" (GoFOR) liegt bei der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien (Österreich). Das Vorhaben wird von der Europäischen Kommission mit 1,8 Millionen Euro gefördert. Rund 200.000 Euro fließen bis Ende 2007 an die Göttinger Wissenschaftler, die unter der Leitung von Prof. Dr. Max Krott die politische Steuerung im Bereich integrierte ländliche Entwicklung und Forst untersuchen.

"In der politikwissenschaftlichen Forschung wird der Bedarf an einem neuen Planungsverständnis in der Politik mit dem Begriff ,Governance’ umschrieben. Er bezieht sich auf einem Perspektivwechsel, mit dem hierarchische Verfahren des Regierens zunehmend durch kooperative Regierungsformen ersetzt werden", so Prof. Krott. Governance-Prozesse zeichnen sich durch die gleichberechtigte Partnerschaft und Kooperation aller Beteiligten aus. Neben staatlichen Vertretern sollen insbesondere nicht-staatliche Akteure in die Konsens- und Entscheidungsfindung eingebunden werden. Weitere Merkmale sind die Abstimmung von Prozessen und Aktivitäten in "benachbarten" Wirtschaftssektoren und die Integration verschiedener politischer Entscheidungsebenen. "Zugleich wird Planung nicht als einfacher Akt der Zielfindung verstanden, sondern als ein sich wiederholender Annäherungsprozess. Dabei soll größtmögliches Expertenwissen eingebunden werden, wobei aber gesellschaftliche Pluralität und ethische Integrität gewahrt bleiben", betont Prof. Krott.


Die Idee von "Governance" ist Bestandteil zahlreicher politischer Programme und hat auch in die Waldpolitik Eingang gefunden. "Bislang gibt es aber keine fundierten wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, inwieweit diese neuen Formen des Regierens tatsächlich umgesetzt werden und welche Wirkung sie haben", betont Prof. Krott. "Das Projekt GoFOR unternimmt erstmals den Versuch einer vergleichenden Analyse und systematischen Bewertung in verschiedenen europäischen Ländern. Wir wollen damit einen Beitrag zum Verständnis grundlegender Strukturen von Politikprozessen im Bereich der nachhaltigen Waldwirtschaft leisten und Empfehlungen für Entscheidungsträger liefern." Das Göttinger Institut untersucht dabei die Bedeutung so genannter verantwortungsfähiger Expertise für Governance-Prozesse in der Waldpolitik. Dazu wurde mit der BOKU Wien ein theoretischer Analyserahmen entwickelt. Zudem führt das Institut eine Fallstudie durch, die den Stellenwert der verschiedenen Governance-Aspekte in der Politik zur Entwicklung ländlicher Räume aufzeigen soll.

Das GoFOR-Forschungsteam setzt sich aus Wissenschaftlern führender forstpolitischer Institute in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Rumänien, Spanien und Ungarn zusammen. Ihre Arbeit wird von National Advisory Panels begleitet. Das Institut für Forstpolitik, Forstgeschichte und Naturschutz konnte dafür sieben Experten im Bereich Waldpolitik und ländliche Entwicklung gewinnen. Dem Göttinger Team unter Leitung von Prof. Krott gehören der Politikwissenschaftler Michael Böcher und der Forstwissenschaftler Lukas Gießen an. Voraussichtlich im November treffen sich die Mitglieder der deutschen Expertengruppe und die Projektmitarbeiter zu einem Workshop an der Georg-August-Universität.

Kontaktadresse:
Michael Böcher
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie
Institut für Forstpolitik, Forstgeschichte und Naturschutz
Büsgenweg 3, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-19393, Fax (0551) 39-3415
e-mail: mboeche@uni-goettingen.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.fona.uni-goettingen.de
http://www.boku.ac.at/gofor

Weitere Berichte zu: Forstgeschichte Forstpolitik Waldpolitik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen