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Hohe Auszeichnungen für Krebsforscher

12.01.2005


Deutsche Hypothekenbank verleiht Johann-Georg-Zimmermann-Preise



Eine der höchsten Auszeichnungen in Deutschland für Verdienste in der Krebsforschung geht an Wissenschaftler aus Würzburg und Berlin: Die Deutsche Hypothekenbank (Actien-Gesellschaft), Hannover, vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Johann-Georg-Zimmermann-Forschungspreis in diesem Jahr an Professor Dr. med. Jürgen C. Becker (PhD), Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten der Universität Würzburg. Der Preis wird dem 40-jährigen Wissenschaftler für die Erforschung molekularer Vorgänge der Immunreaktion gegen den schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) verliehen. Professor Dr. med. Harald Stein (62), Leiter des Instituts für Pathologie an der Berliner Charité, erhält die mit 5.000 Euro dotierte Johann-Georg-Zimmermann-Medaille. Er hat der modernen Diagnostik von Lymphdrüsenkrebs (malignes Lymphom) durch experimentelle und klinische Studien weltweit entscheidende Impulse gegeben.

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Die Preisverleihung findet im feierlichen Rahmen statt, am Mittwoch, 19. Januar 2005, ab 16 Uhr, im Hörsaal R der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Theoretische Institute II (Gebäude J 6), Carl-Neuberg-Straße 1 in Hannover.

Die Auszeichnung wurde 1972 von der Deutschen Hypothekenbank gestiftet und zählt zu den ältesten und bestdotierten in Deutschland. Bislang ist eine Vielzahl deutscher und internationaler Forscher geehrt worden. Zu den Preisträgern zählten in den vergangenen Jahren Professor Dr. Wolf-Karsten Hofmann (Berlin) und Professor Dr. Peter Propping (Bonn), Professorin Dr. Dr. Heike Allgayer (Mannheim) und Professor (em.) Dr. Dr. h.c. Christian Herfarth (Heidelberg), Professor Dr. Michael Bamberg (Tübingen), Professor Dr. Volker M. Diehl (Köln), Professor Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (Bonn), Professor Dr. Hartmut M. Rabes (München) und Professor Dr. Dieter Hoelzer (Frankfurt am Main).

Die Preisträger 2004/2005

Professor Dr. med. Jürgen C. Becker (PhD)


Jürgen Becker wurde 1964 in Wilhelmshaven geboren und studierte von 1983 bis 1990 Medizin an der MHH. Anschließend begann er seine Weiterbildung zum Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universitäts-Hautklinik Würzburg. Von 1993 bis 1996 führte ihn ein Forschungsaufenthalt in die Immunologie des Scripps Research Institute, La Jolla, Kalifornien. Die Anerkennung zum Hautarzt erfolgte 1997. Seit 1998 ist er Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Würzburg mit den Schwerpunkten Onkologie, Allergologie, Phototherapie, Proktologie und Sonographie. 1998 habilitierte er sich im Fach Dermatologie und Venerologie mit dem Thema "Immunzytokine zur Behandlung von etablierten Melanommetastasen". Zwei Jahre später folgte der internationale Doktorgrad eines PhD am dänischen Krebsforschungsinstitut in Kopenhagen mit einer Arbeit zur "Charakterisierung der zellulären Immunantwort gegen das maligne Melanom unter besonderer Berücksichtigung der Modulation durch Immuntherapien". Seit 2003 hat er die C3-Professur für dermatologische Onkologie inne und ist leitender Oberarzt der Hautklinik der Universität Würzburg. Professor Becker erhielt unter anderen den Deutschen Hautkrebspreis (2001) und den Deutschen Krebspreis (2004).

Schon in seiner Dissertation beschäftigte sich Professor Becker mit der zellulären Immunantwort. Lag sein thematischer Schwerpunkt zunächst auf dem natürlichen Immunsystem, erkundete er im Anschluss, wie sich Zellen und Botenstoffe des Immunsystems so verändern lassen, um sie gezielt gegen Zellen des schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) einzusetzen. Während seines Aufenthaltes am Scripps Research Institute untersuchte er deshalb an einem Melanommodell der Maus, wie die lokalisierte Gabe von Zellbotenstoffen (Zytokinen) die Immunantwort verändern kann. Durch diese und andere Arbeiten konnten wichtige Werkzeuge für eine bessere Diagnostik und Therapie entwickelt werden. Das langfristige Ziel seiner Arbeit: Durch Medikamente das Immunsystem so zu steuern, dass es gezielt Tumoren bekämpft. Zu diesem Zweck leitet Professor Becker zurzeit eine klinische Forschergruppe, die die Rolle des Tumormikromilieus bei zellulären Immunantworten analysiert.

In seiner Laudatio hebt Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der MHH-Abteilung Klinische Immunologie, hervor: "Die grundlegenden immunologischen Arbeiten von Professor Becker zur Immunantwort gegen das maligne Melanom haben bereits zu klinischen Impfstudien geführt. Somit stellen diese experimentellen Forschungsarbeiten eine wichtige Grundlage immunmodulatorischer Therapieansätze dar und geben Hoffnung für alle, die von dieser Krankheit betroffen sind."

Professor Dr. med. Harald Stein

Harald Stein wurde 1942 in Kiel geboren. Von 1962 bis 1968 absolvierte er sein Studium der Humanmedizin an den Universitäten in Kiel und in Innsbruck, Österreich. 1970 promovierte er und erlangte die Approbation als Arzt. 1976 habilitierte er sich für Allgemeine und Spezielle Pathologie. Drei Jahre später erfolgte die Anerkennung als Arzt für Pathologie. Nach einem Forschungsaufenthalt am John Radcliff Hospital, University of Oxford, England, ist Professor Stein seit 1984 Abteilungsleiter und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Pathologie am Campus Benjamin Franklin der Charité-Universitätsmedizin, Berlin. 1989 gründete er gemeinsam mit Professor Peter Isaacson, London, die International Lymphoma Study Group. Mit Hilfe der Deutschen Krebshilfe konnte er 1991 ein überregionales Konsultations- und Referenzzentrum für maligne Lymphome und Knochenmarkserkrankungen einrichten. Von 2002 bis 2003 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, ist Chairman des Hodgkin-Komitees der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Erarbeitung einer neuen WHO-Lymphom-Klassifikation und seit 2002 der Präsident der European Association of Haematopathology. Professor Stein erhielt den Deutschen Krebspreis im Jahr 1998.

Professor Steins Augenmerk gilt der Immunhistochemie, die es ermöglicht, viele Krankheiten auf molekularer Ebene zu definieren und zu diagnostizieren. Sie kombiniert morphologisch-molekulare Technik und ist wegen ihrer hohen Leistungsfähigkeit mittlerweile zu einem Standardinstrument der feingeweblichen (histopathologischen) Diagnostik und Tumorklassifizierung geworden. Darüber hinaus entdeckte Professor Stein zwei Moleküle, die heute weltweit in der immunhistologischen Diagnostik und experimentellen Forschung eingesetzt werden: das Ki-67-Molekül, mit dem sich ruhende und teilende Zellen voneinander unterscheiden lassen, sowie der Zytokinrezeptor CD30, mit dessen Hilfe Professor Stein eine neue Lymphomkrankheit entdeckte: das anaplastische großzellige Lymphom. Bereits 1973 hatte der Wissenschaftler zusammen mit seinem akademischen Lehrer Professor Dr. Karl Lennert durch molekulare Untersuchungen den Grundstein für eine neue Lymphom-Klassifikation gelegt, die 1974 unter dem Namen "Kiel-Klassifikation" in die Medizingeschichte eingegangen ist. 2001 gelang es dann, durch Anwendung verbesserter immunhistochemischer und neuer molekulargenetischer Methoden die verschiedenen Formen des Lymphdrüsenkrebses besser zu definieren und eine neue WHO-Klassifikation der malignen Lymphome zu formulieren - damit war erstmalig eine weltweite Vereinheitlichung der vielen verschiedenen Lymphom-Klassifikationen erreicht worden. Hier hatte die von Professor Stein mitgegründete International Lymphoma Study Group entscheidenden Einfluss. Professor Stein sagt dazu: "Mit der neuen WHO-Klassifikation ist zum ersten Male die Möglichkeit gegeben, Therapieoptimierungsstudien der alten und neuen Welt miteinander direkt zu vergleichen."

In seiner Laudatio sagt Professor Dr. Hans Heinrich Kreipe, Direktor der MHH-Abteilung Pathologie: "Professor Stein hat der modernen Diagnostik von malignen Lymphomen durch experimentelle und klinische Studien entscheidende Impulse gegeben. Er ist einer der Pioniere der Immunhistochemie, die mittlerweile zu einem Standardinstrument der Tumorklassifizierung geworden ist. Für die neue WHO-Klassifikation der malignen Lymphome, die erstmalig zu einer weltweiten Vereinheitlichung der Lymphomklassifikation geführt hat, muss Professor Stein als einer der entscheidenden Initiatoren und Wegbereiter angesehen werden."

Dr. Arnd Schweitzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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