Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationspreis 2004 für System zur patientenindividuellen Therapie von neurologischen Erkrankungen

17.06.2004


Die Ilmenauer Wissenschaftlerin Dr.-Ing. Galina Ivanova hat für Verfahren und Vorrichtungen zur Therapie von Patienten mit neurologischen und neuropsychologischen Erkrankungen den mit 12.500 Euro dotierten Innovationspreis 2004 der Stiftung Familie Klee erhalten.



Der Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Medizintechnik. Er geht jährlich an hervorragende Nachwuchswissenschaftler, Ingenieure oder Mediziner, deren Arbeit sich durch eine neuartige Kombination von medizinisch-biologischen und technisch-physikalischen Erkenntnissen an der Schnittstelle von Medizin und Technik auszeichnet.

... mehr zu:
»Innovationspreis


Patientenindividuelle Therapie von neurologischen Krankheiten

Das von Dr. Ivanova und ihrer Forschergruppe entwickelte äußerst komplexe System zur Analyse und Selbstregulation unterschiedlicher Anteile der Hirnaktivität wie z.B. der so genannten langsamen Hirnpotenziale erlaubt erstmals eine ganz speziell auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene und damit hoch effektive Therapie von Erkrankungen wie Epilepsie, Hyperaktivität und Migräne. Das System zielt insbesondere auf die Therapie von nicht oder nicht ausreichend medikamentös behandelbaren Patienten sowie von Patienten ab, bei denen erhebliche medikamentöse Nebenwirkungen auftreten. Im klinischen Test zeigte sich, dass signifikante Lernerfolge, auch bei erheblichen Wahrnehmungs- und kognitiven Beeinträchtigungen, erzielt werden konnten.

Das Konzept des Systems und insbesondere seine Flexibilität und Adaptivität und damit die erreichbare Individualisierung der Neurotherapien stoßen in der Fachwelt auf sehr positive Resonanz. Die zugrunde liegenden Ideen wurden bereits im Jahr 2000 als Patent angemeldet. Beratend hatten den Thüringer Forschern führende Mediziner wie Professor Nils Birbaumer und Dr. Boris Kotchubey vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen zu Seite gestanden. Dieses Institut befasst sich seit den 70er Jahren mit neurologischen Erkrankungen und wendet seit vielen Jahren die Neurofeedback-Therapie an. Mit der Weiterentwicklung des Verfahrens durch die Wissenschaftler der TU Ilmenau wurde nach Einschätzung des Tübinger Professors ein Qualitätssprung in der Therapie verschiedener neurologischer Erkrankungen erreicht. "Das Gerätekonzept ist das erste auf dem Gebiet des Neurofeedbacks, das online die Darbietung verschiedener Komponenten des EEG-Signals einschließlich langsamer Potenziale, Signale im Zeit- und Frequenzbereich, Zusammenhänge zwischen Signalen einzelner kortikaler Areale usw. ermöglicht. Die Flexibilität der Einstellungen, die das Gerätesystem zulässt, gewährleistet eine höhere Effizienz im Vergleich mit vorhandenen Systemen."

System klinisch erfolgreich getestet

Die zentrale Einheit des Systems wurde in Form eines Labormusters erstellt und im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Rhönklinikum AG, Klinik für Neurologie der Zentralklinik Bad Berka, sowie mit der neurologischen Praxis Prof. Müller/Dr. Henkel, Ilmenau, an pharmakoresistenten Epilepsiepatienten (7 Patienten, Vorgeschichte länger als 20 Jahre) erfolgreich getestet. Während der Tests erwies sich die Flexibilität und Adaptivität des Systems als ein ausgezeichnetes Mittel, den Lernprozess an die infolge der Krankheit und der Medikamenteneinnahme entstandenen, zum Teil erheblichen Wahrnehmungs- und kognitiven Defizite anzupassen. Somit waren die Voraussetzungen für eine entsprechende patientenindividuelle Konditionierung geschaffen. 86 Prozent der Patienten waren nach einer kurzen Lernperiode von ca. zwei bis drei Wochen in der Lage, ohne Begleitung eines Psychologen die für die Entstehung eines Anfalls wichtige Positivierung und Negativierung des langsamen Potenzials zu differenzieren. Der Chefarzt der Zentralklinik Bad Berka GmbH, Doz. Dr. R. Both, schätzt ein: "Insgesamt kann festgestellt werden, dass die von der Arbeitsgruppe der TU Ilmenau entwickelte Technologie und die davon abgeleitete Applikation für die Selbstregulation mittels eines multimodalen Feedbacks klinisch erfolgreich eingesetzt werden kann und dadurch positive Therapieeffekte bei Patienten mit Epilepsien erzielt werden können."

Wissenschaftlicher Werdegang der Preisträgerin

Die 38-jährige Preisträgerin stammt aus Varna/Bulgarien und absolvierte von 1985 bis 1990 in Ilmenau ein Studium in der Fachrichtung Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik/Vertiefungsrichtung Biomedizinische Technik und Bionik.

1994 promovierte Galina Ivanova am Institut für Biomedizinische Technik und Informatik der Technischen Universität Ilmenau mit einem Thema zur Vorverarbeitung und Detektion visuell evozierter Potenziale. Seit 1994 arbeitet die Wissenschaftlerin in zahlreichen von der Europäischen Union, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bund und dem Freistaat Thüringen geförderten Forschungsprojekten, insbesondere auf den Gebieten der Biosignalanalyse und Hirnforschung. Die von ihr gegründete und geleitete Forschergruppe "The NeuroCybernetics Research Group" widmet sich der Entwicklung adaptiver Gehirn-Computer-Schnittstellen und deren therapeutischen Applikationen.

Aus den Forschungsarbeiten ging im Jahre 2000 die Patentanmeldung hervor. Der Erfinderanteil von Dr.-Ing. Galina Ivanova beträgt 60 Prozent, zu je zehn Prozent waren die Professoren Gert Grießbach ( ) und Günter Henning sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter Mehmet Eylem Kirlangic und Svitlana Kudryavtseva beteiligt.

Für ihren maßgeblichen Anteil an den Ergebnissen wählte die Gutachterkommission der Stiftung Familie Klee Dr. Galina Ivanova als Preisträgerin des Innovationspreises 2004 aus. In der Urkunde heißt es: "Die Preisträgerin hat durch eine neuartige Kombination von technisch-physikalischen mit medizinisch-biologischen Kenntnissen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Heilung menschlicher Krankheiten geleistet. Dem Zweck der Stiftung wurde damit vorbildlich gedient."
Dr. Galina Ivanova ist verheiratet und Mutter einer fünfjährigen Tochter sowie eines 14-jährigen Sohnes.

Die Stiftung Familie Klee wurde von Gerhard Klee, Ingenieur, Erfinder und langjähriges Vorstandsmitglied der Firma Samson AG, Frankfurt, gegründet mit dem Ziel, Forschung und Entwicklung im interdisziplinären Bereich Medizin-Technik-Naturwissenschaften zu fördern.

Weitere Informationen:

Technische Universität Ilmenau
Institut für Biomedizinische Technik und Informatik
Dr. Galina Ivanova
Tel.: 03677 69-1312, Fax: -1311
e-mail: galina.ivanova@tu-ilmenau.de

Wilfried Nax M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www-bmti.tu-ilmenau.de/ncrg

Weitere Berichte zu: Innovationspreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie