Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

3,5 Mio. EUR für Kampf gegen Tuberkulose durch Strukturproteomik

24.06.2003


EMBL Hamburg und sechs weitere Partner erhalten vom Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Förderung in Höhe von 3,5 Mio. EUR zur Bekämpfung von Tuberkulose.


Tuberkulose ist nach wie vor eine der gefährlichsten und größten Bedrohungen für die globale Gesundheit.Derzeitig sind etwa zwei Milliarden Menschen mit dem Tuberkulosebakterium (TB) infiziert. Jedes Jahr kommen weitere acht Millionen neue Fälle, davon zwei Millionen mit letalem Ausgang, hinzu. Die tödliche Allianz von AIDS und TB-Koinfektionen verschlimmert diese Situation zusätzlich. AIDS-Patienten sind wegen ihres geschwächten Immunsystems besonders empfänglich für Sekundärinfektionen, und ein Drittel aller AIDS-Patienten stirbt an Tuberkulose.

Die effektivsten Antibiotika gegen TB wurden bereits vor mehr als dreißig Jahren entwickelt, und seitdem sind eine Vielzahl Antibiotika-resistenter TBStämme entstanden. Die zwingende Notwendigkeit neue, gezielte Medikamente gegen TB zu entwickeln hat Forscher vom Europäischen Molekularbiologielabor (EMBL) und einem Konsortium von akademischen und industriellen Partnern veranlasst,diejenigen Proteine dieses Bakteriums, die als Verursacher von Tuberkulose identifiziert sind,gezielt zu untersuchen. In einem neuartigen "Strukturproteomik"-Ansatz hoffen sie, durch die Analyse der molekularen Strukturen vieler dieser Proteine aus dem Proteom des Tuberkulosebakteriums einen wichtigen Beitrag leisten zu können, neue effektive Medikamente gegen Tuberkulose zu finden.


Diese Initiative wird nun durch das Deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderaktivität "Neue effiziente Verfahren für die funktionelle Proteomanalyse" in Höhe von ca. 3,5 Millionen EUR unterstützt werden. Das Projekt wird durch die EMBL-Außenstelle Hamburg koordiniert, und außerdem sind drei akademische Partner (Max-Planck-Gruppen für Molekular Strukturbiologie, Hamburg, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin; Technische Universität München, Forschungszentrum Weihenstefan) und drei industrielle Partner (Biomax, Martinsried; Combinature, Berlin; MarResearch, Norderstedt) an diesem Verbund beteiligt. Ziel des Projektes ist es,die beiden führenden Methoden zur Bestimmung von Raumstrukturen biologischer Makromoleküle bei hoher Auflösung, die Röntgenstrukturanalyse und die NMRSpektroskopie, zu benützen. Mit diesen Techniken sollen Strukturen von Proteinen aus dem TBProteom in Gegenwart kleiner Moleküle bestimmt werden, die dann als Grundlage dienen sollen, neue Medikamente gegen TB zu entwickeln.

EMBL Hamburg und seine Partner werden gemeinsam einen schrittweisen, Struktur-basierenden Ansatz zur Erforschung neuer Medikamente entwickeln.Ein neuartiger Ansatz ist dabei,die molekul a ren Unterschiede in nicht-letalen (d.h. nicht-pathogenen) und letalen (d.h. pathogenen) Mykobakterienstämmen zu analysieren, die dann eine gezielte Auswahl von Proteinen ermöglichen werden, die für den pathogenen Zustand spezifisch sind.Außerdem werden durch das Max-Planck- Institut für Infektionsbiologie (Berlin) Möglichkeiten bereitgestellt werden, unterschiedliche Expressionsraten von T B - Proteinen unter Brutbedingungen (Persistenz) und aus infiziert e m Gewebematerial direkt miteinander zu vergleichen. Die Auswahl geeigneter Zielproteine wird von Forschern der Technischen Universität München mit Hilfe von bioinformatischen Analysen durchgeführt werden. Die molekularen Raumstrukturen dieser ausgewählten TB-Proteine werden dann mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse bestimmt werden und als Targets für weitere Untersuchungen dienen.Indem die Funktion dieser Targets spezifisch blockiert wird,hoffen Forscher ableiten zu kön- nen,wie Krankheiten durch dieses Bakterium verursacht werden können. In einem weiteren Schritt werden Forscher der Firma Combinature und aus dem Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (Berlin) diese Zielproteine gegen eine hohe Anzahl potentieller Medikamenten-ähnlicher Ve r b i n d u n g e n (Leitverbindungen) testen. Erfolg versprechende Zielproteine werden schließlich für zukünftige biologische und pharmakologische Analysen verwendet werden.

Abgesehen von den Zielsetzungen zur Struktur- und Funktionsaufklärung von TB-Zielproteinen, wird dieses Projekt ermöglichen, neuartige Geräte und Infrastrukturen zu entwickeln. Ein zentrales Ziel wird die Errichtung einer Hochdurchsatz-Kristallisationseinheit bei EMBL Hamburg sein. "Wir hoffen, damit eine für Europa einzigartige Einrichtung zu schaffen, die wir akademischen und industriellen Forschungsgruppen zur Verfügung stellen wollen,die Zugang zu Hochdurchsatztechnologien in der Strukturbiologie haben möchten", bemerkt Dr. Matthias Wilmanns, Leiter der EMBL Außenstelle in Hamburg. "Sie wird Forschern eine Umgebung bieten, die sie benötigen, um den großen Herausforderungen der zukünftigen Strukturbiologie begegnen zu können."

Darüber hinaus wird die Firma MarResearch einen automatischen Probenwechsler entwickeln und implementieren, der die Analyse der Proben an Meßstationen zur Strukturanalyse mit Synchrotronstrahlung automatisieren und beschleunigen wird. Die Firma Biomax wird eine zentrale Datenbank für die große Vielfalt von Daten der verschiedenen Partner etablieren.

"Die großzügige Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird es unseren Forschern erlauben, eine großen Schritt in der Struktur-basierenden Tuberkuloseforschung zu machen", bemerkt Dr.Wilmanns. "Wir werden in der Lage sein, erhebliche Fortschritte in diesem Kampf zu machen, und wir wollen einen wichtigen Beitrag leisten, um zur Entwicklung neuer Medikamente gegen diese Krankheit beizutragen."

Kontakt:

EMBL Hamburg c/o DESY
Matthias Wilmanns
Notkestrasse 85, D–22603 Hamburg
Tel: +47 4089 - 9020
Fax: +47 4089 - 902104

| EMBL
Weitere Informationen:
http://www.embl.de

Weitere Berichte zu: EMBL Protein Strukturbiologie Tuberkulose Zielprotein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Red Dot Design Award für die dormakaba 360°City App
09.12.2016 | Kaba GmbH

nachricht Zweimal Gold beim Architects’ Darling Award 2016 für dormakaba
28.11.2016 | Kaba GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau