Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Krebspreis für Weiterentwicklung der Präzisionsstrahlentherapie

21.03.2003


Für seine Arbeit zur Verbesserung der Präzisionsstrahlentherapie erhält Professor Dr. Wolfgang Schlegel, Leiter der Abteilung Medizinische Physik im Deutschen Krebsforschungszentrum, den klinischen Teil des Deutschen Krebspreises.


Die Strahlentherapie ist nach der Chirurgie die erfolgreichste und am häufigsten eingesetzte Behandlung bei Krebserkrankungen. Schlegels Arbeit hat dazu beigetragen, dass die Strahlen heute immer präziser auf den Tumor gelenkt werden können. Die in seiner Abteilung ent-wickelten rechnergesteuerten Blendensysteme und Computerprogramme für die dreidimensionale Therapieplanung gewährleisten, dass gesundes Gewebe in der Umgebung des Tumors geschont wird.

Idealerweise wird dem Tumor eine so hohe Dosis verabreicht, dass alle Krebszellen zerstört werden. Dies ist jedoch schwer zu erreichen, wenn bösartige Tumoren strahlenempfindliche Organe wie den Sehnerv oder das Rückenmark hufeisenförmig umwachsen, so dass die empfindlichen Gewebe bei der Strahlentherapie direkt in der "Schusslinie" liegen: Hier setzt Schlegels neueste Entwicklung, die intensitäts-modulierte Strahlentherapie (IMRT), an: Die Methode beruht darauf, die Intensitäten der Strahlendosis innerhalb eines Bestrahlungsfeldes zu verändern - zu modulieren. Damit ist es möglich, die Dosis im Tumor zu erhöhen, ohne benachbarte Risikoorgane in Mitleidenschaft zu ziehen.


In den USA konnte mit einer ersten, 700 Patienten umfassenden Studie bereits gezeigt werden, dass durch die IMRT bei der Behandlung von Prostatakrebs schwerwiegende Nebenwirkungen gesenkt und das krankheitsfreie Überleben verlängert werden können. Im Deutschen Krebs-forschungszentrum wird seit 1998 mit einer Studie geklärt, bei welchen Tumorerkrankungen die Behandlung mit der IMRT Vorteile bringt. Bisher wurden bereits über 400 Patienten mit Tumoren im Kopfbereich, rückenmarksnahen Tumoren, sowie Prostata- und Brustkrebs mit viel versprechenden Ergebnissen behandelt.

In Deutschland könnten pro Jahr etwa 40.000 Patienten mit ungünstig gelegenen Krebsherden von der IMRT profitieren. Das Verfahren ist außer im Krebsforschungszentrum in zehn deutschen Kliniken* etabliert oder im Aufbau befindlich. Die Behandlungskapazitäten reichen bisher jedoch nur für 400 Patienten jährlich aus. Allerdings wird den Krankenhäusern die aufwendige IMRT mit nur rund 1500 Euro vergütet - demselben Satz wie für eine herkömmliche Präzisionsstrahlenbehandlung. Daher findet die neue Behandlungsform, die mit doppelt so hohen Kosten zu Buche schlägt, in Deutschland nur zögerlich den Weg in die Klinik - zum Nachteil der Patienten, deren Heilungschancen durch die IMRT erhöht wären.

Der Deutsche Krebspreis wird im Rahmen des AEK-Kongresses der Deutschen Krebsgesellschaft am 26. März in Würzburg verliehen.

*Deutsche Kliniken, in denen die IMRT etabliert oder im Aufbau ist:
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; Humboldt-Universität Berlin; Klinikum Charite, Berlin; Klinik für Strahlentherapie der Universitätsklinik Dresden; Ruppiner Kliniken, Neuruppin; Südharz Klinik Nordhausen; TU-München, Klinik rechts der Isar; Universitätsklinik Eppendorf, Hamburg; Universitätsklinik Tübingen; Universitätsklinikum Heidelberg; Universitätsklinikum Mannheim

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: IMRT Krebspreis Präzisionsstrahlentherapie Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz