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Physiker Gerhard Materlik mit dem Röntgenpreis geehrt

11.12.2002


Nach einer Pause von fast 60 Jahren wurde erstmals wieder der Röntgenpreis der Universität Würzburg vergeben: Der Physiker Prof. Dr. Gerhard Materlik von der Universität Oxford (England) nahm die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung am Dienstag, 10. Dezember, in der Neubaukirche in Würzburg entgegen.

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Verliehen wurde der Preis bei der Abschlussveranstaltung zum Wissenschaftsjahr, das die Würzburger Universität anlässlich ihrer Erstgründung vor 600 Jahren ausgerufen hatte.

Gerhard Materlik, 1945 in Marl geboren, gilt als ein Pionier der modernen Forschung mit Röntgenstrahlung in Deutschland. Er hat auch die Entwicklung neuer Röntgenquellen, speziell von Synchrotron-Strahlungsquellen, weltweit maßgeblich beeinflusst. Durch seine herausragenden wissenschaftlichen und technologischen Leistungen, sein internationales Wirken und seine mannigfaltigen Beziehungen zur Forschung in Würzburg symbolisiert er die Ausstrahlungskraft und weit reichende Wirkung von Röntgens Entdeckung für die heutige und künftige Spitzenforschung.


Nach dem Physikstudium und einem zweijährigen Postdoc-Aufenthalt an der Cornell-Universität ging Gerhard Materlik 1978 als leitender Wissenschaftler an das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY nach Hamburg. Abgesehen von Gastaufenthalten bei den Bell-Laboratorien in Murray Hill und an der Stanford University in Kalifornien war er über 20 Jahre bei DESY tätig. Dort übernahm er 1986 die Funktion eines Wissenschaftlichen Direktors am Synchrotron-Strahlungslabor HASYLAB. 1990 wurde er außerdem Professor an der Universität Hamburg.

Ende 2001 wurde Prof. Materlik dann als Direktor an die DIAMOND Light Source nach England berufen. Seitdem ist er für den Aufbau dieser neuen europäischen Synchrotron-Strahlungsquelle verantwortlich. Seit April 2002 lehrt er außerdem an der Universität Oxford.

In Würzburg bekam er die Röntgenpreis-Urkunde vom Vorsitzenden des Universitätsbundes Würzburg, Albrecht Graf von Ingelheim, überreicht. Die Laudatio hielt der Geschäftsführende Vorstand des Physikalischen Instituts, Prof. Dr. Eberhard Umbach.

Wie entstand der Röntgenpreis und wie kam es zu seiner "Wiederbelebung"? Der Unternehmer Jakob Preh aus Bad Neustadt an der Saale hatte 1942 anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Universitätsbundes die Röntgenpreis-Stiftung der Universität Würzburg eingerichtet und mit 100.000 Reichsmark ausgestattet.

Der Preis wurde dann allerdings nur zweimal vergeben: Für 1942 erhielt ihn der Würzburger Botaniker Prof. Hans Burgeff, ein Jahr später der Mediziner Prof. Georg Schaltenbrand. Über die Verleihung eines weiteren Röntgenpreises sind keine Unterlagen auffindbar.

Im Jahr 2001 hat dann Rosemarie Preh, die der Universität Würzburg als Mäzenin seit vielen Jahren verbunden ist, das Kapital ihrer unter dem Dach des Universitätsbundes angesiedelten "Dipl.-Ing. Walter Preh-Stiftung" um 150.000 Euro aufgestockt: Es war ihr Wunsch, dass aus den nun größer gewordenen Erträgen der Stiftung der von ihrem Schwiegervater begründete, nach den Kriegswirren aber in Vergessenheit geratene Röntgenpreis erneut eingeführt, mit 5.000 Euro dotiert und erstmals 2002 wieder verliehen werden sollte.

Mit dem Preisgeld wird eine Urkunde verliehen, die immer zwei Unterschriften tragen wird - die des Vorsitzenden des Universitätsbundes und die des Präsidenten der Universität. Ganz im Sinne von Jakob Preh ist dies Ausdruck der Verbundenheit von Universität und der Gesellschaft ihrer Freunde und Förderer.

Robert Emmerich | idw

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