Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausgezeichneter Klimaforscher: Schellnhuber erhält höchstrangige Ehrungen

08.09.2011
Für seine weltweit führenden Beiträge zur Erdsystemforschung und für den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Politik wird Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), in diesem Herbst gleich mehrfach ausgezeichnet.

Der als höchste internationale Ehrung für Umweltwissenschaften geltende Preis der Volvo-Stiftung wird ihm Anfang November in Schweden übergeben. Bereits im Oktober verleiht ihm der Bundespräsident persönlich im Berliner Schloss Bellevue das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Von der renommierten Universität Kopenhagen erhält Schellnhuber zudem die Ehrendoktorwürde.

„Mit dem Aufbau vielfältiger und fächerübergreifender Forschung, die sich der erschreckenden Herausforderungen des Klimawandels für die Menschheit annimmt, gibt es niemand Besseres als Hans Joachim Schellnhuber, um international führend zur Entwicklung wissenschaftliche Erkenntnisse beizutragen und diese für Politiker und andere Entscheider anwendbar zu machen“, heißt es in der Begründung der Jury des Volvo Umwelt-Preises. Als Physiker habe Schellnhuber „den strengen, quantitativen Ansatz auf die Erdsystemforschung angewandt“ und deren Entwicklung damit entscheidend vorangebracht. Er ist der erste Deutsche, der den Preis erhält.

„Der Volvo-Preis ist so etwas wie der Nobelpreis für Umweltforschung, weil es bislang leider keinen Nobelpreis für diese interdisziplinäre Wissenschaft gibt“, erklärt Paul Crutzen, Träger des Chemie-Nobelpreises. Bevor der Niederländer diesen 1995 gewann, war Crutzen für seine Forschung zur Zerstörung der Ozonschicht als einer der ersten Wissenschaftler mit dem Volvo-Umweltpreis ausgezeichnet worden. Es sei „mehr als verdient“, so Crutzen, „dass Hans Joachim Schellnhuber jetzt diesen herausragenden Preis erhält. Er hat als Forscher die Art verändert, wie wir all die komplexen Prozesse zwischen Himmel und Erde betrachten. Aber er ist mehr als nur ein brillianter Kopf – er ist ein Kopf mit einem Gewissen. Wie kaum ein anderer baut Schellnhuber unermüdlich Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.“

Schellnhubers Interesse an komplexen Systemen und nichtlinearer Dynamik, vielfach Chaostheorie genannt, hat den gebürtigen Bayern von der Grundlagenphysik zur Klimaforschung geführt. Er entwickelte eine Reihe neuartiger Konzepte, beispielsweise die Analyse der Kippelemente im Klimasystem („Tipping Elements“), die der Forschung weltweit wichtige Anstöße gaben. Auch das Zwei-Grad-Ziel zur Begrenzung des Klimawandels, welches von Politikern weltweit aufgegriffen wurde, hat unter Schellnhubers Führung der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) entworfen. Schellnhuber veröffentlichte mehr als 250 wissenschaftliche Artikel und über 50 Bücher beziehungsweise Buchkapitel. Er ist unter anderem Mitglied der amerikanischen National Academy of Sciences und der Deutschen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) sowie Professor an der Universität Potsdam und am einflussreichen Santa Fe Institute in den USA.

Auf dieser Grundlage ist er zum wichtigen Gesprächspartner der Politik geworden: Etwa im WBGU, dem er seit 1992 angehört; im Expertenteam des EU-Kommissions-Präsidenten José Manuel Barroso; 2007 als Chef-Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel während der deutschen Präsidentschaft von G8 und EU-Rat; und für die Landesregierung Brandenburgs.

Der Preis ist von Volvo gestiftet, wird aber verliehen von einer unabhängigen Stiftung. Mitglieder der Jury sind unter anderem Gita Sen, Professorin am Indian Institute of Management in Bangalore, und Jacqueline McGlade, Exekutiv-Direktorin der Europäischen Umweltagentur. Unter den bisherigen Preisträgern waren Wissenschaftler wie Susan Solomon von der National Oceanic and Atmospheric Administration der USA oder der Träger des Friedens-Nobelpreises Mohammed Yunus aus Bangladesh. Mit der Auszeichnung verbunden ist ein Preisgeld in Höhe von rund 160.000 Euro.

Zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse sowie der Ehrendoktorwürde der Universität Kopenhagen werden die offiziellen Begründungen später im Jahr veröffentlicht.

Fotos werden auf Anfrage gern zur Verfügung gestellt.

Kontakt für weitere Informationen:

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de

Jonas Viering | idw
Weitere Informationen:
http://www.environment-prize.com/component/option,com_frontpage/Itemid,1/
http://www.pik-potsdam.de/members/john/kurzbiographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie