Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antibiotika-Expertin Julia Bandow: VAAM-Forschungspreisträgerin 2014

06.10.2014

Bakterien passen sich an Antibiotika-Behandlungen an. Diese Veränderungen macht Prof. Julia Bandow sichtbar, indem sie die Proteinzusammensetzung der Bakterien analysiert. Für ihre Erkenntnisse, wie Bakterien auf Antibiotika reagieren, erhält die Bochumer Mikrobiologin heute den mit 10.000 Euro dotierten VAAM-Forschungspreis für herausragende aktuelle Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiologie. Bandows Erkenntnisse helfen, Resistenzen zu verstehen und neue Antibiotika zu entwickeln. VAAM-Präsident Prof. Dieter Jahn überreichte die Auszeichnung im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung in Dresden.

Mit Hilfe der Proteomanalyse lässt sich untersuchen, welche bakteriellen Proteine in Antwort auf eine Antibiotika-Behandlung verstärkt gebildet werden. Bandows Arbeitsgruppe konnte bereits Proteomprofile für mehr als 50 Antibiotika für Bacillus subtilis erstellen. In den Proteomantworten spiegeln sich die Wirkmechanismen wider:


Antimikrobielle Eiweißstoffe können Bakterienzellen schädigen (hier Bacillus subtilis, dessen Außenhülle im Pfeilbereich angegriffen ist)

Foto (Transmissionselektronenmikroskop): Wenzel & Erdmann, RUB

Einige Antibiotika greifen etwa in die DNA-Synthese ein, andere hemmen die Herstellung von Proteinen oder stören die Zellwandbiosynthese. Die aus den Proteomanalysen gewonnenen Erkenntnisse helfen bei der Aufklärung der Wirkmechanismen neuer Antibiotika, an denen die Gruppe forscht.
„Julia Bandow hat in kurzer Zeit ein äußerst attraktives Forschungsprogramm etabliert“, lobt das internationale Auswahlkomitee.

„Die von ihr bearbeiteten Themen sind nicht nur wissenschaftlich relevant, sondern auch von großer medizinischer und industrieller Bedeutung“. Über 40 Publikationen in zwölf Jahren seien sehr beachtlich. Ihre Arbeiten zur Antibiotika-Forschung wurden kürzlich durch eine Veröffentlichung in der renommierten Zeitschrift PNAS gekrönt.

Darin zeigt die Arbeitsgruppe, wie kurze kationische antimikrobielle Peptide die Membran von Bakterien so verändern, dass die Zellatmung, der Aufbau der Zellwand und der Energiestoffwechsel gestört werden. „Wir wollen die Wirkung strukturell neuer Antibiotika verstehen und so zur Entwicklung von Wirkstoffen beitragen, die bekannte Resistenzmechanismen umgehen“, so Bandow. „Insbesondere durch die Untersuchung antibakterieller Naturstoffe können wir auch neue Wirkorte finden.“

Darüber hinaus untersucht Bandows Arbeitsgruppe den antibakteriellen Einsatz von technischen Plasmen. Das sind ionisierte Gase, wie man sie zum Beispiel aus dem Plasmafernseher kennt. Erste klinische Versuche mit aus Luft generiertem Plasma zeigen, dass so nicht nur Wunden desinfiziert, sondern auch Heilungsprozesse gefördert werden. In seiner Laudatio lobte VAAM-Präsident Jahn neben der herausragenden Forschung auch Bandows bei Studierenden beliebte Lehrveranstaltungen. Zudem sei ihre Drittmitteleinwerbung außerordentlich erfolgreich und ihre Vernetzung in Industrie und Akademia beispielhaft.

“Wir können von den wahren Antibiotika-Experten, den Mikroorganismen selbst, viel lernen und diese Quelle neuer Antibiotika wirkungsvoller und nachhaltiger nutzen”, zeigt sich Preisträgerin Bandow von der Zukunftsträchtigkeit ihres Forschungsgebietes überzeugt.

Prof. Dr. Julia Bandow (39) leitet seit 2014 die Arbeitsgruppe für Angewandte Mikrobiologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie studierte Biologie an der Universität Greifswald und promovierte dort in Mikrobiologie über die bakterielle Antwort auf Antibiotika bei Prof. Dr. Michael Hecker. Sechs Jahre arbeitete sie als Wissenschaftlerin bei der Firma Pfizer (Ann Arbor, Michigan, USA), bevor sie 2008 an die Universität zurückkehrte. Von 2008 bis 2014 war sie Juniorprofessorin für Mikrobielle Antibiotikaforschung an der Ruhr-Universität.


Informationen: http://www.ruhr-uni-bochum.de/ngbandow

Weitere Informationen: VAAM-Geschäftsstelle, Tel: +49(0)69-66 05 67 20, e-Mail: info@vaam.de

Die VAAM ist Gründungsmitglied im VBIO. Sie vertritt rund 3500 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von Bakterien und Pilzen in Lebensmitteln und Gewässern über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung von Mikroorganismen und ihren Enzymen. Die diesjährige Jahrestagung „Microbiology and Infection 2014“ findet gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) vom 5. bis 8. Oktober in Dresden statt.

Weitere Informationen:

http://www.vaam.de

Dr. Kerstin Elbing | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Krankheitserreger beim Reis blockieren
10.08.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie