Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Angeln mit Flipchart, Stift und Beamer

04.03.2014

Bildungsprojekt für nachhaltiges Fischereimanagement erhält Auszeichnung der deutschen UNESCO-Kommission

Das Forschungsprojekt Besatzfisch hat sich zur Aufgabe gemacht, Hobbyangler bei ihren vielfältigen Aktivitäten für ein nachhaltiges Fischereimanagement zu unterstützen.


Angler und Forscher besetzen gemeinsam markierte Karpfen. Später kontrollieren sie, ob der Bestand tatsächlich erhöht werden konnte.

Foto: Besatzfisch/IGB

Dazu führte ein Team von Nachwuchswissenschaftlern am Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Humboldt-Universität zu Berlin gemeinsam mit 18 niedersächsischen Angelvereinen umfangreiche Experimente zur Bewirtschaftungsmethode Fischbesatz durch. Die praxisrelevanten Studien wurden in einer Workshopreihe gemeinsam geplant und ausgewertet. Nun hat die Deutsche UNESCO-Kommission das innovative Vorhaben als Projekt der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

Rainer K. vom „Früh auf B.“ liebt es, wenn die Angelschnur durch die frische Morgenluft surrt, der Köder platschend ins kühle Wasser gleitet, umgeben von tausend Lichtreflexen der Sonne. Doch heute ist „Besatzfisch-Samstag“. Da sitzt man im engen Vereinsheim und lauscht einem aus der Hauptstadt angerückten Wissenschaftlerteam, das anschaulich über die neuesten Erkenntnisse zur Biologie des Hechts referiert. Auch die Diskussion kommt nicht zu kurz, und am Ende des Tages werden umsetzbare Schlüsse für das eigene Gewässermanagement gezogen.

Initiator dieses Wochenendprogramms ist das interdisziplinäre Projekt Besatzfisch – eine Nachwuchsforschergruppe, die sich aus Fischereibiologen, Umweltpsychologen und Pädagogen zusammensetzt. Projekt- und Nachwuchsgruppenleiter Prof. Dr. Robert Arlinghaus, Professor für Integratives Fischereimanagement an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, erklärt den Hintergrund:

„Als Pächter von Fischereirechten sind Angelvereine gesetzlich zur Hege und Pflege ihrer Gewässer verpflichtet. Sie kümmern sich in dieser Rolle vorbildlich um ihre oft gefährdeten Fischbestände. Häufig werden Fische ausgesetzt, um die Bestände zu erhalten oder zu steigern. Diese Methode heißt Fischbesatz.“ Die Praktik wird kontrovers diskutiert, weil sie einerseits Bestände erhält, anderseits aber auch zum Verlust der heimischen Biodiversität beitragen kann, zum Beispiel wenn ungeeignete Arten oder Fische fremder Populationen ausgesetzt werden. Darum untersuchte Besatzfisch gemeinsam mit 18 Angelvereinen, ob ihr Engagement nachhaltig ist: für die Natur, die Vereinskasse und das Anglerglück.

„Wir wollten Angler aber nicht nur an einer wissenschaftlichen Datenerhebung beteiligen. Statt dessen wollten wir uns im Rahmen der gemeinsamen Arbeit an den vereinseigenen Gewässern auf eine gemeinsame Erkenntnisreise begeben, an deren Ende die Erarbeitung praxisrelevanten Wissens für nachhaltiges Fischereimanagement steht, das die Vereine wirklich weiterbringt und von den Umweltakteuren akzeptiert wird“, betont Arlinghaus.

Diese Art von anwenderorientierter Forschung für Nachhaltigkeit nennt man transdisziplinäre Forschung. Viele Forscher trauen sich immer noch nicht, aus ihrem Elfenbeinturm hervorzutreten. Besatzfisch hat die Herausforderung angenommen und wird dafür vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm Sozial-ökologische Forschung seit 2009 und bis Ende 2014 mit 2,1 Millionen Euro gefördert.

Ein wissenschaftlich wie praktisch sehr erfolgreiches Projekt ist das Ergebnis. Mehrere Hundert Angler und Vereinsvorstände waren an den Forschungsarbeiten und Seminaren aktiv beteiligt. Etwa 1000 Petrijünger führten ein Tagebuch, das zur Erfolgskontrolle des Fischbesatzerfolgs in 18 Gewässern eingesetzt wurde. Als wissenschaftliche Produkte entstehen Promotionen, studentische Abschlussarbeiten und bisher über 60 wissenschaftliche Aufsätze. 3,3 Millionen Angler in Deutschland wurden über die Öffentlichkeitsarbeit mit den wesentlichen Ergebnissen versorgt.

„Besatzfisch zeigt eindrucksvoll, wie zukunftsfähige Bildung für Nachhaltigkeit aussehen kann. Das Votum der Jury würdigt das Projekt, weil es verständlich vermittelt, wie Menschen nachhaltig handeln“, so Prof. Dr. de Haan, Vorsitzender des Nationalkomitees der UN-Dekade in Deutschland. Deswegen darf sich das Forschungsvorhaben nun offiziell als Projekt der UN-Dekade „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ bezeichnen. 

Mit der UN-Dekade haben sich die Staaten der Vereinten Nationen verpflichtet, „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in ihrem Bildungssystem zu verankern. In Deutschland koordiniert die nationale UNESCO-Kommission diese Aktivitäten. Die Auszeichnung erhalten Initiativen, die das Anliegen dieser weltweiten Bildungsoffensive der Vereinten Nationen vorbildlich umsetzen. Voraussetzung ist die Ausrichtung der Arbeit an den Grundsätzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. So müssen Wissen und Kompetenzen aus den drei Nachhaltigkeits-Dimensionen Wirtschaft, Soziales und Umwelt vermittelt werden. Am 29. April erfolgt die diesjährige feierliche Auszeichnungsveranstaltung in Osnabrück.
Eva-Maria Cyrus & Robert Arlinghaus

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Arlinghaus
Professor für Integratives Fischereimanagement an der Humboldt-Universität zu Berlin
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Abteilung Biologie und Ökologie der Fische
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
arlinghaus@igb-berlin.de

Informationen zum IGB:
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Weitere Informationen:

http://www.besatz-fisch.de
http://www.bne-portal.de
http://dekade.org/datenbank/index.php?d=g&gType=11&gid=2475&hLite= - Besatzfisch auf dem Portal der UN-Dekade
http://www.igb-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise