Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

750.000 Euro für Kosselleck-Projekt zur Nano-Forschung an der Universität Münster

24.11.2009
Wer forschen will, benötigt Geld - und Geduld. Denn bevor Fördermittel fließen können, müssen sich Wissenschaftler meist durch Berge von Antragsformularen arbeiten.

Aber es geht auch anders: Eine fünfseitige Projektbeschreibung reichten Prof. Hans Oberleithner aus, um von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 750.000 Euro bewilligt zu bekommen. Verwendet wird das Geld, um in den kommenden fünf Jahren die "Dynamische Nanomechanik einer lebenden Zelle" bis ins Einzelne aufzuklären.

Grundlagen dieses Erfolges: ein neues Förderinstrument der DFG - und der Vertrauensvorschuss, den der Leiter des Instituts für Physiologie II der Universität Münster (WWU) dort genießt.

Seit Aufkommen des Mikroskopie-Verfahrens "Atomic-force" Anfang der 1990er Jahre arbeitet die Vegetative Physiologie der Medizinischen Fakultät an dessen Weiterentwicklung mit. Das Ziel des Instituts: die ursprünglich aus der Physik stammende Messmethode für die medizinische Forschung fruchtbar zu machen. Mit Hilfe eines mechanischen Nano-Sensors können die Wissenschaftler beispielsweise die "Härte" einzelner lebender Zellen der innersten Wand von Gefäßen (Endothel) messen. In einem natriumreichen Medium versteifen diese Zellen, das Blutgefäß wird unflexibel und infolgedessen erhöht sich der Blutdruck. Ein hoher Konsum von Kochsalz (Natriumchlorid), das konnten die Wissenschaftler somit nachweisen, lässt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ansteigen. Kaliumionen hingegen wirken wie "Weichmacher" - ein positiver Effekt. Denn "weiche" Endothelzellen erzeugen deutlich mehr Stickstoffmonoxid, ein Gas, das die Gefäßfunktion stärkt.

Diese Ergebnisse haben die Physiologen Anfang des Jahres in der renommierten US-amerikanischen Zeitschrift PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) veröffentlicht. Oberleithner: "Jetzt folgt sozusagen das Feintuning. Wir unterteilen die Zellmembran in ihre Einzelkomponenten und untersuchen den Weg der Moleküle im Detail.". Die bisher dafür verwendeten Mikroskope stammen von einem amerikanischen Hersteller und sind zum Teil nur geliehen. Mit den Fördergeldern der DFG können die Geräte nun angekauft und durch neue Komponenten ergänzt werden.

Nach dem Freiburger Molekularonkologen Roland Schüle ist Oberleithner bundesweit erst der zweite Mediziner, dem es gelang, ein Reinhart-Kosselleck-Projekt einzuwerben. Dieses Förderinstrument gibt es seit dem vergangenen Jahr. Der Namensgeber, der 2006 verstorbene Bielefelder Historiker Reinhart Kosselleck, gilt als einer der ganz Großen seines Fachgebiets - und als "Querdenker". Mit den nach ihm benannten Projekten hat die DFG erstmals ein Förderinstrument aufgelegt, das kreativen Forscherpersönlichkeiten Spielräume zubilligt und ihrem Erfahrungsschatz aus jahrzehntelanger Tätigkeit eine entscheidende Rolle zumisst: Auch eine zunächst nur vage Idee, die jedoch innovativ ist und einen baldigen und bedeutenden Erkenntnisfortschritt verspricht, kann so weiterverfolgt werden. Damit beweist die DFG Mut zum Risiko. Bewilligt werden können über fünf Jahre insgesamt bis zu 1,25 Millionen Euro. Das Programm ist für Forscher aus allen Wissenschaftsdisziplinen gedacht, die ihr herausragendes Potential bereits unter Beweis gestellt haben.

Thomas Bauer | idw
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: DFG Förderinstrument Kosselleck-Projekt Nano-Forschung Physiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics