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Zusätzliche Energie bei Produktion von Biosprit

12.08.2009
Speziell angepasste Turbinen von Siemens machen in Brasilien die Produktion von Bioethanol effizienter, indem sie aus anfallender Biomasse zusätzliche Energie gewinnen.

Der Bioethanol in Brasilien stammt aus eigens dafür angebautem Zuckerrohr, der nicht wie Mais auch als Nahrungsmittel verwendet werden kann. Die als Abfall verbleibenden Zuckerrohrfasern, Bagasse genannt, wurden in der Vergangenheit verbrannt oder in der Zellstoffindustrie verarbeitet.


Heute verwerten viele Raffinerien die Bagasse in kleinen Biomassekraftwerken und speisen die Energie in ihren Produktionsprozess ein. So steigerte sich in Brasilien die absolute Energieausbeute pro Raffinerie seit 1999 um das Zehnfache.

Brasilien ist einer der weltweit größten Produzenten von Bioethanol als Treibstoff. Der Alkohol ist dort billiger als Benzin. Deshalb fährt rund die Hälfe aller Autos mit einem sogenannten Flex-Fuel Motor, der ein Gemisch aus Ethanol und Benzin verbrennt. Trotz des Aufwands für Saat, Dünger, Transport und Destillation ist die CO2 Bilanz von Bioethanol überzeugend, wie der brasilianische Physiker und Energieexperte José Goldemberg vorrechnet: Der Bioethanol aus Zuckerrohr verringert die CO2-Belastung im Vergleich zu fossilen Treibstoffen um rund 90 Prozent.

Die Bilanz anderer Pflanzen wie Mais ist deutlich ungünstiger, die zudem in die Diskussion gekommen sind, weil der Anbau mit dem von Nahrungspflanzen konkurriert. Die Produktion von Bioethanol ist in Europa viermal so teuer wie in Brasilien, wo die klimatischen Bedingungen wesentlich günstiger sind. Goldemberg schätzt, dass Ethanol aus Zuckerrohr im Jahr 2020 zehn Prozent des weltweit verbrauchten Benzins ersetzen könnte. Einen Markt sieht er vor allem in Indien oder Kolumbien.

Biomassekraftwerke, die aus Bagasse Strom oder Dampf gewinnen, verbessern die Effizienz und die CO2-Bilanz der Ethanolfabriken weiter. Zwischen 25 und 70 Megawatt Leistung haben die Kraftwerke, die vielen brasilianischen Raffinerien angeschlossen sind. Hohe Investitionskosten sind allerdings eine große Hürde für die Betreiber. Siemens hat deshalb die in Europa erfolgreiche Dampfdruckturbine SST300 an die besonderen Bedürfnisse angepasst.

Gemeinsam haben brasilianische und deutsche Ingenieure das Modell so verändert, dass es komplett mit lokalen Materialien hergestellt und vor Ort produziert werden kann. Sie konnten die Kosten für eine Turbine um insgesamt 30 Prozent senken. Bei sinkenden Rohstoffpreisen gerät der Markt für Bioethanol unter Druck. Die Biomassekraftwerke helfen den brasilianischen Produzenten, ihre Wettbewerbsposition zu stärken. (IN 2009.08.3)

Dr. Norbert Aschenbrenner | Siemens InnovationNews
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovation

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