Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Öko-Computer in Holzoptik

01.08.2012
Stundenlanges Surfen im Internet verbraucht viel Strom und belastet die Umwelt.

Energiesparend arbeitet hingegen ein neuer Öko-PC: Er erzeugt etwa 70 Prozent weniger CO2 als herkömmliche Rechner und lässt sich zu 98 Prozent recyceln. Als erster Computer seiner Klasse erhielt er das europäische Umweltlabel »EU Ecolabel«.


Der umweltschonende Touchscreen-PC iameco fällt aus dem Rahmen – der ist nämlich aus Holz.
© MicroPro

Arbeitsgerät, Freizeitbeschäftigung, persönlicher Assistent – Computer sind allgegenwärtig. Die Umweltbilanz der Rechner lässt jedoch zu wünschen übrig: Sie veralten schnell, enthalten oftmals giftige Stoffe zur Flammhemmung und ihre einzelnen Komponenten lassen sich nur schwer wiederverwerten. Zudem verbrauchen sie einiges an Strom, bei dessen Erzeugung wiederum CO2 in die Atmosphäre entweicht.

Mitarbeiter der Firma MicroPro in Irland haben nun in Zusammenarbeit mit Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin einen Computer mit Holzrahmen entwickelt, der die Umwelt schont. Der iameco, gesprochen »I am eco«, wurde als erster Computer seiner Klasse mit dem europäischen Umweltlabel »EU Ecolabel« ausgezeichnet. »Dieser Touchscreen-PC verbraucht sehr wenig Energie, und das über den gesamten Lebenszyklus hinweg, angefangen bei der Produktion über die Nutzungsphase bis hin zum Recycling«, erläutert Alexander Schlösser, Wissenschaftler am IZM.

Daher erzeugt er auch wenig CO2-Emissionen, er hat einen niedrigen Carbon Footprint, wie Fachleute sagen: Mit weniger als 360 Kilogramm CO2-Emissionen gibt der Touchscreen-Computer 70 Prozent weniger des Klimagases ab als herkömmliche Rechner. Zudem lässt er sich sehr gut recyceln: 98 Prozent der eingesetzten Materialien lassen sich wiederverwerten. 20 Prozent des Computers kann man sofort wiederverwenden – also für die Reparatur anderer Computer nutzen – zum Beispiel Teile des Holzrahmens und einzelne Komponenten.

Kühlkörper ersetzen Lüfter
Doch wie ist es gelungen, den PC so umweltfreundlich zu gestalten? Ein Beispiel: Damit der Prozessor nicht überhitzt, sorgt üblicherweise eine Lüftung im PC für Kühlung. Diese Lüftung verbraucht nicht nur Energie, sondern brummt auch lästig. Die Lüfter wurden durch Kühlkörper ersetzt, die die Wärme über Kupferrohre, heat-pipes genannt, vom Prozessor ableiten. Das lüfterlose Design spart Energie und der Computer ist kaum zu hören. Auch bei der Displaybeleuchtung waren die Wissenschaftler kreativ: Statt der üblichen Beleuchtung erhellen LEDs den Bildschirm und verbessern seine Energieeffizienz so um 30 bis 40 Prozent. Auf schädliche Stoffe haben die Hersteller weitestgehend verzichtet und halogenierte Flammhemmer zum größten Teil durch weniger umweltschädliche Chemikalien ersetzt. Langfristig sollen diese aus Computern ganz verschwinden.

Da der Öko-PC mit Standardkomponenten aufgebaut ist, können Nutzer ihn jederzeit nachrüsten – beispielsweise wenn mehr Arbeitsspeicher benötigt wird. Und sollte der Computer mal streiken, profitieren die Anwender vom modulartigen Aufbau des Geräts. Denn so lassen sich einzelne Komponenten leicht warten und in der Herstellerfirma reparieren. Ausgetauscht werden nur die Bauteile, die so stark beschädigt sind, dass sie sich nicht mehr reparieren lassen. Die bessere Wartungsmöglichkeit sorgt für eine lange Lebensdauer, die einfach durchzuführenden Reparaturen für eine hohe Umweltfreundlichkeit.

Im nächsten Schritt will der Hersteller die Modularität des Computers so erweitern, dass Anwender veraltete Rechner nach einigen Jahren mit einem neuen Innenleben ausstatten können. Der »alte« Computer wäre dann wieder auf dem Stand der Technik – und würde nur halb so viel kosten wie ein komplett neuer PC. Die Mitarbeiter der Firma MicroPro und des IZM wollen auch künftig weiter zusammenarbeiten. Derzeit entwickeln sie gemeinsam ein umweltfreundliches Notebook mit Holzrahmen.

Alexander Schlösser | Fraunhofer Forschung Kompakt
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2012/august/oeko-computer-in-holzoptik.html

Weitere Berichte zu: CO2 CO2-Emission Holzoptik Holzrahmen Lüftung MicroPro Rechner Umweltlabel Öko-Computer Öko-PC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Neue Sensortechnik für E-Auto-Batterien
08.12.2016 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten
08.12.2016 | Institut für Solarenergieforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie