Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Puzzleteil für die Offshore-Wartung

29.06.2015

Mit der „Esvagt Froude“ und der „Esvagt Faraday“ hat Siemens Wind Power zwei spezielle Service-Schiffe in Betrieb genommen, welche die Wartung von Offshore-Windparks erleichtern. Sie können mitsamt dem Service-Team und einem großen Ersatzteillager mehrere Wochen in einem Windpark ankern.

Künftig soll ein Großteil unseres Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Windanlagen vor der Küste (offshore) sind dabei besonders zukunftsträchtig, weil sie, anders als an Land, noch in großen Dimensionen ausbaufähig sind und auf See der Wind stetiger und stärker weht. Doch die Wartung von Offshore-Windturbinen kann eine Herausforderung sein. Das gilt insbesondere für Windparks der neuesten Generation, die im Vergleich zu ihren Vorgängern größer und weiter von der Küste entfernt sind. Dadurch sind sie bei rauem Wetter nur schwierig zu erreichen.


Siemens ist das erste Unternehmen in der Branche, das im Offshore Bereich speziell angefertigte Wind-Serviceschiffe (Service-Operation-Vessels – SOVs) für die Wartung von Windturbinen nutzt. Nach dem heutigen Stand der Technik können die SOVs die auf hoher See installierten Windenergieanlagen zuverlässig vor Ort warten. Im Bild: Die Esvagt Faraday

Die beiden neuen Offshore-Service-Schiffe Esvagt Froude und Esvagt Faraday von Siemens – das erste wurde am 23.6.2015 in Rostock, das zweite am 25.6.2015 in Hamburg getauft – revolutionieren die Wartung und Instandhaltung von Offshore-Windparks. So werden dank modernster Technik witterungsbedingte Risiken deutlich minimiert. Gleichzeitig können die schwimmenden Werkstätten erstmals über längere Zeit offshore in der Nähe der Windparks ankern. Damit ist diese neueste Generation von Service-Schiffen für Windparks auf dem Meer sicherer, schneller und zuverlässiger als alle ihre Vorgänger.

Im Hafen

Bereits das auffällige Design verrät, dass es sich bei der Esvagt Froude und der Esvagt Faraday um keine gewöhnlichen Schiffe handelt. „Diese jeweils 84 Meter langen Schiffe eröffnen neue Wege für unseren Service und die Planung der Wartungsarbeiten“, erklärt René Wigmans, Leiter von Maritime and Aviation Solutions bei Siemens Service Wind Power. „Da sie für mehrere Wochen am Stück im Windpark stationiert sein werden, können unsere Techniker buchstäblich zur Arbeit laufen. Damit werden wir die Schlechtwetter-Ausfallzeiten verringern und so die Effizienz steigern. Der Einsatz unserer Techniker an den Turbinen wird sicherer und komfortabler. Zusätzlich können wir die Schiffe als Lagerraum inmitten des Windparks nutzen.“

r Vertrag für den Bau der Esvagt Froude – benannt nach dem englischen Schiffbauingenieur William Froude (1810 – 1879) – und dem Schwesternschiff wurde 2013 mit der dänischen Reederei Esvagt unterzeichnet. Während der Rumpf in der Türkei produziert wurde, erfolgte die Fertigstellung bei der Werft Havyard Ship Technology in Norwegen, die ihres Zeichens Experte im Bau von Spezialschiffen für die Öl- und Gasindustrie ist. Doch auch für die Werft waren diese Schiffe besonders, nicht zuletzt wegen ihrer bisher einmaligen Funktionalität. „Je weiter das Einsatzgebiet von der Küste entfernt liegt, desto mehr braucht man individuelle Lösungen“, erklärt Søren Thomsen, CEO von Esvagt.

An Bord

Für eine hohe Geschwindigkeit bei gleichzeitig ruhiger Lage – auch bei rauer See – zeichnet etwa der sehr hohe, gekrümmte Bug verantwortlich. Charakteristisch für beide Schiffe sind auch die mächtige asymmetrische und vollverglaste Brücke und die großen Kabinenfenster. Das große Achterdeck bietet unter anderem Raum für mehrere Kräne und ein Transportschiff.

Unterhalb des Decks befindet sich zudem eine 430 Quadratmeter große Lagerhalle mit Platz für sechs Standardcontainer mit tausenden von Ersatzteilen für die weißen Riesen. Bisher wurde jedes fehlende Ersatzteil mit kleineren Schiffen herbeitransportiert, eine Reise von oft mehreren Stunden. Mit den neuen Schiffen befindet sich das Ersatzteillager nun direkt vor Ort.

„Service-Schiffe wie die Esvagt Froude und die Esvagt Faraday sind ein lang ersehntes Puzzle-Teil für die Offshore-Wartung“, sagt Ingo Bischof, Siemens Project Manager Offshore Service für den Windpark Butendiek in der Nordsee. „Der Betrieb eines Windparks setzt einen gut abgestimmten Monitoring-Plan voraus. Mit den SOVs können wir genau das liefern. In den Windparks haben wir derzeit bis zu 80 Turbinen und für jede Anlage gingen wir bisher von etwa 30 Minuten Anreise aus. Mit den SOVs reduzieren wir die Reisezeit im und zum Windpark, transportieren die Techniker sicherer und wir werden auch bei schlechteren Wetterbedingungen, im Vergleich zu früher, noch arbeiten können.“

Eine weitere Besonderheit der Schiffe ist die Gangway, die auch unter schwierigen Bedingungen mit starkem Wellengang den Zugang zu den Windrädern sicherstellt, erbaut von der Firma Ampelmann aus Holland. Anstatt einer statischen Bühne erlaubt das sogenannte „walk to work“-System den Einsatz einer 25 Meter langen hydraulischen Gangway, die dem Wellengang angepasst automatisch gesteuert in stabiler Lage bleibt, während sich das Schiff hebt und senkt. Dieses System funktioniert auch noch bei 2,50 Meter Wellenhöhe.

Im Schiffsbauch

Zum Manövrieren in küstenfernen Gewässern braucht es neben einer stabilen Gangway auch einen besonderen Antrieb. Die Motoren sind mit dem Siemens Blue Drive System ausgestattet: Die Dieselmotoren laufen mit niedriger Drehzahl, was Treibstoff spart – ein wichtiger Aspekt, wenn die Schiffe in den Windparks lange Zeit in einer Position verharren müssen.

Wenn die SOV Esvagt Froude wieder auf See ist, wird sie von ihrem Heimathafen Rostock aus für den Service und die Wartung des BALTIC2 Windparks sorgen. Das Schwesternschiff SOV Esvagt Faraday, wird dann sein Einsatzgebiet im Windpark Butendiek vom Hafen Esbjerg aus erreichen.

Schon einmal hat Siemens ein Schiff auf den Namen Faraday getauft, im Jahr 1874. Diese Faraday hat damals erfolgreich rund 93.000 Kilometer Seekabel verlegt. Auch die neue Schiffsgeneration wird sicher wieder Geschichte schreiben.

Kontakt zur Redaktion

Schreiben Sie uns:

pof@siemens.com

Weitere Informationen: www.siemens.com

Onno Groß | Siemens - Pictures of the Future

Weitere Berichte zu: Effizienz Faraday Küste Puzzleteil Schiff See Siemens Turbinen Wartung Wellengang Wind Windpark

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Geothermie: Den Sommer im Winter ernten
18.01.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Tierschutz auf hoher See
17.01.2017 | Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik