Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ingenieure entwickeln induktives Ladesystem

31.10.2011
Elektroautos kabellos laden

Sollen Elektrofahrzeuge flächendeckend eingesetzt werden, so muss sichergestellt sein, dass ihre Akkus schnell und problemlos wieder aufgeladen werden können. Diese Ladeinfrastruktur fehlt bisher. Wissenschaftler um Prof. Nejila Parspour vom Institut für Elektrische Energiewandlung und Prof. Hans-Christian Reuss vom Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen entwickeln derzeit ein Konzept, mit dem Elektroautos berührungslos per Induktion aufgeladen werden.


Elektroautos können während des Parkens berührungslos aufgeladen werden.
(Foto: FKFS)

Unsichtbar könnte die induktive Ladestation zukünftig in den Boden eingelassen sein. Und während das Elektroauto parkt, lädt sich der Akku des Autos fast wie von selbst wieder auf. „Andere Aufladekonzepte, bei denen das Elektroauto an Ladesäulen über eine Steckdose aufgetankt wird, sind in großer Zahl in einer Stadt problematisch“, sagt Parspour. Diese Stromtankstellen benötigten Stellfläche, merkt die Leiterin des jüngst gegründeten Instituts für Elektrische Energiewandlung an. Außerdem wären sie weniger komfortabel, da der Fahrer bei Wind und Regen aussteigen müsste, um den Stecker in die Steckdose zu stecken.

Für das Aufladen von Elektroautos per Induktion wird eine im Boden versenkte Primärspule an das öffentliche Stromnetz angebunden. Wird sie vom Strom durchflossen, baut sie ein Magnetfeld auf, das in einer Sekundärspule im Fahrzeugboden Strom induziert, der zum Aufladen des Akkus dient. In einem Labormodell konnten die Stuttgarter Ingenieure mit dem Ladesystem einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent erzielen und erreichten damit die Größenordnung eines konventionellen Ladegeräts.

Auch ist es nicht mehr nötig, das Auto präzise über der Spule im Boden zu platzieren: Das an der Uni Stuttgart entwickelte System ermöglicht Positioniertoleranzen von bis zu 25 Zentimetern. Im Dezember 2011 soll der erste Prototyp fertig sein. Er wird eine Leistung von drei Kilowatt kontaktlos übertragen können. Damit kann ein 12 Kilowattstunden-Batteriespeicher, der einen Kleinwagen für 100 Kilometer mit Energie speist, in vier Stunden wieder aufgeladen werden.

Ein weiterer Aspekt der Forschung sei die Integration der induktiven Ladesysteme in die intelligenten Stromnetze von morgen, so Parspour. Dafür ist es erforderlich, dass die elektrische Energie in beide Richtungen kabellos übertragen werden kann, wobei die Batterien der Elektroautos als Speicher im Energieversorgungsnetz eingesetzt werden können. Somit kann überschüssige Energie wieder zurück ins Netz eingespeist werden und zudem Netzschwankungen stabilisieren, die durch die Einbindung der Sonnen- und Windenergie in den Stromnetzen zunehmen werden. „Hier haben Batterien eindeutig einen Vorteil gegenüber Spitzenlastkraftwerken, da sie schneller reagieren“, sagt Parspour.

Die Forschungsarbeiten von Parspour und Reuss sind Teil des Projekts „Berührungsloses, induktives und positionstolerantes Ladekonzept für elektrisch angetriebene Fahrzeuge“ (BIPoL), das im Januar 2011 startete. Es wird vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert und von dem Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) koordiniert. Neben der Universität Stuttgart sind noch das Karlsruher Institut für Technologie sowie weitere namhafte Projektpartner aus der Industrie beteiligt.

Ansprechpartner: Prof. Nejila Parspour, Institut für Elektrische Energiewandlung, Tel. 0711/685-67819,

e-mail: parspour@iew.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de
http://www.uni-stuttgart.de/hkom/presseservice/mediendienst/12/tm1.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Neue Sensortechnik für E-Auto-Batterien
08.12.2016 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten
08.12.2016 | Institut für Solarenergieforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie