Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmalig Power-to-Gas-Anlage mit biologischer Methanisierung eingeweiht

09.03.2016

Im hessischen Allendorf (Eder) wurde auf dem Firmengelände der Viessmann Werke eine Power-to-Gas-Anlage im industriellen Maßstab offiziell mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft eingeweiht. Im Rahmen des BMWi-Förderprojektes „BioPower2Gas“ errichtet und erfolgreich getestet, kann die Anlage flexibl fluktuierende Energie aufnehmen und hochqualitatives Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen.

Die Energiewende ist keine ausschließliche Effizienzwende. Wichtige Eckpfeiler sind eine Kopplung des Strom-, Wärme- und Mobilitätsmarktes, die sogenannte Sektorenkopplung („integrated energy“) und eine allgemeine Dekarbonisierung. Die notwendige Technologie für diese Kopplung ist neben Power-to-Heat, vor allem Power-to-Gas.


Im Elektrolyseur wird überschüssiger Strom über Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt.

© DBFZ

Power-to-Gas sorgt für den notwendigen Energieausgleich bei ungünstigen Wetterlagen und dient als Energiespeicher bei einem Überangebot an Strom. Diese Technologie bildet damit eine wesentliche Schnittstelle zwischen den Erneuerbaren Energien und kann in Zukunft zu einer sicheren Energieversorgung beitragen – sie wird damit zu einem Eckpfeiler der Energiewende.

Am 29. Februar wurde die Power-to-Gas-Anlage mit biologischer Methanisierungseinheit am Unternehmenssitz von Viessmann gemeinsam mit dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und dem geschäftsführenden Gesellschafter Prof. Dr. Martin Viessmann sowie mit zahlreichen Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft offiziell eingeweiht.

So funktioniert´s. Überschüssiger Strom aus Wind- und Sonnenenergie wird genutzt, um aus Wasser mittels Elektrolyse Wasserstoff herzustellen (Elektrolyseur). Dieser Wasserstoff wird dann, angereichert mit Kohlenstoffdioxid aus der benachbarten Biogasanlage, über ein von der MicrobEnergy GmbH, Tochterfirma von Viessmann, entwickeltes mikrobiologisches Verfahren methanisiert. Hier kommen hochspezialisierte Mikroorganismen zum Einsatz. Es entsteht Biomethan, welches ins Erdgasnetz eingespeist wird.

Positives Fazit. Die Ergebnisse der seit März 2015 erfolgreich am Standort Viessmann getesteten Demonstrationsanlage lassen sich rundum sehen. Der Elektrolyseur und die biologischen Methanisierung konnten hinsichtlich Langzeitstabilität erfolgreich getestet werden. Das Verfahren lässt sich bis in den Megawatt-Bereich skalieren (z.Vgl. die Demonstrationsanlage liegt im 300-kW-Bereich). „Ein entscheidendes Plus der Anlage ist ihre flexible und prozesssichere Fahrweise. Sie kann anders als ein weitaus schwerfälligeres Kohlekraftwerk aus dem Standby-Betrieb innerhalb von weniger als zwei Minuten reagieren und Last zur Verfügung stellen“, so Thomas Heller von MicrobEnergy GmbH, Viessmann Group.

Die Power-to-Gas-Anlage wurde außerdem nach dem Standard REDcert-EU zertifiziert und entspricht damit den Anforderungen zur Nachhaltigkeit und Treibhausgas-Minderung. Ferner ist die gesamte Herstellungs- und Lieferkette nachvollziehbar. Die gesetzten Ziele bei der Gasqualität des Methans wurden weit übertroffen (ca. 98 % Methan). Das Gas wurde entsprechend zertifiziert und könnte ohne weitere aufwendige Aufbereitung ins Erdgasnetz eingespeist werden. Über das Erdgasnetz kann das Biomethan gespeichert und orts- und zeitunabhängig in verschiedene Anwendungsfelder gebracht werden, ob z. B. im Wärmesektor zu Heizzwecken und im Strommarkt zum Betrieb eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) oder als Kraftstoff im Mobilitätssektor. So kann real umgesetzte Sektorenkopplung auf Basis erneuerbarer Energien aussehen.

Derzeit sind die Investitionskosten bei Power-to-Gas-Anlagen nur im wirtschaftlichen Rahmen vertretbar, wenn zum Beispiel vorhandene Biogas- und Klärgasanlagen genutzt werden. Hier ist die notwendige Infrastruktur (z. B. Strom- und Gasnetzanschlüsse) an den Standorten oftmals bereits vorhanden. Für den Markteintritt sind jedoch veränderte politische Rahmenbedingungen notwendig, d. h. die Abschaffung der Sanktionen durch die EEG-Umlage auf Überschussstrom. Das in naher Zukunft steigende Überangebot an Strom erfordert eine marktfähige Speicher- und Transfertechnologie, sonst bleibt die Energiewende eine reine Stromwende.

Förderung und Partner
Die Power-to-Gas-Anlage wurde im Rahmen des Projektes „BioPower2Gas“ im Programm „Energetische Biomassenutzung“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Die erfolgreiche Umsetzung der Demonstrationsanlage konnte nur durch die branchenübergreifende Zusammenarbeit von Partner erreicht werden. Beteiligt waren die MicrobEnergy GmbH, ein Tochterunternehmen der Viessmann Group, welches die innovative Technologie zur biologischen Methanisierung entwickelt hat, der Netzbetreiber EnergieNetz Mitte GmbH und der Energieversorger EAM EnergiePlus GmbH der EAM Gruppe, sowie das beratende Ingenieurbüro CUBE Engineering GmbH und das Forschungsinstitut IdE Institut dezentrale Energietechnologien gGmbH als Projektkoordinator. Assoziierter Partner des Projektvorhabens ist das Bioenergiedorf Jühnde.

Kontakt

IdE Institut dezentrale Energietechnologien gGmbH
Tobias Heidrich – Koordinator
Telefon: +49 (0)561 804-7735
E-Mail: t.heidrich@ide-kassel.de

Programmbegleitung des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung“

Diana Pfeiffer – Projektkoordination
Telefon: +49 (0)341 2434-554
E-Mail: diana.pfeiffer@dbfz.de

Angela Gröber – Pressekontakt:
Telefon: +49 (0)341 2434-557
E-Mail: angela.groeber@dbfz.de

Weitere Informationen:

http://www.biopower2gas.de
http://www.energetische-biomassenutzung.de/de/vorhaben/karte/details/03kb089a_bi...

Angela Gröber | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Geräteschutzschalter erfüllt NEC Class 2
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

nachricht Elektronikgehäuse für Anzeigeeinheiten
19.05.2017 | PHOENIX CONTACT GmbH & Co.KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten