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Elektromobilität: Ein Standard für alle

06.02.2013
Unterschiedliche Standards bei den Verbindungskomponenten von Elektrofahrzeugen und Ladeinfrastruktur behindern die breite Etablierung der Elektromobilität.
Deutsche Automobilhersteller, Großindustrie, Energieversorger und Forschungseinrichtungen wollen das nun mit dem gemeinsamen Projekt »eNterop« ändern. Profitieren würden der gesamte Herstellermarkt und natürlich die Nutzer.

BMW, Continental, Daimler, Fraunhofer, RWE Effizienz, Siemens, TU Dortmund und VW - die Partner im neuen Forschungsprojekt »eNterop« gehören zur Spitze der deutschen Industrie- und Forschungslandschaft.

Mit ihnen arbeiten die hiesigen Treiber der internationalen Standardisierung der »Vehicle-to-Grid-Kommunikation« (V2G) für die Elektromobilität nun am nächsten Schritt: einer offenen Testplattform für die Schnittstelle zwischen Elektrofahrzeug und Ladeinfrastruktur. Das Ziel ist die schnelle Etablierung von Standards für die Versorgungs- und Kommunikationssysteme zwischen Fahrzeugen und Energienetz.

Unterschiedliche Systeme müssen miteinander kommunizieren können

Bisher leidet die Einführung der Elektromobilität darunter, dass fast jeder Hersteller von Elektrofahrzeugen oder Ladesäulen und anderen Infrastrukturkomponenten eigene Systeme entwickelt. Aufwändige Kompatibilitätstests und Anpassungen zwischen den Produkten sind auf Seiten der Hersteller notwendig, wollen die kein abgeschottetes und damit limitiertes System am Markt etablieren. Der Aufwand verzögert jedoch die breite Markteinführung und ist kostenintensiv. Das Projekt »eNterop« (kurz für »drive international standardization to enter V2G operation on a broad basis«) soll das ändern.

Bis 2014 werden in dem Projekt neue standardisierte Testverfahren entwickelt, nach denen jeder Hersteller prüfen kann, ob seine Produkte den verabschiedeten ISO/IEC-Standards für die Elektromobilität entsprechen. Damit könnten bald die teuren individuellen Kompatibilitätstests und Investitionen in Produktanpassungen der Vergangenheit angehören. 4,6 Millionen Euro beträgt das Gesamtvolumen des zweijährigen Projekts. Es wird je zur Hälfte von der Wirtschaft und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie getragen. Der Tragweite dieser Arbeiten für die Branche ist groß, weshalb das Projekt »eNterop« auch international Leuchtturmcharakter besitzt.

Elektrofahrzeuge bekommen Schlüsselposition in Energiewende

Dr. Przemyslaw Komarnicki ist der zuständige Projektleiter am beteiligten Fraunhofer IFF und betont die Bedeutung der Arbeiten auch für die Energiewende: »Elektrofahrzeuge werden künftig zwangsläufig mehr sein, als nur Autos mit Elektromotor. Wir planen mit Ihnen als eine wichtige Komponente im intelligenten Niederspannungsnetz der Zukunft. Dort sollen sie nicht nur Stromkonsumenten sein, sondern zum Teil auch mobile Stromspeicher, so genannte Prosumer, die elektrische Energie bei Bedarf wieder ins Netz zurückgegeben können. Sie helfen so, die Netze zu stabilisieren, die mehr und mehr aus lokalen, regenerativen Quellen gespeist werden. Damit nehmen sie eine Schlüsselposition im Rahmen der Energiewende ein.«

Unter anderem auch dafür müssen die Elektrofahrzeuge aber mit den Netzen zuverlässig kommunizieren und an jeder Ladesäule herstellerunabhängig Strom tanken oder abgeben können. Informationen über Ladezustand, Ladeart, Reichweiten, Energiepreise oder Status der Energienetze - all das sind Daten, die künftig ständig zwischen ihnen und den intelligenten Netzen, den Smart Grid, ausgetauscht werden. Das erfordert eine sichere Interoperabilität der Systeme. Diese macht es erst möglich, dass irgendwann Millionen von Elektroautos über unsere Straßen fahren und beliebig Energie konsumieren können.

Entwicklung und Praxistest verbindlicher Standards in der Elektromobilität

Mit »eNterop« soll die gegenseitige Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladeinfrastruktur sichergestellt werden. Dafür sind mehrere Schritte notwendig. Zuerst geht es um das Schaffen von automatisierbaren Testabläufen für Soft- und Hardware. Das soll den Produzenten von Komponenten die Entwicklung standardkonformer Produkte (ISO/IEC 15118) ermöglichen, ohne aufwändige Interoperabilitätstests zwischen den Herstellern zu erzwingen. Gleichzeitig wird mit diesem Ansatz sichergestellt, dass sich der Markt frei entfalten kann, und verhindert, dass immer mehr Anbieter unterschiedliche Systeme etablieren.

Zum zweiten treten die beteiligten Partner für eine offene Referenzplattform ein, um technische Hürden für neue V2G-Produkte und -Dienstleistungen abzubauen. Das soll insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Marktzugang erleichtern.

Außerdem sollen laufende Modellregionen zur Elektromobilität, Förderprojekte und KMU dabei unterstützt werden, standardisierte Technik einzusetzen und zu testen. Die dabei gewonnen Erkenntnisse fließen im Gegenzug zurück ins »eNterop«-Projekt, wo sie zur Weiterentwicklung der Standards beitragen. Dafür steht das »eNterop«-Konsortium im engen Austausch mit der Normungsinitiative Elektromobilität (DIN, DKE, IEC und ISO).

René Maresch | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.enterop.net/
http://www.iff.fraunhofer.de/

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