Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Revolution in der Energietechnik

25.09.2006
Dresdner Physiker entwickeln widerstandsfreie Stromleitungen aus spröder Keramik. Bernhard Holzapfel und Ludwig Schultz vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden bezwingen die Tücken des spröden Materials und erhalten den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Der diesjährige Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft in der Kategorie "Gesellschaft braucht Wissenschaft" geht an Dr. Bernhard Holzapfel und Prof. Ludwig Schultz vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung in Dresden. Das entschied eine hochrangig besetzte Jury unter Leitung von Prof. Dr. Treusch, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, kürzlich in Berlin. Die beiden Wissenschaftler werden für ihre grundlagen- und anwendungsbezogenen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Hochtemperatur-supraleiter (HTSL) ausgezeichnet. Die Arbeiten der beiden Physiker machen zum Beispiel widerstandsfreie Stromleitungen möglich. Die Preisverleihung findet auf der Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 23. November 2006 in Berlin statt.

Das Phänomen Supraleitung, also vollkommen verlustfreier Stromtransport, fasziniert seit der Entdeckung der ersten Supraleiter im Jahre 1911 Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Als vor genau 20 Jahren die Entdeckung der Hochtemperatur-supraleitung in oxidischen Keramiken durch den Deutschen Georg Bednorz und den Schweizer Alex Müller bekannt wurde, führte dies schnell zu euphorischen Anwendungsvisionen in Elektronik, Messtechnik und Energietechnik. Die damals einsetzende und intensiv öffentlich geförderte grundlagen- und anwendungs-orientierte Forschung zeigte in den folgenden Jahren aber sehr deutlich, dass ein harter Weg von der Entdeckung des Phänomens bis zum Verständnis und zur technologischen Anwendung dieser Materialklasse zu überwinden ist. Für Anwendungen in der Energietechnik werden Kilometer lange Drähte und Kabel mit hoher Stromtragfähigkeit benötigt. Das ist für die Materialklasse der Hochtemperatur-supraleiter (HTSL) eine materialwissenschaftliche Herausforderung ersten Ranges. Zum einen lassen sich die spröden Keramiken nicht - wie zum Beispiel metallisches Kupfer - durch einfache mechanische Verformung zu langen Drähten ziehen. Zum anderen zeigte sich, dass eine hohe Stromtragfähigkeit der Hochtemperatur-supraleiter nur in weitgehend einkristallinen Bereichen möglich ist.

Es mussten also völlig neuartige Technologien entwickelt werden, die die Herstellung kilometerlanger, nahezu einkristalliner Drähte erlauben. Darüber hinaus müssen derartige Herstellungstechniken kostengünstig und skalierbar sein, um den Verdrängungswettbewerb mit dem konventionellen Leitermaterial Kupfer erfolgreich bestehen zu können. "Aufgrund der von Bernhard Holzapfel und Ludwig Schultz gemeinsam durchgeführten wegbereitenden Grundlagenarbeiten für die erfolgreiche Realisierung von HTSL-Bandleitern hat die Materialforschung auf diesem Gebiet nunmehr einen Stand erreicht, der eine umfassende technologische Anwendung im Bereich der Energietechnik realisierbar erscheinen lässt", heißt es in der Begründung der Jury. Durch ihre von Beginn an interdisziplinäre Herangehensweise konnten Dr. Bernhard Holzapfel und Prof. Ludwig Schultz entscheidende Beiträge erarbeiten, die nunmehr die Basis für die technologische Realisierung von Hochtemperatur-supraleiterkabeln bilden und aktuell von mehreren Firmen genutzt werden. Stromkabel auf HTSL-Basis, die verlustfrei Strom leiten, könnten eines Tages zur Entschärfung der sich abzeichnenden Energiekrise beitragen. Der zu erwartende praktische Nutzen der Arbeiten ist mit ein Preiskriterium.

Seit 1990 arbeiten Dr. Bernhard Holzapfel und Prof. Ludwig Schultz, erst bei der Siemens AG und dann am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden, gemeinsam erfolgreich auf dem Gebiet der Hochtemperatursupraleitung. -Mit dem Wissenschaftspreis des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft in der Kategorie "Gesellschaft braucht Wissenschaft" werden Weg weisende wissenschaftliche Arbeiten gewürdigt, die einen praktischen Nutzen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Forschung erwarten lassen und von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mindestens eines Leibniz-Instituts maßgeblich durchgeführt wurden. Die Jury besteht aus zehn stimmberechtigten Mitgliedern aus Wissenschaft und öffentlichem Leben.

Kontakt:

Leibniz-Gemeinschaft
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dipl.-Geol. Thomas Vogt, M.A.
Schützenstr. 6a, 10117 Berlin
Tel. 030 / 20 60 49 42, Fax 030 / 20 60 49 55
E-Mail: vogt@leibniz-gemeinschaft.de
Dr. Carola Langer
Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW)
Helmholtzstr. 20
01069 Dresden
Tel.: 0351 / 46 59 234, Fax 0351 / 4659500
E-Mail: c.langer@ifw-dresden.de
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 13.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben einen Gesamtetat von 1,1 Milliarden €.

Thomas Vogt, M.A. | idw
Weitere Informationen:
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Care-O-bot® 4 macht sich selbstständig
15.12.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik