Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

JET-Weiterbetrieb in neuer Organisationsform

11.08.2000


Zur Forschung abgeordnet: Wissenschaftler

aus ganz Europa im JET-Kontrollraum (Foto: Mark Woollard, EFDA-JET)


... mehr zu:
»IPP »ITER »JET »Plasma
Die erste Experimentier-Kampagne des Europäischen Fusionsexperimentes JET (Joint European Torus) in neuer Organisationsform ging Ende Juli erfolgreich zu Ende. Seit Beginn des Jahres wird JET - die
weltweit größte Fusionsanlage - im Rahmen des European Fusion Development Agreement betrieben und ist kein selbständiges Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Fusionslaboratorien mehr. Das Vorbereiten, Ausführen und Auswerten der Experimente übernehmen nun zeitweise von ihren Heimatlaboratorien abgeordnete Wissenschaftler und Techniker.

Rund 170 werden in diesem Jahr bei JET erwartet, allein 31 Personen ordnet das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) für 5 bis 70 Tage ab. Für den technischen Betrieb ist das britische Fusionslabor in Culham zuständig, das die Forschungsanlage samt der zugehörigen Messgeräte und Plasmaheizung betriebsbereit zur Verfügung stellt. Nach umfangreichen Vorbereitungs- und Umstellungsarbeiten hatten die Experimente planmäßig am 31. Mai wieder begonnen. In der neuen Organisationsform soll das leistungsfähige JET-Experiment über das bislang vorgesehene Betriebsende im Jahr 1999 hinaus zur Vorbereitung des Internationalen Experimentalreaktors ITER genutzt werden.

Entsprechend konzentriert sich das Arbeitsprogramm darauf, die Datenbasis für die gegenwärtig laufende ITER-Feinplanung zu komplettieren. Hierzu gehören Fragen zur Plasmaform, das Ausloten der Betriebsgrenzen, die Divertor-Physik und die Verfeinerung von Skalierungsgesetzen. Das wissenschaftliche Programm ist dabei in Arbeitsgruppen eingeteilt. Deren Leiter sind für die Vorbereitung und Ausführung einer Mess-Kampagne verantwortlich und koordinieren die Zuarbeit der von den 23 europäischen Laboratorien entsandten Mitarbeiter. Einer von ihnen, der IPP-Wissenschaftler und stellvertretende Leiter der JET-Arbeitsgruppe "Standardszenarien", Dr. Wolfgang Suttrop, kommentiert: "Was in der Elementarteilchenphysik schon lange üblich ist - die befristete Abordnung der Wissenschaftler zu einem der großen Beschleuniger - entwickelt sich vermehrt nun auch in der Fusionsforschung. Als weltweit einzigartige Anlage wird insbesondere der geplante ITER diese ’Reisephysik’ erfordern, um Wissenschaftlern aus aller Welt Zugang zu den Kenntnissen zu ermöglichen. "

Allerdings muss man nicht in jedem Fall reisen: Inzwischen wurden nämlich die JET-Datenbanken von außerhalb zugänglich gemacht. Auch von ihren Heimatlaboratorien aus können die Fusionsforscher nun die JET-Daten mit eigenen Auswerteprogrammen analysieren. Sogar "ferngesteuerte" JET-Experimente sind möglich, die von einem externen Fusionslabor aus vorbereitet, programmiert und betreut werden, wie das IPP in Garching Ende 1999 erstmals demonstriert hatte: Die JET-Entladungen wurden von Datensätzen gesteuert, die von Garching aus über Datenfernleitung direkt im JET-Computer berechnet worden waren. Den Ablauf der Entladungen konnten die IPP-Physiker auf den Garchinger Bildschirmen verfolgen. Korrekturen für die nächste Entladung wurden dann nach telefonischer Beratung mit den JET-Kollegen vor Ort eingebaut. Die Forscher konnten sich so auch "zuhause" als Teil des JET-Teams fühlen.

JET - eine Erfolgsgeschichte
Ab 1973 wurde JET als weltweit größtes Fusionsexperiment von den Europäischen Fusionslaboratorien gemeinsam konzipiert und seit 1983 gemeinsam betrieben. Die Anlage hat seither das Fusionsprogramm seinem Ziel - die Energieerzeugung der Sonne auf der Erde nachzuvollziehen und aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen - ein großes Stück näher gebracht. Brennstoff für diese nahezu unerschöpfliche Energiequelle ist ein dünnes Plasma aus den beiden Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium. Zum Zünden des Fusionsfeuers muß es gelingen, den Brennstoff in Magnetfeldern einzuschließen und auf hohe Temperaturen aufzuheizen.

Inzwischen ist JET die führende Fusionsanlage weltweit, deren Plasmen in vielem bereits einem Kraftwerksplasma nahe kommen. In 17 Betriebsjahren hat JET sämtliche Zielvorgaben erreicht. Aus der Vielzahl der gewonnenen Erkenntnisse ragen als nach außen hin sichtbarster Erfolg die Rekord-Experimente des Jahres 1997 heraus. JET war es gelungen, eine Fusionsleistung von 16 Megawatt freizusetzen, wobei 65 Prozent der aufgewendeten Heizleistung per Fusion zurückgewonnen wurden. Ein brennendes Plasma soll JET allerdings auch in der neuen Betriebsphase nicht erzeugen. Dies ist Aufgabe des nächsten Schrittes, des in weltweiter Zusammenarbeit geplanten Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktors ITER. Mit rund 500 Megawatt Fusionsleistung soll er erstmals ein längere Zeit energielieferndes Plasma erzeugen.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Isabella Milch |

Weitere Berichte zu: IPP ITER JET Plasma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Hochleitfähige Folien ermöglichen großflächige OLED-Beleuchtung
29.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

nachricht Fraunhofer-Forscher entwickeln Hochdrucksensoren für Extremtemperaturen
28.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der schärfste Laserstrahl der Welt

Physikalisch-Technische Bundesanstalt entwickelt einen Laser mit nur 10 mHz Linienbreite

So nah an den idealen Laser kam bisher noch keiner: In der Theorie hat ein Laser zwar genau eine einzige Farbe (Frequenz bzw. Wellenlänge). In Wirklichkeit...

Im Focus: Wellen schlagen

Computerwissenschaftler verwenden die Theorie von Wellenpaketen, um realistische und detaillierte Simulationen von Wasserwellen in Echtzeit zu erstellen. Ihre Ergebnisse werden auf der diesjährigen SIGGRAPH Konferenz vorgestellt.

Denkt man an einen See, einen Fluss oder an das Meer, so sieht man vor sich, wie sich das Wasser kräuselt, wie Wellen gegen die Felsen schlagen, wie Bugwellen...

Im Focus: Making Waves

Computer scientists use wave packet theory to develop realistic, detailed water wave simulations in real time. Their results will be presented at this year’s SIGGRAPH conference.

Think about the last time you were at a lake, river, or the ocean. Remember the ripples of the water, the waves crashing against the rocks, the wake following...

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der schärfste Laserstrahl der Welt

29.06.2017 | Physik Astronomie

Maßgeschneiderte Nanopartikel gegen Krebs gesucht

29.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wolken über der Wetterküche: Die Azoren im Fokus eines internationalen Forschungsteams

29.06.2017 | Geowissenschaften