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Windkraft drängt hinaus aufs Meer

28.07.2003


Der Platz für die umweltfreundliche Windenergie wird langsam knapp. Auf dem Land sind bereits alle Flächen genutzt.



Nach den Vorstellungen der Bundesregierung soll das künftige „Ruhrgebiet Deutschlands“ in der windreichen Nordsee liegen.

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Erst elf maritime Windkraft-Projekte sind bislang weltweit realisiert: fünf in Dänemark, dass zu Beginn der Neunzigerjahre mit zwei Windparks in der Ostsee den Anfang machte, sowie drei in Schweden, zwei in den Niederlanden und in England. In Deutschland, wo es heute noch keine Offshore-Windparks gibt, sind derzeit an den Küsten von Nord- und Ostsee nicht weniger als 26 Windparks geplant.

Die Bandbreite der Projekte ist groß: Die Leistung der Windparks liegt zwischen 5 MW und 5000 MW, denn auf dem Meer sind nur leistungsstarke Windräder zwischen 3 MW und 5 MW mit 100 m Rotordurchmesser sinnvoll, wie sie erst seit Mitte letzten Jahres als Prototypen an Land getestet werden. Optimistische Überlegungen im Bundesumweltministerium gehen davon aus, dass bis 2030 rund 15 % des deutschen Stromverbrauchs aus Windenergie-Anlagen im Offshore-Bereich erzeugt werden.

Vorteil der Lufträder im Meer: Sie verursachen weniger negative Begleiterscheinungen wie Lärm oder Lichtreflexe und das Landschaftsbild wird nicht verschandelt. Hinzu kommt, dass der Wind auf dem offenen Meer stärker und im Jahresmittel auch länger bläst als an Land, was die höheren Kosten für den Bau von Offshore-Anlagen kompensiert. Diese resultieren aus teureren Stromtrassen, dem korrosiven Einfluss des Salzwassers und der zusätzlichen mechanischen Belastung durch den Wellengang. Deshalb lassen sich Onshore-Anlagen auch nicht einfach durch kleinere Modifikationen Offshore-tauglich machen, denn die besonders in den stürmischen Wintermonaten aufwändige Wartung erfordert besonders zuverlässige Anlagen. Außerdem sind längere Drehstromtrassen als 120 km nach derzeitigem Wissensstand kaum sinnvoll.

Der mit 120 3-MW-Windenergieanlagen weltweit größte Offshore-Windpark „Sandbank 24“ soll in der Pilotphase Strom für 300 000 Vier-Personen-Haushalte liefern. Insgesamt sind später einmal sieben Ausbaustufen mit ca. 980 Windrädern vorgesehen. Sky 2000 heißt das Offshore-Projekt von E.on. Im Jahr 2004 will der Energieriese 40 Windräder in der Ostsee errichten sowie 72 vor Amrum. Zusätzlich zu den Anlagen mit 2 MW bis 2,5 MW soll Sky 2000 auch ein Testfeld mit fünf Standorten für Prototypen der 5-MW-Klasse umfassen.

34 km vor der Küste von Sylt – außerhalb der Sichtweite der Touristenzentren – soll in fünf Reihen auf 37 km2 Fläche der „Windpark Butendiek“ mit 80 je 100 m durchmessenden Rotoren von je 3 MW Leistung entstehen. Sie ragen 140 m aus dem Wasser, sind 20 m tief gegründet und können 200 000 Haushalte mit Strom beliefern. Und im Windpark „Borkum West“, 45 km nördlich von Borkum, sollen zunächst zwölf und in einer späteren Ausbauphase sogar 208 Turbinen mit einer Leistung von je 5 MW errichtet werden.

Bei den günstigen Wetterverhältnissen in der Nordsee sollen sich die Windräder schon zwei Jahre nach Betriebsbeginn in der Gewinnzone drehen. „Wir Nordfriesen haben mit der Windkraft einen enormen Standortvorteil und nutzen diesen für Butendiek“, freut sich der Geschäftsführer Wolfgang Paulsen von der Betreiber-Gesellschaft. Für beide Pilotprojekte wurden inzwischen vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg die ersten Genehmigungen erteilt, denn die Zeit drängt: Um noch in den Genuss der vollen Einspeisevergütung zu kommen, müssen die beiden Windparks vor 2006 ans Netz gehen.

Butendiek war zuletzt sehr umstritten: Umweltschützer sahen Vogelschutzgebiete bedroht, Fischer ihre Fischgründe, Reeder ihre Hauptschifffahrtslinien und Militärs ihre U-Boot-Tauchgebiete. Der NABU-Deutschland und der BUND wollen die Errichtung des Windparks in einem ökologisch hochsensiblen Gebiet in der Nordsee verhindern und klagen dagegen. Bei den Umweltschutzverbänden ist man der Meinung, dass die Bundesregierung nach einem Stufenplan zunächst Meeresschutzgebiete ausweisen soll, die als Tabuzonen für die Windenergienutzung gelten und erst danach Windparkzonen genehmigen.

Die Bundesregierung hingegen sieht eher positive Auswirkungen, weil etwa in den Windparks nicht mehr gefischt werden darf. Letztlich lenkt auch NABU-Präsident Jochen Flasbarth ein: „Die Nordsee ist groß und bietet genügend Platz sowohl für Windparks als auch für geschützte Räume“. Auch Greenpeace sträubt sich inzwischen nicht mehr gegen die Windparks: Die Entwicklung von Windkraft auf See sei in Deutschland kaum möglich, wollte man alle Schutzareale von Windanlagen frei halten. Untersuchungen haben ergeben, dass die Windkraftanlagen für den Schiffsverkehr und für geschützte Meerestiere wie Schweinswale und seltene Seevögel keine Gefahr darstellen. „Sonst hätte es keine Genehmigung gegeben“, betonte BSH-Präsident Ehlers.

Edgar Lange | VDI Verlag GmbH

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