Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weibchen des Feuersalamanders "erschnüffeln" potentielle Partner

30.06.2009
Zeig mir, wie Du riechst, und ich sage Dir, woher Du kommst

Weibchen des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) entscheiden sich aufgrund von Düften bei der Partnerwahl. Aber nicht nur das: Sie können aufgrund des Geruches potentielle Partner unterscheiden, die entweder genetisch ähnlich sind und/oder ihrem Habitat zugehörig sind. Die Wahl ist dann leicht: sie bevorzugen eher Partner, die ihrem Habitat zugehörig sind.

Dass Feuersalamanderweibchen potentielle Partner regelrecht erschnüffeln, das haben Wissenschaftler der Universität Bielefeld um Dr. Sebastian Steinfartz zeigen können. Bislang ging man in der Biologie allgemein davon aus, dass die Erkennung von Partnern über Partnerwahlerkennungsmerkmale (wie zum Beispiel "olfaktorische", also geruchsbezogene Signale) mit zunehmender genetischer Distanz abnimmt. In diesem allgemeinen Kontext untersuchten die Bielefelder Wissenschaftler die Frage, ob bei Weibchen eher die genetische Ähnlichkeit oder die Habitatzugehörigkeit bei der Partnerwahl eine Rolle spielt.

Dazu untersuchten sie das Partnerwahlverhalten weiblicher Feuersalamander aus drei verschiedenen Populationen - zwei Populationen aus der Umgebung von Bonn/Köln und eine aus Bayern. In den Experimenten konnten die Weibchen zwischen dem Duft zweier unterschiedlicher Männchen wählen. Das ausschlaggebende Kriterium bei der Wahl des Männchens war dessen Habitatzugehörigkeit und nicht die genetische Distanz des Männchens zu dem Weibchen. So bevorzugten zum Beispiel die Weibchen des Feuersalamanders aus einer Bach-Population bei Bonn Männchen desselben Habitattyps aus Bayern, obwohl diese deutlich genetisch differenzierter waren als die abgewiesenen Männchen aus einer nahe benachbarten Population, die sich in Tümpeln fortpflanzt. Dieses Ergebnis zeigt zum einen, wie wichtig der Geruch bei der Partnerwahl von Feuersalamandern ist, und zum anderen, dass habitatspezifische Adaptation (also lebensraumspezifische Anpassung) eine große Rolle bei der Partnerwahl spielen kann. Dies wiederum könnte ein wichtiger Mechanismus bei der Differenzierung von unterschiedlich angepassten Populationen und ein wichtiger erster Schritt bei der Entstehung neuer Arten sein. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in dem Open Access Journal "Frontiers in Zoology", welches von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft herausgegeben wird, veröffentlicht (http://www.frontiersinzoology.com/content/6/1/13).

Kontakt:
Dr. Sebastian Steinfartz / Dr. Barbara Caspers
Molekulare Ökologie und Verhalten, Fakultät für Biologie Universität Bielefeld.
E-Mail: sebastian.steinfartz@uni-bielefeld.de und barbara.caspers@uni-bielefeld.de

www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/SF/Research_projects.html

Torsten Schaletzke | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de
http://www.uni-bielefeld.de/biologie/vhf/SF/Research_projects.html
http://www.frontiersinzoology.com/content/6/1/13

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen
22.06.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Im Mikrokosmos wird es bunt: 124 Farben dank RGB-Technologie
22.06.2017 | Max-Planck-Institut für Biochemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie