Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virtuelles Institut erforscht Virusinfektionen

01.07.2011
Transnationaler Forscherverbund untersucht, wie Viren das Immunsystem überlisten.

Die Tricks und Überlebensstrategien von Viren besser zu verstehen, um sie künftig effektiver bekämpfen zu können: Diesem Ziel widmet sich der Forschungsverbund VISTRIE, der heute seine Förderzusage bekommen hat. VISTRIE ist ein von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gefördertes „Virtuelles Institut“ mit eigenständiger Management-Struktur. VISTRIE steht für „Viral Strategies of Immune Evasion“ – frei übersetzt: Strategien von Viren, die Immunabwehr zu unterwandern.

Unter der Federführung des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) bündeln Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), des TWINCORE-Zentrums für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover, der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und der Universität Rijeka in Kroatien ihre Expertise. Ihr Studienobjekt: Das weit verbreitete Zytomegalievirus (CMV).

„Viren sind die kleinste bekannte Lebensform“, erklärt Dr. Dr. Luka Cicin-Sain, Leiter des Virtuellen Instituts VISTRIE und Arbeitsgruppenleiter am HZI. „Falls man sie überhaupt als Leben im engeren Sinne bezeichnen kann.“ Viren sind beispielsweise nicht in der Lage, sich selbst zu vermehren. Dazu müssen sie Wirtszellen infizieren: Sie schleusen ihre Erbinformation in die befallene Zelle ein und lassen die einzelnen Virusbestandteile vom Wirt bilden. Am Ende werden die Bausteine zu neuen Viren zusammengesetzt und verpackt.

Unser Immunsystem ist in der Lage, den Erreger selbst oder virusinfizierte Zellen zu entdecken, zu vernichten und so die Vermehrung des Virus zu stoppen. Allerdings haben Viren im Laufe der Evolution viele Mechanismen entwickelt, um das Immunsystem auszutricksen. Sie sind in der Lage, die Kommunikation von Immunzellen zu stören oder das Abtöten der eigenen Wirtszelle zu verhindern. „Weil die Evolution von Viren im fortwährenden Wettstreit mit unserer eigenen Evolution liegt, sind die Erreger sehr gut an unser Immunsystem angepasst“, erklärt Cicin-Sain. „Deshalb eignen sich Viren auch optimal, um das Immunsystem und die Virusabwehr zu erforschen.“

Am Modell-Erreger der VISTRIE-Forscher, dem CMV, lassen sich solche Mechanismen beispielhaft untersuchen. Dieses Virus aus der Klasse der Herpesviren kommt weltweit sehr häufig vor: In Deutschland ist jeder zweite infiziert, in manchen Teilen der Welt tragen es sogar bis zu 99 Prozent der Bevölkerung in sich. Meist bekommen die Infizierten nichts von dem Virus mit – es ruht entweder in den Zellen oder wird vom Immunsystem in Schach gehalten. Harmlos ist CMV trotzdem nicht: Insbesondere für ungeborene Kinder kann eine CMV-Infektion zur Bedrohung werden. „In den USA wird jedes tausendste Kind mit Missbildungen geboren, die direkt auf eine CMV-Infektion zurückzuführen sind“, sagt Cicin-Sain.

Die Forscher im Virtuellen Institut wollen verstehen, wie das Virus es schafft, das Immunsystem auszutricksen und sich vor ihm zu verbergen. Mit diesem Wissen könnten in Zukunft neue Medikamente zur Behandlung von CMV und anderen Virusinfektionen entstehen. „Wir versprechen uns auch neue Erkenntnisse darüber, wie das Immunsystem auf eine Virusinfektion reagiert“, so Cicin-Sain. „Mit der Zusammenarbeit im Virtuellen Institut VISTRIE vereinigen wir das Wissen exzellenter Virologen und verkürzen den Weg von der Grundlagenforschung zum Patienten.“

Virtuelle Institute der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren:
Virtuelle Institute vereinigen die Arbeit von Helmholtz-Zentren mit Hochschulen und internationalen Partnern. Sie verfügen über eine eigene Führungs- und Managementstruktur und arbeiten wie ein einheitliches Forschungszentrum, in dem die einzelnen Partner räumlich weit voneinander getrennt sind. Die HGF fördert Virtuelle Institute bis zu fünf Jahre mit bis zu 600.000 Euro jährlich aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds. Sie können zur Vorbereitung größerer Verbünde wie etwa der Helmholtz-Allianzen oder von EU Konsortien genutzt werden.

VISTRIE („Viral Strategies for Immune Evasion“) erhält über einen Zeitraum von fünf Jahren eine Fördersumme von rund 4,5 Millionen Euro, die von der Helmholtz-Gemeinschaft und den beteiligten Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Das Institut nimmt im Oktober 2011 seine Arbeit auf.

Die Partner:
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig
Dr. Dr. Luka Cicin-Sain, Nachwuchsforschergruppe “Immunalterung und Chronische Infektionen”

Dr. Melanie Brinkmann, Nachwuchsforschergruppe “Virale Immunmodulation”

Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Virologie
Professor Martin Messerle, Arbeitsgruppe “Zytomegalievirus”
TWINCORE-Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, Hannover
Professor Ulrich Kalinke, Institut für Experimentelle Infektionsforschung
Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf
Professor Hartmut Hengel, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Virologie

Dr. Anne Halenius, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Virologie

Universität von Rijeka, Kroatien
Professor Stipan Jonjic, Medizinische Fakultät, Abteilung für Histologie und Embryologie

Dr. Bastian Dornbach | Helmholtz-Zentrum
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics