Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Vater ist kein Vorbild

12.01.2010
Zebrafinkenweibchen unterscheiden sich nicht nur darin, wie sie ihren Partner wählen, sondern auch darin, welches Männchen sie als Partner bevorzugen

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben durch Beobachtung von über 350 Zebrafinken untersucht, welchen Einfluss für die Partnerwahl die genetische Vererbung im Vergleich zu sexueller Prägung hat. Wie Zebrafinkenweibchen ihren Partner wählen, ist laut den Forschern zum Teil genetisch vererbt. Welches Männchen sie bevorzugen, wird jedoch weder von den Genen, noch den Erfahrungen in der frühen Lebensphase bestimmt (Evolution, 11.01.2010)

Wie fast überall im Tierreich, sind es auch bei den Zebrafinken die Weibchen, die den Paarungspartner wählen. Dabei hat jedes Weibchen seine individuellen Vorlieben - nicht anders als bei uns Menschen. Diese Vorlieben für einen Partner können genetisch vererbt sein oder durch sexuelle Prägung entstehen, indem Weibchen beispielsweise solche Männchen bevorzugen, die dem Vater ähnlich sind. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun erstmals umfassend die relative Bedeutung dieser beiden Faktoren untersucht.

Um den Einfluss von genetisch bedingter Präferenz und den Erfahrungen in der frühen Lebensphase der Tiere zu trennen, überlegten sich die Forscher ein ausgeklügeltes experimentelles Design: Mehr als 350 Zebrafinken-Kücken einer Generation wurden mit nicht-verwandten Stiefgeschwistern von nicht-verwandten Stiefeltern aufgezogen. So konnten die Forscher anschließend Partnerwahl und Partnerpräferenz von genetischen Schwestern und gemeinsam aufgezogenen Stiefschwestern vergleichen. Als die Zebrafinken geschlechtsreif waren, konnten die Weibchen in einer ganzen Serie von Versuchen jeweils zwischen zwei nicht-verwandten Männchen wählen.

Die Max-Planck-Forscher fanden heraus, dass das Wahlverhalten der Zebrafinken genetisch variiert: Genetische Schwestern wählten ihre Partner auf ähnliche Art und Weise hinsichtlich ihres Aktivitätsmusters, der Verweildauer bei den Männchen und der Zahl der Wechsel zwischen den verschiedenen Männchen. Bei den eigentlichen Präferenzen, also der Frage welche Männchen letztlich bevorzugt werden, waren jedoch keine genetischen oder Prägungseffekte festzustellen. Weder die genetischen noch die gemeinsam aufgezogenen Schwestern zeigten größere Übereinstimmung in den Partner-Präferenzen als Weibchen, die unverwandt und getrennt voneinander aufgezogen worden waren. "Beide Mechanismen wurden bislang in ihrer Bedeutung für die Präferenz für einen Partner überschätzt", sagt Wolfgang Forstmeier, einer der Co-Autoren der Studie. Es muss also noch andere Ursachen für individuelle Partner-Präferenzen geben als genetische Verwandtschaft oder frühe sexuelle Prägung. Diese Ursachen gilt es in Zukunft genauer zu erforschen.

Kontakt:
Dr. Wolfgang Forstmeier
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Tel. +49 (0)8157 932 - 346
E-Mail: forstmeier@orn.mpg.de
Originalveröffentlichung:
Holger Schielzeth, Elisabeth Bolund and Wolfgang Forstmeier
Heritability of and early environment effects on variation in mating preferences.

Evolution 11.01.2010

Dr. Sabine Spehn | idw
Weitere Informationen:
http://www3.interscience.wiley.com/journal/122678927/abstract
http://www.orn.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Vom künstlichen Hüftgelenk bis zum Fahrradsattel
21.02.2018 | Frankfurt University of Applied Sciences

nachricht Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar
21.02.2018 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt

21.02.2018 | Medizin Gesundheit

Der „heilige Gral“ der Peptidchemie: Neue Strategie macht Peptid-Wirkstoffe oral verfügbar

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Designvielfalt für OLED-Beleuchtung leicht gemacht

21.02.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics