Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ungeahnten Verbindungen auf der Spur

28.06.2012
Zwillingspolymerisation: Chemiker der TU Chemnitz legen die Grundlage, damit Molekülfragmente reagieren, die sich von alleine nicht verbinden

"Das ist ein Meilenstein für unsere Forschergruppe", sagt Prof. Dr. Stefan Spange, Inhaber der Professur Polymerchemie an der Technischen Universität Chemnitz. Er ist Sprecher der Forschergruppe "Zwillingspolymerisation von organisch-anorganischen Hybridmonomeren zu Nanokompositen", die sei dem 1. Mai 2011 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Der erste errungene "Meilenstein" ist die Entdeckung der "simultanen Zwillingspolymerisation".

Die Zwillingspolymerisation ansich haben die Chemnitzer Chemiker bereits 2007 erfunden. Eine speziell konstruierte Verbindung reagiert dabei in einem mechanistisch gekoppelten Prozess zu zwei unterschiedlichen Endprodukten. Bei anderen Arten der Polymerisation entstehen entweder aus einem Anfangs- ein Endprodukt oder aus zwei einzelnen Verbindungen ein oder zwei Endprodukte.

Eine Ausgangsverbindung der Zwillingspolymerisation, das Zwillingsmonomer, besteht jeweils aus zwei chemisch miteinander verbundenen Bausteinen, zum Beispiel A-C. Bei der simultanen Zwillingspolymerisation werden nun zwei unterschiedliche Ausgangsverbindungen miteinander zur Reaktion gebracht. Dadurch könnten einmal Komponenten zum Reagieren gezwungen werden, die freiwillig keine Verbindungen miteinander eingehen. Wenn etwa die Verbindungen A-C und B-C zur Reaktion gebracht werden, so verbinden sich die beiden C sofort miteinander - A und B müssen nachziehen, obwohl sie unter normalen Bedingungen nicht reagieren würden. "Das ist allerdings noch perspektivisch gedacht. Dafür ist zunächst weitere Forschungsarbeit nötig", so Spange.

Mit drei grundlegenden Experimenten haben die Chemnitzer Chemiker das Verfahren der simultanen Zwillingspolymerisation untersucht. Die Ergebnisse konnten sie in der Zeitschrift "Angewandte Chemie" veröffentlichen.

"Die Zwillingspolymerisation ist ein komplexes neues Gebiet, mit dem wir in Chemnitz weltweit ein Alleinstellungsmerkmal haben. Deshalb konnten wir auch bereits viermal in `Angewandte Chemie´ publizieren – einer weltweit führenden Chemie-Zeitschrift", so Spange.

Die Grundlagen, die in dem DFG-Projekt erforscht werden, können durch eine bereits seit 2008 bestehende Kooperation der Professur Polymerchemie mit der BASF den Weg in die Praxis finden. Das Unternehmen hat Interesse an den in Chemnitz entwickelten Materialien, um sie langfristig einmal in der Energiespeicherung einzusetzen. "Durch ihre hervorragende Arbeit in dem DFG-Projekt hat sich meine Promovendin Tina Löschner für eine Anstellung bei der BASF empfohlen, wo sie jetzt seit dem 1. Mai arbeitet. Das ist für eine promovierte Chemikerin eine besondere Auszeichnung - da sind wir auch als Forschergruppe stolz drauf", so Spange.

Die Forschungsergebnisse wurden veröffentlicht in der Zeitschrift "Angewandte Chemie": Löschner, T., Mehner, A., Grund, S., Seifert, A., Pohlers, A., Lange, A., Cox, G., Hähnle, H.-J., Spange, S. (2012), Ein modularer Ansatz zur gezielten Herstellung nanostrukturierter Hybridmaterialien: die simultane Zwillingspolymerisation. Angew. Chem., 124: 3312–3315. doi: 10.1002/ange.201108011

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Stefan Spange, Telefon 0371 531-31714, E-Mail stefan.spange@chemie.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos | Technische Universität Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht
25.04.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern
25.04.2018 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics