Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Von Tumoren lernen

03.03.2010
Tumoren etwas Positives abgewinnen - so absurd, wie es zunächst klingt, ist diese Vorstellung nicht. Wissenschaftler der Universität Bremen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover beschreiben in der neuesten Ausgabe der renommierten Online-Zeitschrift PlosOne Wachstumsmechanismen sehr häufiger Tumoren, deren Kenntnis zukünftig auch für den Wiederaufbau von Geweben genutzt werden könnte.

"Von Tumoren lernen": Auf diese kurze Formel bringt Jörn Bullerdiek, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bremen und Leiter einer Arbeitsgruppe des Exzellenzclusters "Rebirth" an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, die Ziele seiner Forschungsarbeit.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen gutartige Tumoren. Das sind Erkrankungen, bei denen die Zellen zwar oft über ein hohes Wachstumspotenzial verfügen, ihnen aber die Fähigkeit zur Zerstörung von Geweben und Organen durch aggressives Wachstum und Bildung von Tochtergeschwülsten fehlt. Gelingt es, die Mechanismen der Entwicklung solcher Tumoren zu ergründen, lassen sich die Erkenntnisse möglicherweise auch zur Regeneration von Gewebe einsetzen, so die Überlegung.

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist den Wissenschaftler-Teams aus Bremen und Hannover jetzt gelungen. Bei gutartigen Schilddrüsentumoren finden sich häufig Veränderungen des Chromosoms 19, ohne dass bisher klar war, was genau diese Veränderungen bewirkt. Durch die jetzt veröffentlichte Arbeit wurde dieser Zusammenhang aufgeklärt: Es wird gleich eine ganze Gruppe von Genen aktiviert, die sonst fast nur in der Embryonal- und Fetalentwicklung wichtig sind. Interessanterweise handelt es sich dabei nicht um Gene im klassischen Sinne wie Volkhard Rippe, Leiter der Bremer Arbeitsgruppe, erläutert: "Nach den Bauanleitungen der von uns untersuchten Gengruppe werden sogenannte Mikro RNAs gebildet, das sind kleine Nukleinsäuremoleküle, die den Prozess der Umsetzung anderer Gene in Proteine steuern können." Im konkreten Fall der Schilddrüsentumoren führt das "Überangebot" dieser Mikro RNAs in den Schilddrüsenzellen Erwachsener zu einer gestörten Balance zwischen Zellauf- und -abbau mit dem Ergebnis, dass ein gutartiger Tumor entsteht.

In Zukunft, so die Hoffnung der Wissenschaftler, wird sich das Potenzial dieser ungewöhnlichen Gene auch einsetzen lassen, um gezielt Gewebe wiederaufzubauen. Die Kooperation zwischen der Universität Bremen und der Tierärztlichen Hochschule bietet in jedem Fall exzellente Voraussetzungen, die jetzt gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis, sei es bei der Tumordiagnostik oder der Geweberegenration, einzusetzen.

Weitere Auskünfte:

Universität Bremen
Zentrum für Humangenetik
Prof. Dr. Jörn Bullerdiek / Dr. Volkhard Rippe,
Tel.: 0421-218-2589
E-Mail: bullerd@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie