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Mit synthetischer Biologie gegen resistente Keime

06.06.2012
Über 300 Teilnehmer aus Wissenschaft, Industrie und Politik beim Fachkongress „Design von Antibiotika – Innovationspotenziale der Synthetischen Mikrobiologie“ am 31. Mai 2012 in Marburg
Antibiotika galten lange als Wunderwaffe gegen mikrobielle Infekte, doch das Schwert wird stumpf. In den vergangenen Jahren ist die Zahl an resistenten Keimen, gegen die gängige Antibiotika nicht mehr helfen, in die Höhe geschnellt. Beim zweiten Fachkongress des Marburger LOEWE-Zentrums für Synthetische Mikrobiologie (SYNMIKRO) diskutierten führende Antibiotika-Forscher aus ganz Deutschland ihre Lösungsansätze.

Viele der bislang genutzten Antibiotika sind natürliche, von Mikroorganismen produzierte Substanzen. Ein prominentes Beispiel ist Penicillin, das aus Schimmelpilzen hergestellt wird. Mit der synthetischen Mikrobiologie – der Neukonstruktion von mikrobiellem Erbgut – lassen sich bekannte Antibiotika verändern und neue finden. Die Resistenzbildung könne man aber auch so nicht dauerhaft ausschließen, sie sei sozusagen ein Naturgesetz, erklärte Keynote-Sprecher Professor Dr. Jörg Hacker, Mikrobiologe und Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

„Wir brauchen definitiv neue, resistenzbrechende Substanzen“, betonte Professor Dr. Helga Rübsamen-Schaeff von AiCuris aus Wuppertal. Längst konzentriert sich die Forschung aber nicht mehr nur auf natürliche Wirkstoffe. Die Suche nach Naturstoffen bleibe laut Rübsamen-Schaeff zwar interessant, werde aber immer aufwändiger: „Die niedrig hängenden Früchte sind schon geerntet.“ Die Kombination aus Gentechnik und Chemie scheint erfolgversprechender. Für das Malaria-Mittel Artemisinin hat das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis in Frankfurt ein Verfahren bis in den industriellen Maßstab entwickelt, das die biotechnologische Herstellung über eine gentechnisch veränderte Hefe mit einem nachgeschalteten chemischen Prozess kombiniert.

Nicht nur die Großunternehmen, auch Forscher aus kleinen Unternehmen und Hochschulen beeindruckten mit ihrem Pool an Ideen. Professor Dr. Nediljko Budisa von der Technischen Universität Berlin beispielsweise will den genetischen Code neu schreiben, um die Vielfalt an Substanzen, die Mikroorganismen herstellen, noch zu erweitern.

„Die Innovationen, die wir hier präsentieren, sind der Motor für Wachstum und Wohlstand“, unterstrich Dr. Carsten Ott von der Aktionslinie Hessen-Biotech der Hessen Agentur, die den Kongress gemeinsam mit dem Cluster Integrierte Bioindustrie (CIB) Frankfurt und dem Marburger LOEWE-Zentrum SYNMIKRO veranstaltet hat. Die hohe Resonanz und die angeregten Diskussionen machten die Dringlichkeit des Themas deutlich.

Andrea Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

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