Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzelltransplantation: Neue Therapie soll Überlebenschancen erhöhen

04.11.2010
Für viele Patienten mit bösartigen Erkrankungen ist die Transplantation von blutbildenden Stammzellen eines Fremdspenders (allo-HSCT) die einzige Hoffnung auf Heilung.

Leider stirbt jedoch etwa jeder vierte Patient nach einer allo-HSCT – entweder an einem Tumorrückfall oder an einer durch die Immunzellen des Spenders verursachten Entzündungskrankheit, der graft-versus-host Krankheit (graft-versus-host disease, GVHD).

Die Arbeitsgruppe um PD Dr. Olaf Penack an der Charité in Berlin forscht an einer Therapie, die die Überlebenschancen der Patienten verbessern soll. Die Mediziner wollen Tumorwachstum und GVHD gleichzeitig eindämmen, indem sie das Blutgefäßwachstum medikamentös hemmen.

Immuntherapien finden zunehmend Eingang in die klinische Behandlung von Krebspatienten. Für bösartige Blutkrebs-Erkrankungen ist die allo-HSCT zurzeit die effektivste Immuntherapie. Die transplantierten Zellen sollen die eigentliche Aufgabe der körpereigenen Immunabwehr des Patienten übernehmen – nämlich die Krebszellen zu erkennen und unschädlich zu machen.

Leider ist die allo-HSCT kein komplikationsarmes Verfahren: ca. 20% der Patienten sterben nach der Transplantation an einer Abstoßungsreaktion der transplantierten Zellen – der so genannten graft-versus-host Krankheit (GVHD). Diese schwere Entzündungskrankheit greift vor allem Darm, Leber und Haut an.

Eine große klinische Herausforderung stellt deshalb die Vorbeugung und Therapie der GVHD dar. Die derzeit verfügbaren therapeutischen Strategien gegen GVHD beeinträchtigen jedoch gleichzeitig die Funktionsfähigkeit der Immunzellen und erhöhen deshalb das Risiko eines Tumorrückfalls sowie die Infektionsanfälligkeit des Patienten. Der Bedarf an einer neuen Behandlungsmethode, die die Aktivität der Immunabwehr gegen Tumorzellen und gegen Krankheitserreger nicht einschränken, ist also sehr groß.

Eine viel versprechende therapeutische Strategie verfolgt Dr. Penack mit seinem Team. Erste Experimente in Mausmodellen für Stammzelltransplantation weisen darauf hin, dass das Tumorwachstums verlangsamt und die Abstoßungsreaktion reduziert werden können, wenn die Ausbildung von Blutgefäßen (Neovaskularisierung) medikamentös gehemmt wird. Darüber hinaus konnten Dr. Penack und Kollegen zeigen, dass Vorläuferzellen der Blutgefäßbildung (Endothelialen Progenitorzellen, EPCs) eine besonders wichtige Rolle bei der Entzündungsreaktion während der GVHD spielen.

In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt wollen die Forscher verschiedene Strategien zur Hemmung des Blutgefäßwachstums in präklinischen Modellen der allo-HSCT testen. Ihr Ziel ist die zügige klinische Weiterentwicklung einer Therapie, die die Überlebenschancen von Patienten nach einer Stammzelltransplantation erhöhen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsvorhaben mit rund 200.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
PD Dr. Olaf Penack, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie/Onkologie
Medizinische Klinik III, Abt. Hämatologie/Onkologie, Charité Berlin
E-Mail: olaf.penack@charite.de

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie