Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen: Wüstenrennmäuse hören wieder

13.09.2012
Vollständige Heilung von Gehörlosigkeit derzeit jedoch nicht möglich

Wissenschaftler der University of Sheffield ist laut eigenen Angaben ein großer Schritt in Richtung der Behandlung von Taubheit gelungen. Mit Hilfe von Stammzellen hat das Team um Marcelo Rivolta erstmals die Hörfähigkeit von Wüstenrennmäusen wieder hergestellt. Das Hören verbesserte sich als die Nerven im Ohr, die Geräusche an das Gehirn weiterleiten, wiederhergestellt wurden.

Vielversprechende Therapieoption

Einem in Nature http://nature.com veröffentlichtem Bericht würden die gleichen Fortschritte beim Menschen bedeuten, dass Patienten, die den Verkehrslärm nicht hören können, dann wieder einem Gespräch folgen könnten. Die Behandlung von Menschen liegt derzeit allerdings noch in ferner Zukunft. Radiohören oder ein Gespräch mit einem Freund sind nur dann möglich, wenn das Ohr die Schallwellen in der Luft in elektrische Signale umwandelt, die vom Gehirn ausgewertet werden können.

Tief im Innenohr bewegen Vibrationen winzige Härchen. Diese Bewegung führt zu einem elektrischen Signal. Bei rund einem von zehn Menschen mit schwerem Hörverlust sind die Nervenzellen, die ein Signal erkennen sollten, geschädigt. Das ist dann ungefähr so, als wenn der Stab bei einem Staffellauf nach dem ersten Teilnehmer nicht mehr weitergegeben wird.

Sinneshaarzellen im Innenohr ersetzt

Ziel der Wissenschaftler war es, die Nervenzellen, die den Stab nicht mehr weitergeben, zu ersetzen. Die Sinneshaarzellen sollten durch Stammzellen eines menschlichen Embryos erneuert werden, die durch chemische Zusätze dazu gebracht wurden, sich zu ähnlichen Zellen zu entwickeln. In der Folge wurden diese Zellen in das Innenohr von 18 Wüstenrennmäusen injiziert.

Innerhalb von zehn Wochen verbesserte sich die Hörfähigkeit der Tiere. Am Ende der Laufzeit der Studie war es gelungen, rund 45 Prozent ihres Hörbereiches wiederherzustellen. Rivolta betont, dass es sich um keine vollständige Heilung handelt. Ein Flüstern würde auch nach der Behandlung nicht gehört werden können. Ganz sicher wäre es aber möglich, einem Gespräch in einem Raum zu folgen, berichtet die BBC.

Ansatz beim Menschen nicht erforscht

Rund ein Drittel der Wüstenrennmäuse sprach sehr gut auf die Behandlung an. Ein Teil der Tiere erlangte bis zu 90 Prozent der Hörfähigkeit zurück. Etwas weniger als ein Drittel reagierte kaum auf die Behandlung. Wüstenrennmäuse wurden eingesetzt, da sie in einem ähnlichen Umfang Geräusche hören wie Menschen. Die Verbesserungen des Hörvermögens wurden durch die Messung von Gehirnwellen festgestellt.

Tests wurden an den Tieren nur über einen Zeitraum von zehn Wochen durchgeführt. Sollte dieser Behandlungsansatz auch beim Menschen eingesetzt werden, müsste eine Wirksamkeit über einen viel längeren Zeitraum nachgewiesen werden. Zusätzlich gilt es Fragen der Sicherheit und der Ethik bei der Behandlung mit menschlichen Stammzellen zu klären.

Michaela Monschein | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://shef.ac.uk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie