Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auf der Spur der Rechtschreib-Gene

01.10.2008
Buchstaben werden verdreht, einzelne Silben weggelassen – etwa vier Prozent der Deutschen sind Legastheniker. Forscher arbeiten daran, die verantwortlichen Gene aufzuspüren und einen Gentest zu entwickeln. So könnten bereits Kleinkinder gezielt gefördert werden.

Shcule? Schuule? Oder doch Schuhle? Aller Anfang ist schwer, das gilt auch beim Lesen- und Schreibenlernen. Bei den meisten Kindern legen sich anfängliche Buchstabendreher und andere unsystematische Fehler recht schnell.

Doch etwa vier Prozent der deutschen Schulkinder kämpfen weiterhin mit dem geschriebenen Wort. Wo liegt die Ursache für eine solche Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Legasthenie? »Die Legasthenie hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun.

Sie scheint zum größten Teil genetisch bedingt zu sein, wie Zwillingsstudien gezeigt haben«, erklärt Arndt Wilcke, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig. Hilfe verspricht eine spezielle Förderung der Kinder: So gibt es etwa in Sachsen Schulklassen für Legastheniker – sie setzen ab dem dritten Schuljahr an. Üblicherweise fällt diese Schwäche erst dann auf, wenn die Kinder sechs bis acht Jahre alt sind und Lesen und Schreiben lernen.

Der Großteil der Sprachentwicklung ist dann jedoch bereits abgeschlossen. Generell gilt: Je früher die Veranlagung zur Legasthenie erkannt wird, desto höher sind die Erfolgschancen einer Förderung. Werden betroffene Kinder bereits im Kindergartenalter gezielt gefördert, lernen sie meist gut Lesen und Schreiben.

Die Forscher am IZI wollen die Früherkennung von Legasthenie nun verbessern. »Wir versuchen herauszufinden, welche Gene die Lese-Rechtschreibschwäche hervorrufen. Eine Veranlagung zur Legasthenie könnte man dann durch einen genetischen Test feststellen und betroffene Kinder bereits im Kleinkindalter entsprechend fördern«, sagt Wilcke. Doch wie wollen die Wissenschaftler die verantwortlichen Gene finden? »Wir nehmen Speichelproben von Kindern, die eine Lese-Rechtschreibschwäche haben, extrahieren die DNA und vergleichen bestimmte Gene mit denen nicht betroffener Kinder. Gibt es signifikante Unterschiede?

Wenn ja, ist das ein erster Hinweis, dass dieses Gen bei der Ausbildung der Legasthenie eine Rolle spielen könnte«, erklärt Wilcke. Die Hypothese, die die IZI-Forscher aufgestellt haben: In der Zeit, in der sich beim Embryo das Gehirn entwickelt, wandern die Nervenzellen an die für sie vorgesehenen Stellen – gesteuert von Genen. Sind diese fehlerhaft, wandern die Nervenzellen nicht weit genug oder an die falschen Stellen. Hier könnte ein Grund für die Legasthenie liegen. Hinweise auf Gene, die für die Legasthenie verantwortlich sind, liegen bereits vor. Die ersten Schritte zum Gentest sind also gemacht. Bis ein solcher Test allerdings einsatzbereit ist, wird noch einige Zeit vergehen – mindestens fünf Jahre hält Wilcke für durchaus realistisch.

Arndt Wilcke | Fraunhofer IZI
Weitere Informationen:
http://www.izi.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zellen auf Wanderschaft: Falten in der Zellmembran liefern Material für nötige Auswölbungen
23.11.2017 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Neues Verfahren zum Nachweis eines Tumormarkers in bösartigen Lymphomen
23.11.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung