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Soja, ein Lebensmittel oder mehr? DFG fördert vier eng aufeinander abgestimmte Forschungsvorhaben

30.09.2011
Biologen der TU Dresden untersuchen derzeit die Wirkung von sojareicher Nahrung auf die Entwicklung von Tumoren.

Hintergrund ist, dass besonders Menschen im ostasiatischen Raum weniger häufig an Krebs erkranken. Bei Frauen betrifft das den Brustkrebs, bei Männern den Prostatakrebs. Soja gehört dort schon von der Kindheit an zu den alltäglichen Lebensmitteln. „Der schützende Effekt von Soja ist noch nicht nachgewiesen“, sagt Professor Günter Vollmer, Professur für Molekulare Zellphysiologie und Endokrinologie an der TU Dresden. Das ist Grund genug, die Inhaltsstoffe umfassend zu erforschen.

An einer speziellen Rattenart, die besonders häufig an Brustdrüsentumoren erkrankt, will er in einem generationsübergreifenden Experiment untersuchen, ob diese Tiere weniger häufig an Krebs erkranken, wenn sie schon in der Embryonalphase und anschließend über alle weiteren Lebensabschnitte hinweg kontinuierlich Inhaltsstoffe aus Sojaprodukten aufnehmen.

Seine Theorie: „Der mögliche Einfluss von Soja auf eine Krebserkrankung kann zeitlich lange vor der Ausbildung der Erkrankung liegen, da der menschliche Körper nicht in allen Lebensphasen gleichermaßen empfindlich gegenüber Umwelteinflüssen insbesondere Nahrungsmitteln ist“, sagt er. Tierexperimentelle Studien zum Einfluss von Umweltkomponenten auf das Brustkrebsrisiko deuten darauf hin, dass der betroffene Organismus während bestimmter Abschnitte der fötalen Phase, der Neugeborenenphase und im Zeitraum um die Pubertät besonders empfindlich auf diese Einflüsse reagiert. „Hier schließt sich der Kreis, in Japan gehört Soja auch in der Schwangerschaft zur Ernährung. Der Fötus könnte davon profitieren.“

Seine Ergebnisse sollen helfen, den Einfluss von Soja-Isoflavonen als Nahrungsergänzungsmittel besser zu verstehen. Diese werden im Handel mit positiven Effekten auf die Gesundheit beworben. Trotz intensiver Forschung in den letzten Jahren sind ihre Wirkungen bis heute jedoch unklar. Um diese Wissenslücke zu schließen, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun vier eng aufeinander abgestimmte Forschungsvorhaben zu Soja-Isoflavonen mit insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Ist es für die Wirkung der Isoflavone von Bedeutung, ob sie in einer frühen oder späten Lebensphase aufgenommen werden? Welche Rolle spielen dabei westliche Lebensgewohnheiten, wie etwa ein hoher Anteil an Fett im Essen? Treten die Isoflavone in Wechselwirkung mit den körpereigenen Östrogenen? Was ist bei der Übertragung von tierexperimentell gewonnenen Daten auf den Menschen zu beachten? Diese und andere Fragen werden die Wissenschaftler in den kommenden drei Jahren untersuchen.

Die beteiligten universitären und nicht-universitären Forschungseinrichtungen sind neben der TU Dresden die Deutsche Sporthochschule Köln, die Universität Würzburg, das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg sowie das Max Rubner-Institut in Karlsruhe. Ihr interdisziplinäres und detailliert abgestimmtes Forschungskonzept ermöglicht es nun, die offenen Fragen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten, um so komplexe, bisher nicht beachtete Zusammenhänge verstehen zu können.

Die Senatskommission zur gesundheitlichen Beurteilung von Lebensmitteln (SKLM) der DFG verfolgt die Aktivität des Forschernetzwerkes mit großem Interesse und wird die Ergebnisse in ihre Beratungen einbeziehen.

Informationen für Journalisten:
Professor Günter Vollmer, Professur für Molekulare Zellphysiologie und Endokrinologie TU Dresden
Tel. +49 351 463-31922
guenter.vollmer@tu-dresden.de
Koordination Gesamtprojekt:
Prof. Patrick Diel, Deutsche Sporthochschule Köln, Abteilung molekulare und zelluläre Sportmedizin
Tel. 0221 4982-5860
diel@dshs-koeln.de

Kim-Astrid Magister | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dresden.de

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