Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schöne Söhne dank der Mutter

29.09.2011
Nicht die guten Gene des Vaters, sondern die Anfangsinvestition der Mutter in ihre Eier macht Zebrafinken-Männchen besonders schön.

Ein schweizerisch-australisches Forschungsteam unter der Leitung von Evolutionsökologen der Universität Zürich widerlegt die Theorie von den genetisch attraktiven «Supermännchen».


Zebrafinken-Männchen mit charakteristischem Brust- und Wangenschmuck.

Wie die meisten Vögel ziehen auch australische Zebrafinken ihre Jungen als Paar auf. Doch nicht immer ist der soziale Vater auch tatsächlich der Erzeuger: Die Weibchen paaren sich, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, auch mit anderen Männchen. Interessanterweise unterscheiden sich die Nachkommen der verschiedenen Väter. Wie Evolutionsökologen der Universität Zürich zusammen mit Biologen der Macquarie University in Sydney herausfanden, sind mit Männchen ausserhalb der Paarbeziehung gezeugte Söhne schöner: Ihr farbiger Federschmuck ist ausgeprägter als jener der genetischen Nachkommen des verpaarten Männchens.

Einmalige Sexualpartner sind nicht attraktiver

Bislang ging man davon aus, dass solche qualitativen Unterschiede in den Nachkommen daher rühren, weil sich die Weibchen zusätzlich mit besonders attraktiven und damit genetisch besonders wertvollen Männchen ausserhalb der Paarbeziehung paaren. Jetzt widerlegen Barbara Tschirren, Professorin für Evolutionsökologie an der Universität Zürich, und ihr Team die Theorie von den speziell guten Vererbern und den attraktiven «Supermännchen». Wie die Wissenschaftler in dem in den «Proceedings of the Royal Society B» veröffentlichten Artikel zeigen, unterscheiden sich das verpaarte Männchen und der einmalige Sexualpartner nicht in ihrer Farbenpracht. Der einmalige Sexualpartner ist also weder schöner noch genetisch wertvoller als das Männchen aus der Paarbeziehung.

Zuerst gelegte Eier sind bevorzugt

Die schönen Söhne haben ihren Ursprung nicht wie bisher vermutet in den guten Genen des Vaters, sondern in der mütterlichen Anfangsinvestition in die Eier. Wie Tschirren zeigen kann, nimmt die mütterliche Investition pro Ei innerhalb der Legesequenz stetig ab. In die ersten Eier werden von der Mutter noch sehr viele Nährstoffe und Hormone eingelagert – diese Eier sind auch grösser als die des restlichen Geleges. Diese Bevorzugung der zuerst gelegten Eier bzw. zuerst geschlüpften Jungtiere durch das Weibchen macht Sinn, da diese Nachkommen eine wesentlich höhere Überlebenschance als später geschlüpfte haben. «Männchen konkurrenzieren sich gegenseitig, die ersten Eier in der Legesequenz eines Weibchens befruchten zu können, um so die Mehrinvestition des Weibchens in diese Eier für die eigenen Nachkommen auszunutzen», erläutert Tschirren die neuen Erkenntnisse. Sie vermutet, dass es sich letztlich um eine reine Spermienkonkurrenz handelt. Männchen mit den schnellsten Spermien befruchten die am besten ausgestatteten Eier.

Literatur:
Barbara Tschirren, Erik Postma, Alison N. Rutstein, Simon C. Griffith: When mothers make sons sexy: Maternal effects contribute to the increased sexual attractiveness of extra-pair offspring, in: Proceedings of the Royal Society B, 28. September 2011, DOI:10.1098/rspb.2011.1543
Kontakt:
Prof. Dr. Barbara Tschirren
Universität Zürich
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Tel. +41 44 635 47 77
E-Mail: barbara.tschirren@ieu.uzh.ch

Nathalie Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn
30.05.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht 3D-Druckertinte aus dem Wald
30.05.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie