Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pfeilgiftfrösche: Polygamie sichert Überleben

12.07.2012
Die Forschungsobjekte von Eva Ringler sind zwei Zentimeter groß und wiegen zwei Gramm.
Die Rede ist von der Pfeilgiftfroschart Allobates femoralis, deren Fortpflanzungs- und Brutpflegeverhalten die Evolutionsbiologin der Universität Wien in Französisch-Guyana erforscht. Sie setzt dazu eine Population Allobates femoralis auf einer Flussinsel aus und untersucht die Frösche dort isoliert von Artgenossen. Davon erhofft sie sich Aufschlüsse zu deren Überlebens- und Fortpflanzungsstrategien.

Bei der Partnerwahl sind die Weibchen der Pfeilgiftfroschart Allobates femoralis nicht besonders wählerisch. Das fand Eva Ringler vom Department für Evolutionsbiologie der Universität Wien in ihrer Dissertation – beruhend auf Feldforschungen in Französisch-Guyana – heraus: "Die Weibchen wählen viele Männchen als Partner aus, da sie dadurch den Fortpflanzungserfolg sowie die genetische Vielfalt der Nachkommen erhöhen und verschiedenste Risikofaktoren in Bezug auf ihr Überleben ausschalten." Denn vom Ei bis hin zur Metamorphose sind die Larven zahlreichen Gefahren ausgesetzt: von Fressfeinden bis hin zur Austrocknung der Wasserstellen, in denen sie sich entwickeln: "Die Eier werden vom Weibchen an Land, also im Trockenen, abgelegt", erklärt Ringler die komplexe, unter Amphibien recht einzigartige Fortpflanzungsbiologie der Pfeilgiftfrösche: "Die Larven werden dann vom jeweiligen Männchen ins Wasser gebracht, wo sie bis zur Metamorphose bleiben."
Froschinsel wird zum Labor für Evolutionsbiologie

"Im Projekt wird auf einer Flussinsel in Französisch-Guyana eine Population von Allobates femoralis etabliert, um jene Faktoren zu untersuchen, die das Überleben der Tiere maßgeblich beeinflussen", erklärt Eva Ringler. Die rund fünf Hektar große Flussinsel wurde im Zuge der letzten Feldforschung genau vermessen und kartiert.

Markiert und genetisch erfasst

Über Allobates femoralis liegen bereits umfassende Vorarbeiten der Arbeitsgruppe um Walter Hödl, Professor am Department für Evolutionsbiologie der Universität Wien und Doktorvater von Ringler, vor. Darum eignet sich diese Froschart bestens für experimentelle Studien und Langzeituntersuchungen. "Wir haben bereits 1.800 Kaulquappen auf der Flussinsel ausgesetzt. Von jeder einzelnen wird ein genetisches Profil bestimmt: Dadurch können wir jedes Individuum vom Kaulquappen- bis zum Adultstadium genetisch verfolgen", erklärt Eva Ringler ihr Forschungsvorhaben, das sie gemeinsam mit ihrem Mann, dem Evolutionsbiologen Max Ringler, durchführt. Die Gewebeproben werden im Labor analysiert. Dafür wurde jeder Kaulquappe ein kleines Stück der Schwanzspitze entnommen. "Das ist quasi wie ein Fingerabdruck", so Eva Ringler.

Dank dieser genetischen Marker können Ringler und ihr Team die gesamte Pfeilgiftfroschpopulation der Flussinsel langfristig verfolgen und auch Stammbäume zwischen aufeinanderfolgenden Generationen rekonstruieren. "Wir sind die ersten, die Individuen über alle Stadien eines Amphibienlebens in einer derartigen Studie genetisch verfolgen und analysieren", freut sich die junge Forscherin.

Biographische Angaben zu Eva Ringler

Eva Ringler schloss 2011 ihre Dissertation zu Allobates femoralis ab und blieb "ihren Fröschen" treu: Unterstützt durch das L'Oréal-Stipendium "For Women in Science" – im Rahmen dessen sie im Frühjahr 2012 erneut in Französisch-Guyana forschte – bereitet sie sich nun auf das kürzlich vom FWF bewilligte Projekt "Fitnessfaktoren bei Arten mit komplexen Lebenszyklen" vor.

Wissenschaftlicher Kontakt
Dr. Eva Ringler
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA I)
T +43-1-4277-544 96
M +43-650-978 02 08
eva.ringler@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag.a Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
A-1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Veronika Schallhart | Universität Wien
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at
http://homepage.univie.ac.at/eva.ringler/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Welcher Scotch ist es?
25.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Teufelszwirn: Schmarotzer und dennoch Alarmüberträger bei Insektenbefall
25.07.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie

SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik

25.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

25.07.2017 | Physik Astronomie