Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurorezeptor verbessert Gedächtnis

20.09.2013
Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf haben einen Mechanismus im Gehirn gefunden, der die Gedächtnisleistung im Alter verbessert.

Zusätzlich identifizierten die Forscher ein Gen, das eine Vorhersage über mögliche Gedächtnisstörungen im Alter ermöglicht. Die Forschungsergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten für die Diagnose und Therapie von Demenzerkrankungen. Die Forscher haben ihre Studie jetzt in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science USA“* veröffentlicht.

Immer mehr Menschen werden immer älter, und immer mehr von ihnen leiden an Demenzerkrankungen. Der Verlust des Gedächtnisses vermindert die Lebensqualität und kann – wie bei Alzheimer – zum kompletten Verlust der Selbstständigkeit führen. Bisher können diese altersbedingten kognitiven Einbußen nicht aufgehalten oder umgekehrt werden. Forscher der FAU und der Universität Düsseldorf haben jetzt jedoch einen Mechanismus im Gehirn entdeckt, der dies ändern könnte.

In einem gesunden, jungen Gehirn spielt er nur eine unscheinbare Rolle, bei älteren Menschen jedoch entscheidet seine genetische Anlage über die Gedächtnisleistung – und damit auch über eine mögliche Demenzerkrankung: der Neurokinin3-Rezeptor. Dabei handelt es sich um ein Molekül, das bei der Signalübertragung von Peptiden im Gehirn die Ausschüttung des Botenstoffes Acetylcholin auslöst. Wie die Wissenschaftler um PD Dr. Maria A. De Souza Silva von der Uni Düsseldorf und Prof. Dr. Christian P. Müller von der FAU jetzt herausgefunden haben, reguliert der Neurokinin3-Rezeptor im Gehirn die Ausschüttung des Botenstoff Acetylcholin. Dieser Botenstoff wird schon seit langem mit der Kontrolle von Aufmerksamkeit und Gedächtnis in Verbindung gebracht. „In unserer Studie haben wir nachgewiesen, dass der Rezeptor die Ausschüttung von Acetylcholin aktiviert und sich dadurch die Gedächtnisleistung verbessert“, erklärt Prof. Müller.

Dazu untersuchte die Forschergruppe im Modellversuch mit Ratten den Einfluss des Rezeptors auf die Gedächtnisleistung. Wie bei älteren Menschen nimmt auch bei Ratten mit zunehmendem Alter die Merkfähigkeit ab. Für den Versuch schwammen die Ratten durch ein Labyrinth, mit dem Ziel eine verborgene Plattform zu finden. In einem zweiten Durchlauf wurde überprüft, ob sie sich an den Weg erinnern: Die Ratten fielen durch, erkannten ihre Umgebung nicht wieder und mussten sich den Weg erneut suchen. Anders die Ratten, deren Neurokinin3-Rezeptor stimuliert wurde: Sie fanden zielsicher ihren Weg durch das Labyrinth auf die sichere Plattform.

Einfach auf den Menschen übertragbar ist das Experiment jedoch nicht. „Wir wissen, dass der Mechanismus bei Ratten und Menschen gleich funktioniert. Jedoch funktioniert die Substanz, die wir bei den Ratten zur Stimulation des Rezeptors eingesetzt haben, nicht bei Menschen“, weiß Prof. Müller.

In einer zweiten Phase konzentrierten sich die Wissenschaftler daher auf das Gen, das den Rezeptor kodiert. Dazu werteten Prof. Müller und seine Kollegen Stichproben älterer Menschen mit Demenzerkrankungen aus. Die Stichproben hatte das Kompetenznetzwerk Demenz, an der das Universitätsklinikum Erlangen beteiligt ist, für seine Forschung gesammelt. Die Wissenschaftler verglichen sowohl das Volumen des Hippocampus – eine für das Gedächtnis wichtige Hirnregion –, als auch die Gedächtnisleistungen der Probanden. Das Ergebnis: Die verschiedenen Genvarianten erklärten die unterschiedliche Volumenabnahme des Hippocampus sowie die unterschiedlichen Gedächtnisleistungen. „Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung des Neurokinin3-Rezeptors für die Hirnfunktion und das Gedächtnis im Alter“, erklärt Prof. Müller. Zukünftig könnten die Forschungsergebnisse dabei helfen, neue diagnostische Instrumente sowie medikamentöse Therapien für Demenzerkrankungen zu entwickeln.

* http://www.pnas.org/content/110/37/15097.long

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christian P. Müller
Tel.: 09131/85-36896
christian.mueller@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designer-Proteine falten DNA
24.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen