Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Multi-Kinase-Inhibitor zur Behandlung von Krebs

28.04.2010
Wissenschaftlern im Forschungsbereich ProQinase der Klinik für Tumorbiologie Freiburg gelang es, in Zusammenarbeit mit dem Biotechnologieunternehmen 4SC AG eine Substanz zu identifizieren, die für die Behandlung von Krebs eingesetzt werden soll.

Der Wirkstoff wird jetzt im Rahmen einer Phase-I-Studie an gesunden Probanden hinsichtlich Sicherheit und Verträglichkeit geprüft.

„Bei dem Wirkstoff, der die Bezeichnung 4SC-203 erhalten hat, handelt es sich um einen sogenannten Multi-Kinase-Inhibitor“, so Dr. Christoph Schächtele, Direktor des Forschungsbereichs ProQinase an der Klinik für Tumorbiologie Freiburg, der mit seinem Team seit rund zehn Jahren an der Erforschung dieser neuen Generation von Krebsmedikamenten arbeitet.

Im Fokus des Interesses der Wissenschaftler stehen die Proteinkinasen, die unter anderem bei der Regulation der Zellteilung und der vom Tumor ausgelösten Gefäßneubildung (Tumorangiogenese) eine zentrale Rolle spielen. Im Falle einer Überaktivität können die Proteinkinasen unkontrolliertes Zellwachstum und damit Krebs verursachen. Aufgabe von Kinase-Inhibitoren ist es, in diesen Prozess einzugreifen, die unkontrollierte Zellteilung zu hemmen und die Versorgung des Tumors mit Nährstoffen zu unterbinden.

Der Multi-Kinase-Inhibitor 4SC-203 bindet an mehrere Proteinkinasen, wobei vor allem FLT3 und VEGF-R2 von Bedeutung sind. FLT3 ist ein besonders attraktiver therapeutischer Angriffspunkt für die Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML), der häufigsten Leukämie-Erkrankung des Erwachsenen. Beim gesunden Menschen ist FLT3 für das Wachstum und die Reifung normaler Blutzellen relevant. Bei AML-Patienten hingegen wird diese Kinase häufig in zu großen Mengen gebildet oder liegt in veränderter (mutierter) Form vor. Diese Mutationen gehen mit einer reduzierten Heilungschance für AML-Patienten einher, da ihr Auftreten zu einer hohen Wiedererkrankungsrate führt. Der neue Wirkstoff 4SC-203 hemmt sowohl die normale Form von FLT3 als auch die bisher bei AML-Patienten gefundenen Mutanten.

Dies konnten Forscher der Klinik für Tumorbiologie im Rahmen der präklinischen Untersuchungen zeigen. „Die jetzt gestartete Phase-I-Prüfung erfolgt an gesunden Probanden. Die weitere klinische Entwicklung von 4SC-203 zielt jedoch darauf ab, diese Substanz zunächst zur Behandlung von Patienten mit AML einzusetzen“, so Schächtele. „Da 4SC-203 aber gleichzeitig VEGF-R2, einen Schlüsselregulator der Tumorangiogenese hemmt, besteht die Chance, dass der Wirkstoff auch bei der Behandlung solider Tumoren Anwendung finden kann.“

Die Phase-1-Studie soll im Laufe des Jahres abgeschlossen werden.

Kontakt:
Dr. Christoph Schächtele
Direktor Forschungsbereich ProQinase
Klinik für Tumorbiologie
Breisacher Str. 117
79106 Freiburg
0761 206 1701
schaechtele@tumorbio.uni-freiburg.de
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de
http://www.proqinase.com
http://www.clinicaltrials.gov
http://www.4sc.com

Barbara Riess | idw
Weitere Informationen:
http://www.tumorbio.uni-freiburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Salmonellen als Medikament gegen Tumore
23.10.2017 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Add-ons: Was Computerprogramme und Proteine gemeinsam haben
23.10.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie