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Neuer Forschungsansatz bei Leukämie

02.12.2010
Gesunde Zellen sollen Hinweise auf die Krankheitsentstehung liefern

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine Krebserkrankung des Blutes. Bei ihrer Entstehung spielen Veränderungen im Erbgut des Patienten eine entscheidende Rolle. Viele der fehlerhaften Gene sind jedoch noch unbekannt.

Die Wissenschaftler um Dr. Philipp A. Greif und Prof. Stefan K. Bohlander von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der Ludwig-Maximilians-Universität München verfolgen eine neue Strategie: Sie untersuchen anstatt des kompletten Erbguts lediglich die Gene, die in den Leukämiezellen aktiv sind, und vergleichen sie mit denen gesunder Zellen.

In einer von der Deutschen Krebshilfe mit 296.000 Euro geförderten Studie wollen sie so die an der Entstehung von Leukämie beteiligten Gene identifizieren. Das Verständnis der genetischen Mechanismen, die zu einer AML führen, soll zukünftig die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden ermöglichen.

Die AML entsteht im Knochenmark, wo sich funktionsuntüchtige Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen, die Leukämiezellen, schnell und unkontrolliert vermehren. Indem sie die gesunden Abwehrzellen verdrängen, legen die entarteten Zellen schließlich das gesamte Immunsystem lahm. Ursache dafür sind genetische Veränderungen, so genannte Mutationen, in den blutbildenden Zellen des Knochenmarks.

Viele der für den Blutkrebs verantwortlichen Gene sind jedoch noch nicht bekannt und die Suche nach Veränderungen im Erbgut ist äußerst zeitintensiv, aufwändig und teuer. Daher untersuchen die Wissenschaftler um Greif und Bohlander lediglich Gene, die in den Leukämiezellen aktiv sind. Diese vergleichen sie mit denselben Genen in gesunden Blutzellen. Unterscheiden sich die Gene voneinander, liegt möglicherweise eine Leukämie-auslösende Mutation vor.

Dieser Ansatz und neueste molekularbiologische Methoden ermöglichen es den Wissenschaftlern, etwa zehnmal schneller und kostengünstiger zu arbeiten als bisher. Die in den bösartigen Zellen auftretenden genetischen Veränderungen sollen Aufschluss über den genauen Entstehungsprozess der Krankheit geben. Die Mutationen sind dabei nicht auf einzelne Gene beschränkt. „Vermutlich gibt es eine große Anzahl genetischer Veränderungen, von denen jeweils mehrere zusammenwirken müssen, um eine gesunde Zelle in eine unkontrolliert wachsende Leukämiezelle zu verwandeln“, erläutert Greif.

Ziel des Projektes ist es, möglichst viele solcher Gen-Mutationen zu identifizieren. „Unsere Arbeit ist wegbereitend, um in Zukunft die individuellen genetischen Ursachen einer Krebserkrankung zu erkennen. Damit schaffen wir die Voraussetzung für die Entwicklung neuer und zielgerichteter Behandlungsmethoden“, betont Greif. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, erläutert: „Um wirkungsvolle Therapien entwickeln zu können, ist es notwendig, eine Krebserkrankung bis hin zu den molekularen Details zu verstehen.“ Die gemeinnützige Organisation fördert das Projekt mit 296.000 Euro.

Für die Identifizierung von neuartigen Mutationen bei AML, die zwei bisher kaum bekannte Gene betreffen, ist Philipp A. Greif vor kurzem mit dem Forschungspreis von der Anne-Liese-Gaebel-Stiftung sowie mit dem „Merit Award“ von der „International Society of Oncology and Biomarkers“ ausgezeichnet worden.

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Hintergrund-Information: Leukämie – Warum entsteht sie?
In Deutschland erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen neu an Leukämie. Auch wenn insgesamt noch wenig über die Ursachen für diese Krebsart bekannt ist, konnten in den letzten Jahren bestimmte Erkrankungsrisiken identifizieren werden. Es gilt heute als gesichert, dass ionisierende Strahlung, also radioaktive und Röntgenstrahlung, genetische Veränderungen an den für die Blutbildung zuständigen Zellen hervorrufen können. Dabei gilt: Je höher die Strahlendosis, der ein Mensch ausgesetzt war, desto mehr nimmt das Erkrankungsrisiko zu. Andere Faktoren, die zu einer Erkrankung führen können, sind bestimmte chemische Stoffe wie Pflanzenschutzmittel oder organische Lösungsmittel wie etwa Benzol. Eine erbliche Veranlagung für eine Leukämie-erkrankung ist bisher nicht nachgewiesen.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | Deutsche Krebshilfe e. V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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