Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz zur Behandlung von Leberkrebs

15.02.2010
Tübinger Forscher entwickeln mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung weltweit erste Impfstoffe für die Immuntherapie

Tübinger Wissenschaftler um Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee vom Interfakultären Institut für Zellbiologie (IFIZ), Abteilung Immunologie, der Eberhard Karls Universität entwickeln den weltweit ersten therapeutischen Impfstoff zur Behandlung von Leberkrebs.

Derzeit gibt es nach der chirurgischen Entfernung von Lebertumoren keine erfolgreiche begleitende Therapie, die ein mögliches Wiederauftreten des Krebses verhindert. Chemotherapeutische Ansätze zeigen bisher nur eine enttäuschende Wirkung. In der Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie (Prof. Dr. Alfred Königsrainer), dem Institut für Pathologie (Prof. Dr. Falko Fend) und der Medizinischen Genetik (Prof. Dr. Olaf Riess) verfolgen die Tübinger Forscher nun einen neuen Ansatz. Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Leberkrebs wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als einer Million Euro unterstützt. Der Beginn der klinischen Prüfung, also die Impfung der ersten Patienten, ist frühestens für die zweite Jahreshälfte 2012 vorgesehen.

Krebszellen unterscheiden sich von normalen Zellen durch bestimmte Veränderungen, die zum Beispiel durch Mutationen in der Erbsubstanz hervorgerufen werden. Das Immunsystem kann diese Veränderungen erkennen. Bei den meisten Krebserkrankungen erfolgt jedoch keine oder nur eine unzureichende Immunreaktion des Körpers gegen den Tumor, da sich Krebszellen gegen die körpereigene Immunabwehr mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen wehren können. Auch beim Leberkrebs zeigen sich die Veränderungen in kleinen Eiweißmolekülen (Peptiden), die die krebsspezifischen Abweichungen tragen. Dabei sind diese Mutationen bei jedem Patienten individuell verschieden. Bisher galt es als unmöglich, die mutierten Peptide für jeden einzelnen Patienten zu ermitteln und für therapeutische Zwecke einzusetzen. Ziel der Tübinger Forscher ist nun, die Veränderungen jeweils individuell zu identifizieren und als Krebsantigene zu nutzen, um einen tumorspezifischen Impfstoff herzustellen. Für jeden Patienten wird dann eigens eine Zusammenstellung der in seinen Krebszellen veränderten Peptide hergestellt, mit denen er individuell immunisiert wird. Dadurch werden die Krebszellen für das Immunsystem sichtbar und können bekämpft werden.

Neben der patientenindividuellen Immuntherapie soll auch nach mutierten oder anderweitig veränderten Peptiden gesucht werden, die in mehr als nur einem Krebspatienten relevant sind. Mithilfe eines Cocktails aus derartigen veränderten Proteinen ließe sich dann ein bei vielen Patienten anwendbarer Impfstoff gegen Leberkrebs herstellen. Dass dieses Vorgehen im Prinzip bereits funktioniert, zeigt der von immatics biotechnologies hergestellte Impfstoff gegen das Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs), der bereits in einer klinischen Studie erprobt wird. Die immatics biotechnologies GmbH ist einer der vier Partner des BMBF-Projektes und ist eine Ausgründung aus der Abteilung für Immunologie.

Kontakt und weitere Informationen:

Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee
Eberhard Karls Universität Tübingen
Interfakultäres Institut für Zellbiologie Abteilung Immunologie Auf der Morgenstelle 15, 72076 Tübingen
Tel.: 0 70 71 / 29-8 09 91
E-Mail: hans-georg.rammensee@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften