Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Methode zur Gewinnung von induzierten pluripotenten Stammzellen

10.06.2015

Im Labor des Südtiroler EURAC-Zentrums für Biomedizin haben Forscher eine neue kosten- und zeitsparende Methode entwickelt, die das Gewinnen so genannter induzierter pluripotenter Stammzellen vereinfacht. Während bislang dafür frisches Blut notwendig war, können die Forscher mit der neuen Methode auch Zellen erwachsener Personen aus tiefgekühlten Blutproben verwenden. Mit dem Verfahren werden Zellen aus dem Blut „umprogrammiert“, so dass sie ähnliche Fähigkeiten wie embryonale Stammzellen erhalten und es ermöglichen, die Entwicklung verschiedener Krankheiten sowie neue Therapien und Wirkstoffe besser zu erforschen.

Für die medizinische Forschung ist eine embryonale Stammzelle eine Art Wunderzelle: Sie kann sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden, wie zum Beispiel Nervenzellen oder Herzzellen. Doch gehen mit ihrer Verwendung ethische Probleme einher, weil die Embryonen bei der Gewinnung der Stammzellen zerstört werden.


Forschung an iPS-Zellen unter dem Mikroskop im Labor des EURAC-Zentrums für Biomedizin

EURAC/Bortolotti

Vor diesem Hintergrund haben „induzierte pluripotente Stammzellen“, kurz iPS-Zellen, innerhalb weniger Jahre ihren Siegeszug in der Forschung angetreten. Sie haben nämlich ähnliche Fähigkeiten wie die embryonalen Stammzellen, können also auch in jede Art von Körperzelle umgewandelt werden. Sie werden allerdings nicht aus Embryonen, sondern aus verschiedenen Zelltypen, wie z.B. Blutzellen, von erwachsenen Menschen gewonnen.

Diese Technologie hat die medizinische Forschung revolutioniert, weil sie es erlaubt molekulare Mechanismen zu erforschen, die Erkrankungen steuern. Auf diese Weise können neue Therapieansätze sowie neue Medikamente entwickelt werden. Darüber hinaus sind die iPS-Zellen ein entscheidender Schritt hin zu einer personalisierten Medizin. Denn sie ermöglichen es, die Auswirkung bestimmter Medikamente auf Nerven- oder Herzzellen zu testen, die den betroffenen Patienten ansonsten keinesfalls entnommen werden könnten.

„Wir haben es geschafft eine neue Methode zu entwickeln, die das Erzeugen dieser iPS-Zellen im Labor weniger aufwändig macht. So wurde bei der bisherigen Methode frisches Blut mit Reagenzien zentrifugiert, um die Zellen zu isolieren, die für das Umprogrammieren gebraucht werden. Unser Ansatz hingegen ermöglicht es tiefgekühltes Blut zu verwenden und reduziert die benötigen Reagenzien.

Unsere Methode ist also einfacher, kostengünstiger und zeitsparender, erklären die Molekularbiologinnen Viviana Meraviglia und Alessandra Zanon, die am EURAC-Zentrum für Biomedizin forschen und die Studie durchgeführt haben. „Die große Errungenschaft unserer Methode ist, dass wir sie im Gegensatz zu den bisherigen Möglichkeiten auch bei gefrorenen Blutproben anwenden können, die in Biobanken lagern und beispielsweise auch aus anderen Studien oder anderen Forschungszentren stammen“, fährt Studienleiterin Alessandra Rossini fort.

Das EURAC-Zentrum für Biomedizin erforscht vor allem neurologische Erkrankungen wie etwa Parkinson sowie Herz-Kreislauferkrankungen. Derzeit arbeiten die Forscher daran, iPS-Zellen in spezifische Herzzellen und in bestimmte Nervenzellen umzuwandeln. Ziel ist es, zum einen eine genetisch bedingte Herzrhythmusstörung der rechten Herzkammer (Arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie, ARVD) und zum anderen die Entwicklung von Parkinson besser zu erforschen.

Die Studie ist vor kurzem im internationalen Fachmagazin „Journal of Visualized Experiments - JoVE” publiziert worden. Ein Filmteam des Fachmagazins hat die Laboratorien des EURAC-Zentrums für Biomedizin in Bozen Süd besucht, um dort alle Schritte der neu entwickelten Methode für andere Forschungszentren genau zu dokumentieren.

Laura Defranceschi | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.eurac.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics