Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Krebsgene identifiziert

31.03.2009
Falsche Genaktivität begünstigt Chromosomenverschmelzung

Wissenschaftlern der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums ist es gelungen, die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs auf molekularer Ebene ein Stück weit zu enträtseln.

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift PNAS* beschreibt das Team um Dr. Stephan Mathas und Prof. Bernd Dörken einen Mechanismus, der zentral am anaplastisch-großzelligen Lymphom (ALCL), einer besonders aggressiven Form von Lymphdrüsenkrebs, beteiligt ist.

Bekannt ist, dass es durch die Verschmelzung einzelner Teile zweier Chromosomen, einer sogenannten chromosomalen Translokation, zu bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämie oder Lymphomen kommen kann. Es entstehen Fusionsgene mit veränderten Eigenschaften, die das ungehemmte Wachstum und das Überleben der Tumorzelle fördern.

Im Fall der ALCL-Zellen kommt es zu einer Verschmelzung von Teilen der Chromosomen 2 und 5 und damit zur Entstehung des neuen NPM-ALK Gens. "Durch die Entwicklung neuer Techniken konnten Translokationen in den letzten Jahren vermehrt bei verschiedenen Tumorerkrankungen festgestellt werden", erklärt Dr. Mathas. "Doch wie diese Translokationen selbst sich entwickeln, war bislang unbekannt."

Dem Forscherteam ist es jetzt erstmals gelungen in ALCL-Zellen neue molekulare Defekte zu beschreiben, durch die es zu einer starken räumlichen Annäherung der Chromosomen 2 und 5 im Zellkern kommt. Zudem konnten die Wissenschaftler die Entstehung der ALCL-typischen Translokation in solchen Zellen experimentell herbeiführen. Für ihre Untersuchungen nutzten sie ALCL-Zellen, die im Reagenzglas vermehrt werden können.

Um das Zerbrechen von Chromosomen in solchen Zellkulturen zu provozieren, wurden sie mit ionisierender Strahlung behandelt. Danach ließen sich unter dem Mikroskop die selbständig ablaufenden Verschmelzungsprozesse beobachten. In Zellen, in denen die neu identifizierten molekularen Defekte vorhanden waren, erfolgte die Verschmelzung falsch und es kam zum Auftreten von ALCL-typischen Translokationen. Zur Analyse der Chromosomen wurden die Zellen fixiert und die beteiligten Gene mit unterschiedlichen Farben markiert.

"Diese Ergebnisse liefern einerseits neue Erkenntnisse für die Entstehung des Lymphoms, andererseits stellen sie einen neuen Ausgangspunkt für die Untersuchung von Chromosomenbruchpunkten bei anderen bösartigen Erkrankungen dar", sagt Dr. Mathas

*Stephan Mathas et al.: Gene deregulation and spatial genome reorganization near breakpoints prior to formation of translocations in anaplastic large cell lymphoma. In: PNAS Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, March 2009. [epub ahead of print]

Kerstin Endele | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer
22.08.2017 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

nachricht Virus mit Eierschale
22.08.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen