Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Genbereiche identifiziert, die für den Nüchternblutzucker und Diabetes eine Rolle spielen

18.01.2010
Das große internationale Forschungskonsortium MAGIC (Meta-Analyses of Glucose and Insulin-related traits Consortium) hat mit Hilfe einer Meta-Analyse* von 21 genomweiten Assoziationsstudien** neue Genbereiche identifiziert, die den Nüchternblutzucker beeinflussen.

Einige dieser Genorte sind direkt mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert. An dem Konsortium ist auch Andreas F. H. Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) beteiligt. "Aufgrund der genetischen Daten können wir nun gezielter erforschen, welche Stoffwechselmechanismen zu einem erhöhten Nüchternblutzucker führen und wie unsere Gene die Diabetesentstehung beeinflussen", so Pfeiffer.

Die Wissenschaftler des Konsortiums, unter Führung von Jose Florez vom Massachusetts General Hospital in Boston, USA, publizierten ihre Daten nun online in der Fachzeitschrift Nature Genetics (Dupuis J. et al.; 2010, DOI:10.1038/ng.520).

Weltweit sind mehr als 220 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt - 90 Prozent dieser Menschen haben einen Typ-2-Diabetes. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die schwere Folgekomplikationen nach sich ziehen kann. Zu diesen gehören: Erblinden, Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen und der Verlust von Gliedmaßen durch Amputationen. Diagnostiziert wird der Typ-2-Diabetes u. a. anhand von Blutzuckeruntersuchungen. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft sollte der normale Nüchternblutzucker weniger als 100 mg/dl (5,6 mmol/l) Blut betragen.

Die Wissenschaftler des Forschungskonsortiums MAGIC analysierten in der vorliegenden Studie etwa 2,5 Millionen SNPs, so genannte Einzel-Nukleotid-Polymorphismen***, die im Zusammenhang mit dem Nüchternblutzuckerspiegel, dem Nüchterninsulinspiegel, der Insulinresistenz und der Beta-Zell-Funktion stehen sollen. Die SNPs waren im Rahmen von 21 genomweiten Assoziationsstudien identifiziert worden, welche die Daten von 46.186 Studienteilnehmern europäischer Abstammung einschlossen, die nicht an Diabetes erkrankt waren.

Durch die Auswertung der Assoziationsstudien grenzten die Forscher die Vielzahl der in Frage kommenden SNPs auf zunächst 25 Bereiche im Genom ein. Nach weiterführenden Untersuchungen an zusätzlichen Daten von 76.558 Probanden blieben neun bislang noch unbeschriebene Genorte übrig, die mit dem Nüchternblutzuckerwert in Zusammenhang stehen. Ein weiterer Genbereich konnte mit Insulinresistenz und dem Nüchterninsulinspiegel in Verbindung gebracht werden.

Die sich in den identifizierten Bereichen befindenden, vermutlich relevanten Gene, spielen eine Rolle für die Signalweiterleitung, das Zellwachstum, die Zellentwicklung, die Messung des Blutzuckerspiegels und den Biorhythmus.

"Eine detaillierte Untersuchung der näher eingegrenzten Gene wird dazu beitragen, unser Verständnis der zugrunde liegenden physiologischen Mechanismen des Zuckerstoffwechsels zu vertiefen - eine wichtige Vorraussetzung, um neue Diabetestherapien zu entwickeln", so Pfeiffer.

Das Wissenschaftlerteam um Pfeiffer hat bereits kürzlich die Bedeutung eines der in der Meta-Analyse identifizierten Genorte - IGF-1**** - bei Menschen untersucht und konnte einen direkten Zusammenhang der Bioaktivität dieses Faktors mit der Insulinempfindlichkeit und seiner Regulation durch Insulin herstellen (Arafat et al., J Clin Endocrinol Metab; Dez. 2009; DOI: 10.1210/jc.2009-0875).

Hintergrundinformation:

*Eine Meta-Analyse ist eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen zu Metadaten, die mit quantitativen, statistischen Mitteln arbeitet. (Quelle: Wikipedia)

**Genomweite Assoziationsstudien: Mit Hilfe dieser Studien untersucht man die genetischen Variationen in einem Genom (Gesamtheit der vererbbaren Informationen einer Zelle), um genetische Varianten (SNPs) zu identifizieren, die mit einem bestimmten Merkmal, z. B. der Empfänglichkeit für eine bestimmte Erkrankung, assoziiert sind. In diesen Studien werden z. B. die Daten von erkrankten Personen mit den Daten von nicht an der zu untersuchenden Krankheit erkrankten Personen (Kontrollgruppe) verglichen. SNPs, die bei erkrankten Personen gehäuft auftreten, werden als "mit der Krankheit assoziiert" bezeichnet.

***SNP, engl.: Single Nucleotide Polymorphism oder deutsch: Einzel-Nukleotid-Polymorphismus oder auch Punktmutation: Es handelt sich hierbei um Variationen von einzelnen Basenpaaren in einem DNA-Strang (Erbgut-Strang).

****IGF-1: Insulin-like-Growth Factor (Insulinähnlicher Wachstumsfaktor), eine gesteigerte Freisetzung von IGF-1 führt zu einer erhöhten Insulinempfindlichkeit.

In die Meta-Analyse sind auch Daten der am DIfE durchgeführten Metabolisches Syndrom Berlin Potsdam Studie (MESY-BEPO-Studie) eingeflossen, an der mehr als 2.600 Menschen teilnehmen. Die Studie wird von Professor Andreas F. H. Pfeiffer geleitet, dem Leiter der DIfE-Abteilung Klinische Ernährung. Mehr Informationen zur Studie finden sie unter: http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/aktuelles/studienteilnehmer.php

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:
Professor Dr. Andreas F. H. Pfeiffer
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Klinische Ernährung
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Germany
Tel. +49 33200 88 771
Fax +49 33200 88 777
afhp@dife.de
afhp@charite.de (am 18.01.10 ist Herr Prof. Pfeiffer nur über diese E-Mail-Adresse zu erreichen)
Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88 278/335
Fax: +49 33200 88 503
E-Mail: olias@dife.de

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.dife.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Krebsdiagnostik: Pinkeln statt Piksen?
25.05.2018 | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

nachricht Kugelmühlen statt Lösungsmittel: Nanographene mit Mechanochemie
25.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics