Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zu Risiken der Stammzelltransplantation

01.10.2013
Forscher entschlüsseln molekulare Mechanismen, die zur Entstehung der Graft-versus-Host-Erkrankung beitragen

Eine Arbeitsgruppe um den Hämatologen Prof. Dr. Robert Zeiser aus der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Freiburg konnte die molekularen Mechanismen entschlüsseln, die nach allogener Stammzelltransplatation zum Ausbruch der Graft-versus-Host-Erkrankung führen.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher nun in der renommierten Fachzeitschrift The Journal of Experimental Medicine.

Werden Patienten mit Leukämie- oder Lymphomerkrankungen blutbildende Stammzellen eines Spenders transplantiert (allogene hämatopoetische Transplantation), kann es zu einer besonderen Form der Immunreaktion kommen. Während bei Herz- oder Nierentransplantationen die körpereigene Immunabwehr des Empfängers das fremde Gewebe angreift, wendet sich bei der Graft-versus-Host-Erkrankung das Transplantat gegen den Wirt:

In Folge der Stammzelltransplantation bilden sich weiße Blutkörperchen, die das Gewebe und die Organe des Empfängers angreifen. Besonders Haut-, Leber- und Darmgewebe können dabei schwer geschädigt werden.

Die Graft-versus-host-Erkrankung gehört damit zu den gefürchtetsten Komplikationen nach der allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation und schränkt die Überlebenschancen der Betroffenen stark ein. Die Freiburger Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Robert Zeiser ist es in enger Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen aus Zürich (Dr. Emmanuel Contassot, Abteilung Dermatologie) und München (PD Dr. Hendrik Poeck, III. Medizinische Klinik, Klinikum Rechts der Isar) gelungen, die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln, die zum Ausbruch der Graft-versus-Host-Erkrankung führen.

Sie konnten zeigen, dass die bakterielle Besiedlung im Magen-Darm-Trakt sowie die Harnsäure, die beim Zerfall einzelner Zellen nach der allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation freigesetzt wird, dem angeborenen Immunsystem eine lokale Schädigung anzeigen. Hierdurch wird jedoch nicht nur das angeborene Immunsystem des Betroffenen aktiviert, sondern in einem zweiten Schritt auch das erworbene Immunsystem des Stammzellspenders im Patienten sensibilisiert, was den Ausbruch der Graft-versus-Host-Erkrankung begünstigt.

„Diese neuen Erkenntnisse über die biologischen Grundlagen der Graft-versus-Host-Erkrankung geben uns wertvolle Hinweise, wo wir in der Therapie ansetzen können“, so Prof. Dr. Justus Duyster, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Freiburg.

Titel der Originalveröffentlichung: The Nlrp3 inflammasome regulates acute graft-versus-host disease

doi: 10.1084/jem.20130084

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Zeiser
Oberarzt
Klinik für Innere Medizin I
Telefon: 0761 270-36250
robert.zeiser@uniklinik-freiburg.de

Benjamin Waschow | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de
http://jem.rupress.org/content/210/10/1899.long

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Designerviren stacheln Immunabwehr gegen Krebszellen an
26.05.2017 | Universität Basel

nachricht Wachstumsmechanismus der Pilze entschlüsselt
26.05.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften